Mutter steht vor GerichtFrühchen liegt monatelang tot im Gefrierfach

Das Kind lebte nur wenige Minuten!
Eine Frau aus Achim (Niedersachsen) soll ihr zu früh geborenes Kind in einen Pizzakarton gelegt und monatelang in der Tiefkühltruhe versteckt haben. Die Schwangerschaft selbst habe die drogensüchtige 33-Jährige gar nicht bemerkt, jetzt muss sie sich vor dem Landgericht Verden wegen Totschlags verantworten.
Frühchen stirbt nach 30 Minuten
Während die Anklageschrift am Montagmorgen (23. Februar) verlesen wird, zeigt die 33-jährige Angeklagte kaum eine Regung. Sie wirkt teilnahmslos. Konkret wird ihr zum Prozessauftakt vorgeworfen, sich nicht um ihr neugeborenes Kind gekümmert zu haben, obwohl dieses nach der Geburt dringend medizinisch hätte versorgt werden müssen. Wie eine Obduktion ergibt, kommt das Kind in der 27. oder 28. Schwangerschaftswoche lebendig zur Welt und stirbt nach 30 Minuten. Damit es niemand findet, soll die Mutter es in einen Pizzakarton gesteckt und diesen in das Gefrierfach des Kühlschranks gelegt haben. Angehörige finden das Kind Monate später.
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Angeklagte war offenbar unbemerkt schwanger
Die 33-Jährige habe laut Anklageschrift eine bewegte Geschichte und soll seitdem sie elf Jahre alt ist Heroin und Kokain genommen haben. Finanziert habe sie die Drogen durch Prostitution, die Schwangerschaft selbst habe sie im Rausch gar nicht bemerkt. Die Wehen habe sie als Verstopfung abgetan. Die Verteidigerin der Angeklagten, Daniela Post, bezweifelt im Interview mit RTL, dass die Mutter nach so einer Sturzgeburt überhaupt in der Lage gewesen sei, die Rettungskräfte zu rufen, weshalb sie auf Freispruch für ihre Mandantin plädieren wird: „Im gesamten Ablauf ist das eine fürchterliche Geschichte für die Mutter, mit der sie leben muss. In der Situation hätte sie aber nichts anderes tun können“, so Post.
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Schuldunfähigkeit steht im Raum
In Untersuchungshaft befindet sich die Angeklagte aktuell nicht, da die deutsche Staatsbürgerin laut Vorsitzender Richterin vermutlich nicht mit Vorsatz gehandelt habe. Wegen ihrer Drogensucht steht auch eine mögliche Schuldunfähigkeit im Raum, in dem Fall würde die Frau nicht verurteilt werden. Die Kammer hat nun medizinische Sachverständige damit beauftragt, herauszufinden, ob das Frühchen überhaupt eine Lebenschance gehabt hätte, wenn rechtzeitig nach der Geburt medizinische Hilfe eingetroffen wäre. Die Ergebnisse sollen am nächsten Verhandlungstag präsentiert werden.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, dpa

































