Lebenslang für Tankstellenkiller von Idar-Oberstein

Mutter des getöteten Alexander nach Urteil: "Es bringt ja nie wieder mein Kind zurück"

Das sagt die Mutter des ermordeten Alex (20) "15 Jahre für ein Menschenleben..."
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"15 Jahre für ein Menschenleben..."
Das sagt die Mutter des ermordeten Alex (20)

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Es ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann: Wenn ihre Kinder vor ihnen sterben. Wenn sie dann noch durch eine brutale, sinnlose Tat aus dem Leben gerissen werden, ist das für die Eltern kaum zu verkraften. Michaela Rech (42) musste dies erleben: Vor gut einem Jahr wurde ihr 19-jähriger Sohn an einer Tankstelle in Idar-Oberstein erschossen – weil er sich geweigert hatte, einem Mann ohne Maske Bier zu verkaufen. Am Dienstag fiel das Urteil gegen diesen Mann. Wie die Mutter des Ermordeten auf das Urteil reagiert, sehen Sie oben im Video.

Alexanders Mutter fiel es schwer, den Prozess um den Tod ihres Sohnes zu verfolgen

RTL-Reporter Karl Wirz spricht nach dem Urteil mit Alexanders Mutter, Michaela Rech.
RTL-Reporter Karl Wirz spricht nach dem Urteil mit Alexanders Mutter, Michaela Rech.
RTL

Man sieht ihr an, wie sehr sie das Verfahren mitgenommen hat, als Michaela Rech am Mittag mit RTL-Reporter Karl Wirz spricht. Blass ist sie, ganz in schwarz gekleidet. Ihre Worte wählt die 42-Jährige mit Bedacht, immer wieder stockt sie, muss auch mal tief Luft holen und die Tränen wegatmen.

Michaela Rech ist die Mutter des an einer Tankstelle in Idar-Oberstein getöteten Alexander. Mario N. hatte ihn im Streit um das Tragen einer Maske im September 2021 erschossen. Gut ein Jahr nach der Tat, die viele Menschen in Deutschland fassungslos zurück ließ, ist nun das Urteil gegen den 50-Jährigen gefallen: N. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nicht jeden Prozesstag konnte Michaela Rech verfolgen, es habe sie viel Kraft gekostet, die schrecklichen Details um die Wahnsinnstat, die ihrem Sohn das Leben kostete, immer wieder zu hören: „Ich war echt ein paar Mal am Punkt, wo ich am liebsten aufgestanden wäre und schreiend rausgelaufen wäre.“ Aber sie sei es ihrem Sohn schuldig, den Prozess zu verfolgen, denn er hätte dasselbe für sie getan, ist sich die Frau sicher.

Michaela Rech: Mord an ihrem Sohn "eigentlich nicht zu entschuldigen"

13.09.2022, Rheinland-Pfalz, Bad Kreuznach: Der Angeklagte im Gerichtssaal neben seinem Verteidiger Alexander Klein (l).  Im Prozess um den tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter im Streit um die Corona-Maskenpflicht ist der Angeklagte zu
Täter Mario N. während des Verfahrens neben seinem Anwalt.
tfr jat, dpa, Thomas Frey

Mario N. hatte seine Tat vor Gericht gestanden. Das Urteil „lebenslang“ ohne besondere Schwere der Schuld bedeutet, dass er vermutlich nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wird. „15 Jahre für ein Menschenleben?“, meint Michaela Rech und zuckt die Schultern, „egal, wie das Urteil ausgegangen wäre, es hätte ja nichts daran geändert, was passiert ist und welcher Mensch verloren gegangen ist. Es bringt ja nie wieder mein Kind zurück.“ Niemand könne ihren Verlust wiedergutmachen.

Ihr ganzes Leben hat sich seit der Ermordung ihres Sohnes am 18. September 2021 geändert. „Man fühlt anders als vorher“, würde auch anders handeln und empfinden, meint Alexanders Mutter. Sie sei eigentlich kein Mensch, der hassen möchte, beschreibt sich Michaela Rech selbst. "Hass bringt uns nicht weiter", hatte sie kurz nach der Tat gesagt. „Aber kann man so etwas verzeihen? Kann man darüber hinwegsehen?“, fragt sich die Bürokauffrau. „Ich sag mal: wenn man was kaputt macht, ist es was anderes. Aber wenn man einen Mensch aus der Mitte eines Lebens reißt, ist das eigentlich nicht zu entschuldigen.“

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Michaela Rech dankt allen für die Unterstützung

Auch gut ein Jahr nach seinem Tod, fühlt Michaela Rech ihren Alexander um sich herum: „Nach wie vor denke ich, er ist immer noch irgendwo da.“ Sein Bild und sein Leben weiterhin zu ehren, ist ihr wichtig. Nach dem Urteil werde sie nun „die Scherben, die in den letzten paar Monaten gefallen sind zusammensuchen, und versuchen, das Beste daraus zu machen“, resümiert die Mutter mit Tränen in den Augen und tränenerstickter Stimme.

Michaela Rech ist dankbar, dass Freunde, Familie und ihre Anwältin zu ihr gestanden haben. Und auch allen anderen Menschen, die „an unserem Schicksal teilnehmen“ ist sie „von Herzen“ dankbar. (lha)