Frühchen-Kamera für zu Hause

Viel zu früh auf der Welt: Eltern halten mit Webcam Kontakt zu ihrem Baby

7. Juni 2019 - 13:47 Uhr

Ständiger Kontakt mit den Frühchen dank Webcam

Behutsam hält Neu-Mama Nadine die winzige Hand von Töchterchen Pia. Ganz so, als wollte sie  ihre nie wieder Tochter loslassen. Die Kleine kam dreieinhalb Monate zu früh auf die Welt, wog bei der Geburt gerade einmal 500 Gramm. Statt mit ihren Eltern nach Hause zu können, muss sie deshalb für Wochen im Brutkasten bleiben.

Doch auch der frischgebackene Vater Peter kann ganz nah bei seiner Tochter sein, auch wenn er eigentlich bei der Arbeit ist. Denn seit 2017 macht die Webcam auf der Frühchenstation in der Uniklinik Bonn den virtuellen Rundum-Kontakt möglich. Im Video erzählt uns Nadine, was ihr das bedeutet - und welchen erstaunlichen körperlichen Effekt die Kamera auf sie hat.

Der Bund fördert die Frühchen-Webcam

Wenn sehr kleine Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm auf die Welt kommen, müssen sie meist sehr lange Zeit im Krankenhaus bleiben. Täglich besucht die Nadine ihre kleine Pia in der Uniklinik Bonn, der Körperkontakt ist wichtig für die gesunde Entwicklung des Kindes.

Wie wichtig diese besondere Eltern-Kind-Beziehung ist, hat auch der Bund erkannt und fördert ab sofort mit zwei Millionen Euro das Forschungsprojekt "Neo-CamCare". Die Studie erforscht in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Bonn, der Uni Köln und der Kölner Uniklinik, ob der Einsatz von Webcams auf neonatologischen Intensivstationen die psychische Belastung durch die Trennung von Eltern und Kind abbaut. 

Verschlüsselte Passwörter für den Zugriff

Für die Eltern ist der Frühchen-Livestream kostenlos, und auch für den Datenschutz - einen der meistdiskutierten Aspekte bei diesem Thema - wird gesorgt: Mit verschlüsselten Passwörtern können nur die jeweiligen Eltern ihr Kind im Livestream sehen.

In den USA wird das System bereits eingesetzt. Auch hierzulande sollen die Kameras bald nicht nur in Bonn und vereinzelten anderen Frühchenstationen, sondern deutschlandweit in Kliniken installiert werden. Und die Forschung arbeitet weiter daran, die Verbindung zwischen Eltern und Frühgeborenen zu stärken und somit die Entwicklung der Babys zu fördern: Etwa mit einer Hightech-Matratze, die das Kind in Echtzeit den Herzschlag und die Atemfrequenz von Mama oder Papa spüren lässt.