Stern TV begleitete die rechtsextreme Familie mehr als 25 Jahre

So einsam war Karin Ritter vor ihrem Tod

09. Februar 2021 - 10:24 Uhr

Karin Ritter: Die Söhne im Knast, sie selbst im Obdachlosenheim

Eine Familie am Abgrund: Mehr als 25 Jahre lang begleiteten die Kollegen von Stern TV Karin Ritter aus Köthen (Sachsen-Anhalt) und ihre Söhne Norman, Christopher und Andy. Sie sind arbeitslos, alkoholsüchtig und rechtsextrem – führten ein Leben voller Armut und Gewalt. Vergangenen Samstag starb Familienoberhaupt Karin im Alter von 66 Jahren. Ihren Lebensabend verbrachte sie einsam in einem Obdachlosenheim. Im Video zeigen wir, wie die Menschen in den sozialen Medien auf die Todesnachricht reagieren.

Auf keinen Fall ins Krankenhaus

Im Oktober 2020 traf das Team von Stern TV Karin Ritter zum letzten Mal. Das war drei Monate vor ihrem Tod. Schon da habe sie sich gesundheitlich nicht wohlgefühlt, war offenbar angeschlagen. Mit einer Zigarette in der Hand berichtet sie von "Schmerzen in der Lunge". Eigentlich hätte sie mit dem Rauchen aufhören sollen. Aber: "Wenn ich unter der Erde liege, kriege ich keine Zigarette mehr, also muss ich weiter rauchen." Das mache sie schon seit ihrem 14. Lebensjahr.

Damit nicht genug. Karin Ritter soll bereits einen Schlaganfall erlitten haben. "Da bin ich auf einmal draußen in der Küche umgefallen", sagt sie. Sie habe sich jedoch geweigert, ins Krankenhaus zu gehen, heißt es. Der Grund: Das Familienoberhaupt will lieber "zu Hause sterben". Eine Freundin beschrieb Karins Gesundheitszustand dramatisch: "Sie hat keinen Appetit mehr gehabt. Und der Arzt hat öfter zu ihr gesagt, sie soll ins Krankenhaus, sie hätte Krebs."

Doch die Gesundheit war nicht ihre größte Sorge an diesem Drehtag. Wegen Beleidigung und Körperverletzung wurde die 66-Jährige zu einer Geldstrafe von insgesamt 2.900 Euro verurteilt. Wie sie das Geld aufbringen könnte, das wusste Karin Ritter nicht.

Köthen: Nachbarn hatten Angst vor Familie Ritter

Karin Ritter ist gestorben.
Karin Ritter starb am Samstag im Alter von 66 Jahren.
© RTL, Stern TV

Familie Ritter steht für ein Leben zwischen Liebe und Hass, Armut und Ansprüchen. Auf die Frage hin, woran sie spare, wenn nicht am Essen, antwortete Karin bei einem Stern-TV-Dreh: "Gar nicht. Ich lasse mir meinen Kaffee nicht verbieten und meine Zigaretten erst recht nicht." Prinzipien, an denen sie bis zuletzt festhielt.

Viele Freunde machte sie sich mit ihrer radikalen Art nicht. Karin Ritter war vorbestraft wegen Volksverhetzung und schüchterte Nachbarn mit ihren Kontakten in die rechte Szene ein, darüber berichtete Stern TV immer wieder. Eine Nachbarin sagte in einem früheren Fernsehbeitrag: "Wenn wir was wollten, hat sie gesagt, wir rufen an, wir holen die Skinheads, die Glatzen – so wie die angerufen hat, waren die Glatzen da." Eine andere Anwohnerin beklagte: "Man hatte schon Angst vor denen, wenn man denen auf der Straße begegnet ist." Lange lebt sie zusammen mit ihren Söhnen in einer Obdachlosenunterkunft in der Augustenstraße in Köthen.

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Karin Ritters Leben war von Alkohol und Gewaltausbrüchen geprägt

Obwohl Karin Ritter mit ihren Kindern zusammenwohnte, hatte sie keine gute Beziehung zu ihren Söhnen. "Wäre mein Vater noch da, wäre meine Mutter nicht so aggressiv", sagte Norman in einem Interview.

Auf der anderen Seite berichtete Mama Karin von Gewaltausbrüchen ihres Sohnes: "Der schlägt mich, wenn er betrunken ist." Grund dafür sei angeblich, dass sie schlecht über seine Kinder redete. Auf der anderen Seite wollte sie ihren Norman auch nicht mehr bei sich haben: "Der muss weg, aus meinen Augen!"

Ganze Folge Stern TV vom 3. Februar bei TVNOW

Den ganzen Beitrag zum Tod von Karin Ritter hat Stern TV am 3. Februar bei RTL gesendet. Die Folge können Sie hier bei TVNOW anschauen.

Geschenke von Fremden zu Weihnachten

Im Jahr 2018 eskaliert die Situation. Ihre Söhne randalieren offenbar immer wieder im Obdachlosenheim. Karin Ritter muss aus ihrer Bleibe raus. Beim Umzug in ein neues Heim sei es immer wieder zu Problemen gekommen. Zwischenzeitlich saß das Familienoberhaupt der Großfamilie deshalb sogar ganz auf der Straße.

Ihren Lebensabend verbrachte sie schließlich in einem Obdachlosenheim, in dem sie zwei Zimmer bewohnte. Im Herbst 2019 sitzen drei ihrer Söhne und zwei ihrer Enkel im Gefängnis. Karin ist enttäuscht, denn auch von ihren anderen Kindern habe sich niemand um sie gekümmert. Zu Weihnachten bekam die Mutter Geschenke von Fremden.

Karin Ritter glaubte bis zuletzt an die Familie

Doch trotz allem hielt Karin Ritter an ihren Kindern fest. "Ich verzeihe immer meinen Jungs", sagte sie. Wenn jemand schlecht über sie rede, dann werde sie aggressiv. "Ich sage: Noch ist es meine Familie, ich halte zu meiner Familie. Die haben Sch**** gemacht, dafür sind sie bestraft worden. Die sind eingesperrt, also haben sie nicht schlecht zu reden über die", verteidigt Karin Ritter ihre Kinder.

Ende Januar bricht Karin Ritter erneut zusammen. Diesmal kommt sie ins Krankenhaus und stirbt kurz darauf.