Dortmund: Verhandlungstag nach nur 45 Minuten beendet

Mutmaßlicher Täter verhöhnt die Eltern der ermordeten Nicole-Denise Schalla

04. August 2020 - 14:46 Uhr

Ralf H. soll 16-Jährige vergewaltigt und ermordet haben

Eine Dortmunder Schülerin wird verfolgt, vergewaltigt und brutal ermordet. 25 Jahre später wird der mutmaßliche Täter gefasst. Doch statt Reue zu zeigen, verhöhnt der Verdächtige das Gericht. Ralf H. soll Nicole-Denise Schalla im Herbst 1993 getötet haben. Vor den Eltern der Ermordeten trat der Angeklagte am Dienstag mit Smiley-Maske und Cap auf. Die Nebenkläger zeigten sich im RTL-Interview fassungslos.

"Der Tag war eine Farce"

Schalla
Nicole-Denise Schalla wurde mit nur 16 Jahren vergewaltigt und ermordet

Der Prozess gegen Ralf H. lief bereits seit 2018. Anfang des Jahres platzte das Verfahren, weil die Richterin erkrankte. Spätestens ab April hätte weiterverhandelt werden müssen, doch das passierte nicht. Darum ließ das Gericht den Angeklagten überraschend frei. Am Dienstag erklärte das Gericht den ersten Verhandlungstag wegen einer Besetzungsrüge nach nur 45 Minuten für beendet. Der Prozess vor dem Dortmunder Landgericht soll erst ab dem 24. August weitergehen. Es sind zehn Verhandlungstage angesetzt.

Doch schon die 25 Minuten reichten Joachim und Sigrid Schalla, um sichtlich mitgenommen zu wirken: "Der Tag war eine Farce", beklagen sie. "Für uns war es ein Schock, wie er hier mit Cap und dieser Maske auftritt. Da sieht man schon seinen Charakter."

Im Video: Darum ist der dringend Tatverdächtige auf freiem Fuß

"Wir können nicht mehr"

Die Eltern sind gekommen um zu sehen, wie der Verdächtige auf die Vorwürfe reagiert. "Das war heute sehr anstrengend, wir können nicht mehr", resümieren sie. "Wir gehen trotzdem zu jedem weiteren Prozesstag, das halten wir durch. Es ist das Einzige, was wir noch für unsere Tochter tun können. Der Angeklagte hat in unserem Leben so viel kaputt gemacht."

DNA-Spur belastet den Angeklagten

Joachim und Sigrid Schalla
Joachim und Sigrid Schalla zeigten sich im RTL-Interview über den Auftritt des Angeklagten entsetzt
© RTL

An der Leiche von Nicole-Denise Schalla war damals eine Hautschuppe gesichert worden. Eine nachträgliche DNA-Untersuchung hatte 2018 zur Festnahme von Ralf H. aus Castrop-Rauxel geführt. Zum Gericht kam er dennoch als freier Mann. "Ich zweifle an unserer Justiz, dass so etwas überhaupt passieren kann", so die Eltern.

Der Angeklagte bestreitet die Tat bis heute. Sein Verteidiger Udo Vetter zu RTL: "Wenn jemand, der unter Mordverdacht steht, wieder freigelassen wird, ist es ein deutliches Signal, dass am Oberlandesgericht Zweifel bestehen, dass die Tat nachweisbar ist." Die DNA der Hautschuppe sei allein kein Beweis, höchstens ein Indiz. "Von erdrückend kann da keine Rede sein."

Verdächtigem droht lebenslange Haft

Ralf H. versteckte sich unter Maske und Kappe, wendete sich von den Eltern ab
Ralf H. versteckte sich unter Maske und Kappe, wendete sich von den Eltern ab
© RTL

Aussagen, die die Eltern der Ermordeten wütend machen: "Es ist ja nicht nur eine Hautschuppe. Es sind mehrere DNA-Spuren gefunden worden. Auf was er sich beruft, können wir nicht nachvollziehen." Für sie bleibt der Eindruck eines mutmaßlichen Mörders, der sich vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt und dem Schicksal des verlorenen Kindes mit groteskem Auftritt begegnet.

Bei einer Verurteilung droht dem 55-jährigen Tatverdächtigen lebenslange Haft.