„Ich war da auch ziemlich offen, weil ich wirklich sehr verzweifelt war” Polizei warnt vor Aura-Leserinnen – Anna wird Opfer einer fiesen Betrugsmasche
Schwäche schamlos ausgenutzt!
Erst bauen sie Vertrauen zu ihren späteren Opfern auf, die sich meist in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Dann schlagen die sogenannten Aura-Leserinnen gnadenlos zu. Die Polizei München ermittelt jetzt in mehreren Fällen, in denen Frauen viel Geld an die selbsternannten Wunderheilerinnen verloren haben. Eine von ihnen ist Anna. Wie sie zum Opfer wurde und wovor sie andere Frauen warnt, seht ihr im Video.
Wunderheilerin zockt Frau ab
Um sich zu schützen, bittet Anna RTL darum, ihren richtigen Namen nicht zu nennen. Die 46-Jährige arbeitet als freischaffende Künstlerin in München. Als ihre Mutter schwer erkrankt, wird sie Opfer der fiesen Betrugsmasche. „Ich muss auch sagen, ich war da auch ziemlich offen, weil ich wirklich sehr verzweifelt war. Meine Mutter lag da fast im Sterben. Und ich war total fertig und hatte Schwierigkeiten. Sie hatte recht mit all den Dingen, die sie gesagt hat”, erzählt Anna im RTL-Interview. „Sie” ist die Frau, die Anna nur wenig später um mehrere hundert Euro erleichtern wird.
Anna ist generell offen für esoterische Themen. Die Wunderheilerin erzählt ihr von ihrer Aura, dass sie eine großartige Ausstrahlung hätte. Angeblich sind bunte Farben um die 46-Jährige herum. Später heißt es, ihre Aura sei „total gestört”, erinnert sich die Künstlerin.
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Polizei München warnt vor Betrugsmasche
Genau dieses Vorgehen ist typisch für die Masche der Aura-Leserinnen, warnt die Polizei München in einer Pressemitteilung am 15. Januar. Häufig steckten die Opfer persönlichen Krisen wie Trennung, Krankheit oder Streit in der Familie und könnten grundsätzlich eine esoterische Neigung aufweisen. Gezielt würden die überwiegend weiblichen Opfer in gehobenen Ortslagen angesprochen. Die Täterinnen seien in der Regel auch weiblich, so Thomas Schedel von der Polizei München. Zunächst würden die Wunderheilerinnen die Aura loben, dann komme die Sprache auf eine dunkle Seite.
Die Aura-Leserinnen würden Verabredungen mit ihren Opfern treffen, bei denen bestimmte Rituale durchgeführt würden. „Durch diese Rituale gibt die Täterin vor, die angebliche negative Energie von der Geschädigten oder deren Angehörigen auf sich zu übertragen, wodurch sich die blockierten Chakren lösen würden”, erklärt die Polizei München. Anschließend geht es ums Geld: Während sie unter erheblichem emotionalen Druck stünden, sollten die Opfer selbst entscheiden, wie viel sie zahlen wollten.
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„Nach mehreren Treffen bringen die Täterinnen ein vermeintliches Erbe ins Spiel, das die Opfer besonders belasten würde und dieses daher „gereinigt“ werden müssten. Damit werden auch höheren Geldbeträge (sogenannte „Opfergaben“) begründet”, beschreibt die Münchner Polizei die Abzockmasche.
Wie viele Täterinnen es gibt, ist unklar, weil sich viele Opfer nicht zur Polizei trauen. Thomas Schedel von der Polizei München weiß: „Hat natürlich dann avielleicht auch mit viel Schamgefühl auf der Opferseite im Nachhinein, wenn ihnen der Betrug bewusst wird, zu tun.” Dabei sei das völlig unbegründet.
Fahndung nach Mariana M.
Mit einem internationalen Haftbefehl fahndet die Polizei Österreich nach einer der mutmaßlichen Täterinnen: Schamanin Amela, die eigentlich Mariana M. heißt. Sie ist österreichische Staatsbürgerin serbischer Herkunft und hat mit „Reinigungsritualen”, wie es im Fahndungsaufruf heißt, 730.000 Euro erganuert.

Der Münchner Polizei ist eine breite Spanne an finanziellen Schäden bekannt: von zweistelligen Beträgen bis hin zu sechsstelligen Summen.
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Anna will anderen Mut machen
Opfer Anna hatte zum Glück bei ihrer Bank beim Geldabheben ein Minimum eingerichtet. Sie erinnert sich im Gespräch mit RTL: „Und dann bin ich echt im Schneeregen rausgelaufen aus diesem Kaufhaus während meiner Arbeitszeit.” 500 Euro habe sie damals abgehoben.
Die 46-Jährige wünscht sich, dass durch ihren offenen Umgang mit der eigenen Abzocke weitere Opfer den Mut finden, sich bei der Polizei zu melden. So dass den Betrügerinnen irgendwann das Handwerk gelegt werden kann.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche, Polizei München, Polizeidirektion Niederösterreich



