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Justiz-Krimi um Archie Battersbee (12) endet - Archies Mutter: "Ich bin jetzt ziemlich gebrochen"

Familie hat alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft

Justiz-Krimi um Archie Battersbee (12) endet: Nun steht fest, wann die Maschinen abgestellt werden

Archie Battersbee
Archie Battersbee zusammen mit seiner Mutter.
hgm press

von Katharina Delling, Vera Dünnwald und Madeline Jäger

Alle juristischen Möglichkeiten sind ausgeschöpft. Dass Archie Battersbee sterben wird, ist inzwischen klar. Die Eltern wollten den Zwölfjährigen daher zum Sterben in ein Hospiz bringen lassen, damit er dort palliativ-medizinisch behandelt werden und schließlich friedlich einschlafen kann. Auch wenn die Ärzte davon abrieten: Die Familie stellte trotz allem einen entsprechenden Antrag, der geprüft und abgelehnt wurde. Die Begründung: Archie sei nicht transportfähig. Doch auch dann gingen Mutter Hollie Dance und Vater Paul Battersbee noch einmal in Berufung. Ohne Erfolg. Nun steht endgültig fest, wann die Maschinen von Archie ausgestellt werden.

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Nach Anhörung vor dem High Court: Alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft

Verlegung in ein Hospiz? Das „Royal London Hospital“ stellte sich zunächst quer. Die Begründung: „Archie ist in einem solch instabilen Zustand, dass ein erhebliches Risiko sogar dann besteht, wenn er innerhalb seines Krankenhausbettes gedreht wird, was im Rahmen seiner fortlaufenden Pflege erfolgen muss“, hieß es vom Betreiber. „Dies bedeutet, dass in seinem Zustand eine Verlegung mit dem Krankenwagen in eine völlig andere Umgebung höchstwahrscheinlich die vorzeitige Verschlechterung beschleunigen würde, die die Familie vermeiden möchte, selbst mit voller Intensivausrüstung und Personal auf der Reise.“ Dies sei der Familie erklärt worden.

Trotz allem versuchten Hollie Dance und Paul Battersbee ihr Glück und stellten einen entsprechenden Antrag beim High Court. Die Anhörung, ob Archie in ein Hospiz hätte verlegt werden können, sollte eigentlich am Donnerstag, dem 4. August, um 15:30 Uhr britischer Zeit stattfinden. Das teilte die Organisation „Christian Concern“ mit, die die Familie Battersbee aktuell vertritt. Die Anhörung wurde dann jedoch auf Freitagmittag (5.8.) verlegt.

Nun die Gewissheit: Archie darf nicht ins Hospiz verlegt werden. Aber: Bis 13:30 Uhr britischer Zeit (14:30 Uhr deutscher Zeit) hatten die Battersbees laut RTL-Informationen die Möglichkeit, einen Berufungsantrag beim Berufungsgericht einzureichen. Das Berufungsgericht hat jedoch am Freitag (5. August 2022 gegen 20 Uhr deutscher Zeit und 19 Uhr britischer Zeit) entschieden, dem Antrag auf Berufung nicht stattzugeben. Zunächst stand noch die Entscheidung der Familie aus, ob sie vor den Supreme Court ziehen und dort erneut Berufung einlegen werden. Doch laut der Organisation „Christian Concern“, die aktuell die Familie vertritt, seien nun leider endgültig alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft.

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Archies Mutter: "Ich bin jetzt ziemlich gebrochen"

Für Archies Eltern geht damit ein monatelanger Kampf zu Ende. Archies Mutter Hollie Dance erzählt im Interview mit „Sky News“, wie schwer diese Zeit für sie tatsächlich war: "Es ist wirklich schwer gewesen. Trotz des harten, starken Gesichts und des Auftretens vor den Kameras war ich bis jetzt ziemlich gebrochen.“ In ihrem Herzen und ihrem Bauch glaube sie noch immer daran, dass Archie das überstehen könne, so Dance, aber das Krankenhaus habe ihnen sehr deutlich gemacht, dass sie keine weiteren Optionen haben. „Ich habe alles getan, was ich meinem kleinen Jungen versprochen habe.“

Trotzdem hadert sie weiterhin mit den Entscheidungen der Gerichte. „An welchen Punkt haben Archies Vater und ich unsere elterlichen Rechte verloren, wenn es darum geht, zu entscheiden, was wir für unser Kind wollen?“, fragt sie im Gespräch mit der „Daily Mail“. „Wenn mein Bauchgefühl mir gesagt hätte, dass es keine Chance für meinen Sohn gibt, wäre es vielleicht anders gekommen.“ Aber sie habe sich informiert und ihr Mutterinstinkt sage ihr, dass ihr Sohn noch immer da drin sei. „Alles, was ich weiß, ist, dass ich nicht die Nerven verlieren und emotional zusammenbrechen darf. Denn in dem Moment, in dem ich das tue, habe ich nicht mehr die Kraft, für meinen kleinen Jungen zu kämpfen“, so Dance.

Und eine Sache werde sie mit Sicherheit nie verlassen: die Geräusche der Krankenhausmaschinen. „Sie sind noch immer der Hintergrund meiner Welt“, sagt Dance. „Was auch immer geschieht, ich denke, ich werde diese Geräte für den Rest meines Lebens hören.“

Archie Battersbee: Lebenserhaltende Maschinen sollen um 10 Uhr abgestellt werden

Wie ein Sprecher der Organsiation am Freitagabend (5. August 2022) auf RTL-Anfrage mitteilt, sollen die lebenserhaltenden Maschinen von Archie am Samstagmorgen um 10 Uhr britischer Zeit (11 Uhr deutscher Zeit) eingestellt werden. Der Termine stehe nun fest.

Alle rechtlichen Möglichkeiten seien jetzt ausgeschöpft und es gebe keine Möglichkeit mehr, gegen die Entscheidung vorzugehen, erklärte der Sprecher am späten Abend.

Im Video: Kommt Archie (12) ins Hospiz?

Kommt Archie (12) ins Hospiz? Klinik gibt Eltern letzte Frist
01:26 min
Klinik gibt Eltern letzte Frist
Kommt Archie (12) ins Hospiz?

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Eltern scheiterten bereits vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Das höchste britische Gericht hatte die Entscheidung der behandelnden Ärzte gestützt, Archie sterben zu lassen. Dies sei im besten Interesse des Jungen. Auch eine letzter Appell der Eltern an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg blieb erfolglos. Das Organ des Europarats lehnte es am Mittwochabend (3. August) ab, sich in den Fall einzumischen. Archies Mutter Hollie Dance zeigte sich daraufhin gebrochen. „Das ist das Ende“, sagte sie vor Reportern in London.

Seit April lag Archie im Koma. Bei einem Unfall zu Hause in Southend-on-Sea hatte er sich schwere Hirnverletzungen zugezogen, womöglich bei einer Internet-Mutprobe. (jbü)

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