Eine Frühgeburt stellt immer eine Notsituation für Mutter und Kind dar

Gesundheitslexikon: Frühgeburt

© dpa, Arno Burgi

6. September 2019 - 12:10 Uhr

Was Sie über das Risiko einer Frühgeburt wissen müssen

Auf der Frühchenstation werden die winzig kleinen Babys betreut, die bereits vor dem Geburtstermin das Licht der Welt erblickt haben. Alle Frauen mit drohender Frühgeburt müssen stationär überwacht werden. Die körperliche Entlastung lässt sich für die meisten Frauen im Krankenhaus einfacher umsetzen als zu Hause.

Was ist eine Frühgeburt?

Eine Frühgeburt ist der medizinische Fachbegriff für den Abschluss der Schwangerschaft vor der 36. Schwangerschaftswoche (SSW). Dabei droht die größte Gefahr für das Kind durch das niedrige Geburtsgewicht und die noch nicht ausgereiften Organe, wenn keine entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden. Wird eine Schwangere mit drohender Frühgeburt ins Krankenhaus eingeliefert, ist die Patientenbeobachtung von Vitalwerten und Blutzucker über EKG und CTG bis hin zu Ausscheidung und Scheiden-pH-Wert wichtig. Außerdem lernt die werdende Mutter den Muttermund entlastende Lagerungen, sich En-Bloc zu mobilisieren oder im "Schinkengang" zu gehen, damit Gebärmutterhals und Portio entlastet sind. Auch Unterstützung bei der Körperpflege oder spezielle Kost sind im Krankenhaus gewährleistet.

Ursachen

Die Hauptursache für eine Frühgeburt ist neben einer Zervixinsuffizienz, also dem Unvermögen des Gebärmutterhalses dem steigenden Gewicht aus dem Bauchraum länger Stand zu halten, eine Plazentaruptur. Darunter versteht man einen Riss in oder eine Ablösung der Plazenta. Auch eine vorzeitig beginnende Wehentätigkeit kann zu einer Frühgeburt führen.

Risikofaktoren, eine Zervixinsuffizienz, eine Plazentaruptur oder vorzeitige Wehen zu entwickeln, sind vor allem die folgenden:

- Mehrlings-Schwangerschaften

- Blutungen

- Eklampsie (plötzlich auftretende Erkrankung mit Krampfanfällen)

- schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck

- urogenitale Infekte

- Gestations-Diabetes

Mögliche Komplikationen

Da das Kind vor der 36. Schwangerschaftswoche noch unterentwickelt ist, stellt vor allem die Amnioninfektion eine sehr große Gefahr dar. Die Entzündung der Eihöhle, Eihäute, Plazenta und des Fetus kann innerhalb kürzester Zeit zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen. Auch eine fetale Hypoxie, eine akute Unterversorgung des Kindes über die Plazenta mit Sauerstoff, sowie das Atemnotsyndrom sind mögliche Komplikationen. Zudem tritt bei Frühgeburten gehäuft ein intrauteriner Mekoniumabgang, das Abgeben des ersten Kots in der Fruchthöhle verbunden mit dessen Aspiration (Einatmung), auf.

Prognose

Psychische Unterstützung und Entspannungsmöglichkeiten finden ebenso ihren Platz wie die medikamentöse Therapie. Dadurch kann oftmals eine Frühgeburt um einige Tage oder Wochen hinausgezögert werden. Dies reicht meist aus, um eine intensivtherapeutische Überwachung des Kindes abzuwenden. Doch auch dieser Prozess ist mittlerweile kein Grund mehr für den frühen Tod des Kindes oder spätere Entwicklungsstörungen. Die meisten Kinder, die zwischen der 25. und 36. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, haben heute relativ gute Chancen auf ein normales und beschwerdefreies Leben.

Vorbeugung

Während in akuten Notsituationen das Kind meist operativ per Kaiserschnitt auf die Welt geholt wird, um Intensivmaßnahmen einzuleiten, kann in weniger gravierenden Situationen auch medikamentös und konservativ der Geburtsverlauf aufgehalten und einige Tage oder Wochen hinausgezögert werden, bis das Kind weiterentwickelt ist. Per Tokolyse (Wehenhemmer) lassen sich vorzeitige Wehen aufhalten. Kortison regt die Produktion von Surfactant an, einem Stoff, der die Lungen des Kindes schnell reifen lässt. Antibiotika hilft gegen Infektion durch einen vorzeitigen Blasensprung und verschafft ebenfalls Zeit.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.