Prozess im Missbrauchskomplex Münster startet

Adrian V. soll Sohn (11) seiner Partnerin über Jahre hinweg immer wieder vergewaltigt haben

12. November 2020 - 19:18 Uhr

Im Video: Das sagt ein Nachbar über die Geschehnisse in der Gartenlaube in Münster

Ihm und vier weiteren Angeklagten werden unvorstellbare Gräuel-Taten an zwei Jungen vorgeworfen: Ab Donnerstag steht Adrian V. (27) aus Münster wegen schweren Kindesmissbrauchs vor Gericht. Jahrelang soll er den Sohn seiner Lebensgefährtin missbraucht und ihn sogar an andere Männer verkauft haben. Auch seine Mutter Carina ist angeklagt. Sie steht im Verdacht, von den Taten ihres Sohnes gewusst und ihn sogar unterstützt zu haben. RTL war beim Prozessauftakt dabei. Wie die Angeklagten in den Gerichtssaal gebracht werden, zeigen wir im Video.

In einer Münsteraner Gartenlaube: Zwei Jungen sollen tagelang betäubt und missbraucht worden sein

Adrian V. soll seinen damals erst zehn Jahre alten Sohn seiner Partnerin immer wieder schwerstens sexuell missbraucht und sich dabei gefilmt haben. Furchtbarer Höhepunkt seiner Machenschaften: Noch im April 2020 lud der 27-Jährige laut Anklage mutmaßlich drei Männer in die Gartenlaube seiner Mutter in Münster ein, um zwei Jungen, fünf und zehn Jahre alt, über drei Tage lang immer wieder mit K.-o.-Tropfen zu betäuben und zu vergewaltigen. Zwei der Männer hatten in dieser Zeit Geburtstag.

Was die Nachbarn in der Kleingartenanlage und die Menschen in Münster zu den Taten sagen, die sich in der Gartenlaube abgespielt haben sollen – in unserem zweiten Video:

Adrian V. ist wegen Kinderpornografie vorbestraft - trotzdem durfte er seinen Stiefsohn sehen

Bei den Opfern handelt es sich um den damals zehnjährigen Sohn der langjährigen Lebensgefährtin des Angeklagten aus Münster sowie das damals fünf Jahre alte Kind des Mannes aus Staufenberg in Hessen.

Während der Ermittlungen war auch das Jugendamt Münster in die Kritik geraten. Adrian V. durfte zu dem zehnjährigen Sohn seiner Freundin - der in der Gartenlaube missbraucht wurde - Kontakt haben, obwohl der 27-Jährige bereits 2016 und 2017 wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornographie auf Bewährung verurteilt worden war. Die Mutter des Jungen soll von den Taten ihres Lebensgefährten nichts gewusst haben.

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Prozess im Missbrauchsprozess Münster
Adrian V. soll den Sohn seiner Partnerin über Jahre immer wieder missbraucht haben.
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Adrian V. soll alle Taten aufwändig gefilmt und Daten verschlüsselt haben

Die Taten wurden von Adrian V., selbst IT-Fachmann, mutmaßlich aufwändig gefilmt und fotografiert. Die Gartenlaube in einer Kleingartensiedlung in Münster war demnach vollständig verkabelt und mit Überwachungstechnik ausgestattet. Im Keller des Verdächtigen fanden die Ermittler einen vollständig eingerichteten Serverraum. Insgesamt wurden 500 Terrabyte Material gesichert – das meiste aufwändig verschlüsselt.

HANDOUT - 06.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Münster: Das Foto der Polizei zeigt einen Serverraum im Keller des Hauptverdächtigen. In Münster hat die Polizei Fälle von Kindesmissbrauch aufgedeckt, deren Ausmaß noch völlig offen ist. e
Der Hauptverdächtige Adrian V. hatte einen eigenen Serverraum in seinem Keller.
© dpa, ---, mg fdt

Materialauswertung im Missbrauchsfall Münster ist sehr belastend für Ermittler

Für die Polizei ist es sowohl personaltechnisch als auch psychisch eine Mammut-Aufgabe. "So haben wir sehen müssen, was dort passiert ist", sagte Ermittlungsleiter Joachim Poll. Der Fünfjährige und der Zehnjährige seien über Stunden hinweg von vier Männern abwechselnd missbraucht worden. "Vier erwachsene Männer vergehen sich an zwei kleinen Jungs", sagte Poll sichtlich schockiert. Die Männer hätten schwerste sexuelle Handlungen an den Kindern vorgenommen.

Trotz der schweren Belastung für die Ermittler sind die Auswertungen des Videomaterials extrem wichtig. Sie könnten zum bedeutendsten Beweismaterial im Prozess gegen Adrian V. und seine mutmaßlichen Mittäter werden.

Angeklagte im Missbrauchskomplex Münster schweigen bisher über Vorwürfe

Adrian V. gilt als Schlüsselfigur in dem Missbrauchskomplex von Münster. Neben ihm sitzen noch ein 30-Jähriger aus Staufenberg in Hessen, ein 35-Jähriger aus Hannover, ein 42-Jähriger aus Schorfheide in Brandenburg sowie die 45-jährige Mutter des mutmaßlichen Haupttäters auf der Anklagebank. Die 45-Jährige aus Münster soll ihrem Sohn den Schlüssel ihrer Gartenlaube zur Verfügung gestellt haben – nach bisherigem Ermittlungsstand mit dem Wissen, was sich dort abspielen würde. Warum die Mutter möglicherweise nichts unternahm und welche Rolle Frauen oft in solchen Missbrauchsfällen spielen, erklären zwei Experten hier.

Bisher haben alle Angeklagten über die Vorwürfe geschwiegen, auch während der Ermittlungen.

Prozess Missbrauchsfall Münster
Carina V., de Mutter von Adrian V., soll von den Taten ihres Sohnes gewusst haben und steht ebenfalls vor Gericht in Münster.
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