„Bedenklich, was wir bei Menschen beobachten“

Mehrmals an Covid-19 erkrankt? Karl Lauterbach warnt vor unheilbarer Immunschwäche

 Karl Lauterbach bei einem Pressestatement nach dem Besuch der Kinderklinik der Charit im Charit Virchow-Klinikum CVK Berlin. Berlin, 30.12.2022 *** Karl Lauterbach during a press statement after visiting the Charit Childrens Hospital at the Charit V
Karl Lauterbach spricht in einem aktuellen Interview über Corona und mögliche Langzeitfolgen, wenn sich Betroffene mehrfach angesteckt haben. (Archivbild)
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Was macht es mit unserem Körper, wenn wir schon mehrmals an Covid-19 erkrankt waren? Dazu laufen gerade Studien, die Karl Lauterbach aktuell Anlass zur Sorge bereiten. Betroffene laufen offenbar Gefahr, ihr Immunsystem unheilbar zu schädigen. Darüber hat der Bundesgesundheitsminister nun in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ gesprochen.

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Karl Lauterbach: „Betroffene haben häufig mit nicht zu heilender Immunschwäche zu tun“

Die meisten Deutschen haben sich mittlerweile mindestens einmal mit dem Coronavirus angesteckt. Wozu es möglicherweise führen kann, wenn man sich bereits mehrfach angesteckt hat, schildert der Bundesgesundheitsminister ausführlich im „Rheinische Post“-Interview.

„Es ist bedenklich, was wir bei Menschen beobachten, die mehrere Corona-Infektionen gehabt haben. Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer nicht mehr zu heilenden Immunschwäche zu tun haben“, so Lauterbach. In der Folge könnten zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz drohen. Im Interview räumte der Bundesgesundheitsminister aber auch ein, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

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„Wie gesagt, das ist noch nicht sicher, wird intensiv erforscht. Ich verfolge die Studien und diskutiere mit Experten. Das zeigt: Wenn jemand nach zwei Infektionen ein stark gealtertes Immunsystem hat, ist es ratsam, dass er weitere Covid-Infektionen vermeidet“, so Lauterbach gegenüber der Zeitung.

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Long Covid: Lauterbach will 100 Millionen Euro in Forschung investieren

Im weiteren Verlauf des Interviews äußerte sich der Bundesgesundheitsminister auch zu seinen zukünftigen Projekten im Umgang mit Long Covid. Sein Ministerium wolle 100 Millionen Euro in Forschung investieren, die untersucht, wie Long-Covid-Patienten am besten versorgt werden können, sagte der SPD-Politiker. "Eine bedeutsame Frage ist beispielsweise, welche Form der Reha wirkt. Die falsche Reha kann eine zusätzliche Schwächung zur Folge haben."

Dass Lauterbach für die kommenden Jahre Millionensummen für die Förderung von zur Verbesserung der Versorgung einplanen will, hatte am Donnerstag bereits das ARD-Hauptstadtstudio berichtet. Für welchen Zeitraum er diese Mittel veranschlagt, sagte Lauterbach nicht. Der ARD-Bericht wies auch darauf hin, dass offen ist, ob der Minister so viel Geld im Haushalt dafür bekommen wird.Der Minister warnt immer wieder vor den Langzeitfolge einer Corona-Infektion, die nicht nur die Betroffenen selbst beträfen, sondern auch Folgen für die Gesellschaft insgesamt haben könnten.

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Long Covid: Karl Lauterbach spricht von hartem Schicksalsschlag

"Wir gehen davon aus, dass ein relevanter Anteil derjenigen, die nach einer Corona-Infektion erkrankt sind, mit Long-Covid-Symptomen zu kämpfen haben", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". "Schätzungen gehen von fünf bis zehn Prozent aus. Das bedeutet für den Einzelnen häufig einen harten Schicksalsschlag und kann sogar für den Arbeitsmarkt relevant werden, wenn die Anzahl der Erkrankten weiter steigt."

Mit Blick auf die bevorstehenden Feierlichkeiten zu Karneval im Februar forderte Lauterbach außerdem Veranstalter auf, Corona-Tests zum Beispiel für Sitzungen in Innenräumen anzubieten. „Beim Oktoberfest in München haben wir gesehen, wie man es nicht machen sollte“, sagte er der Zeitung abschließend. (mjä/mit dpa)