Unterkühlt und erschöpft kauerte sie im Gebüsch

Vermisste Achtjährige im Böhmerwald: Dieser Förster fand Julia S.

14. Oktober 2021 - 9:28 Uhr

Förster findet vermisste Julia S. kurz hinter der tschechischen Grenze

Zwei Tage und Nächte irrte die acht Jahre alte Julia aus Berlin allein durch den Böhmerwald. Das Mädchen war im Urlaub bei einer Wanderung mit seiner Familie in der Nähe von Waldmünchen an der deutsch-tschechischen Grenze verloren gegangen. Doch dann die Erleichterung: Förster Martin Semecky entdeckte das Kind im Wald. Polizei, Bergwacht, Feuerwehr und Hundestaffeln hatten stundenlang in dem unzugänglichen Gebiet nach dem Mädchen gesucht.

Julia überlebte zwei Tage und zwei Nächte allein im Böhmerwald

Der Förster beschrieb der tschechischen Zeitung "Denik", wie er Julia fand. In Absprache mit der Einsatzleitung habe er mit vier Kollegen einen Teil des Waldes durchkämmt, der noch nicht durchsucht worden war. "Als wir sie gesehen haben, haben wir unseren eigenen Augen nicht getraut", erzählte Semecky. "Es ist ein Wunder, dass sie überlebt hat."

"Ich habe ihre blonden Haare gesehen, Jacke und Schuhe erkannt", sagte Semecky der "Bild"-Zeitung. "Ich habe sie gefragt 'Julia, bist du das?' und sie sagte 'Ja, ja'", so Semecky gegenüber RTL weiter. "Dann haben wir eine Jacke genommen und ihr die Jacke über gehangen." Danach war die Erleichterung bei allen riesig. Julia wurde unterkühlt, aber lebendig gefunden. Die Grundschülerin überlebte zwei Nächte bei eisigen Temperaturen.

Der tschechischen Zeitung "iDnes" beschrieb Semecky wie er sich kurz nach dem Fund des Mädchens fühlte: "Ich bin wackelig auf den Beinen, meine Stimme zittert, aber ich bin glücklich. Es sind erstaunliche Neuigkeiten, auf die wir drei Tage gewartet haben. Ich fand sie mit anderen Kollegen mitten im Wald, wo sie auf dem Gras lag."

Förster
Förster Martin Semecky half bei der Suche im Böhmerwald.
© Maritn Semecky/Facebook

Achtjährige kam unterkühlt und völlig erschöpft ins Krankenhaus

Julia sei äußerlich unverletzt und ansprechbar und werde nun in einem Krankenhaus stationär behandelt, erklärte das Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg am Dienstagabend. Als der Förster sie entdeckt habe, habe sich Julia in einem Gebüsch befunden und vor lauter Erschöpfung gar nicht auf sich aufmerksam gemacht, teilte die Polizei weiter mit. "Nach ersten Vermutungen wird davon ausgegangen, dass die Achtjährige immer wieder in Bewegung war und dabei mehrere Kilometer zu Fuß im Wald zurücklegte."

Die Eltern hatten das Mädchen, seinen sechsjährigen Bruder und einen neunjährigen Cousin unterhalb des Berges Cerchov aus den Augen verloren und die Rettungskräfte gerufen. Diese fanden zunächst nur den Bruder und den Cousin. Die drei Kinder hatten in dem weitläufigen Gebiet gespielt und waren dabei verloren gegangen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Riesige Suchaktion nach Julia endet mit Erfolg

An der knapp zweitägigen Suche nach Julia im Gebiet zwischen den Städten Waldmünchen, Furth im Wald und Domazlice beteiligten sich rund 1.400 Rettungskräfte aus Bayern und Tschechien. Das Bayerische Rote Kreuz in Cham sprach auf Facebook gar von der größten grenzüberschreitenden Suchaktion, die in der Region je stattgefunden habe. Der deutsche Botschafter in Prag, Andreas Künne, bedankte sich über Twitter bei der tschechischen Polizei für die ausgezeichnete Zusammenarbeit. (dpa/jgr)