Schönster Tag des Lebens wird zum Albtraum

Braut posiert für Hochzeitsvideo - hinter ihr die Explosion in Beirut

10. August 2020 - 14:16 Uhr

Hochzeitsvideo zum Zeitpunkt der Explosion in Beirut

Diese Aufnahmen sollten eigentlich den schönsten Tag ihres Lebens für immer festhalten – nun zeigen sie wohl einen der schlimmsten Momente im Leben der Braut. Ein Hochzeitsfotograf hat ein bedrückendes Video veröffentlicht, das während der schweren Explosion von Beirut mit über 130 Toten gedreht wurde.

NEU: Das sagt die Braut Israa Seblani im RTL-Interview dazu, wie sie die Explosion erlebt hat.

Statt um das Brautkleid geht es um Leben und Tod

Erst lächelt die Braut fröhlich in die Kamera, dann kippt vom einen auf den anderen Moment die Stimmung: Im Hintergrund ist recht leise erst Krachen zu hören, dann kommt ein ohrenbetäubender Knall. Fensterscheiben bersten, Menschen fangen an zu schreien. Wo vorher das weiße Brautkleid im Vordergrund stand, geht es plötzlich um Leben und Tod. Das Brautpaar und der Fotograf versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Ob sie verletzt wurden, ist unklar.

Explosion im Libanon: Beirut liegt in Schutt und Asche

Das Video zeigt eindrucksvoll den Moment, in dem sich das Leben vieler Libanesen wohl für immer veränderte. Weite Teile Beiruts liegen in Trümmern. Der Hafen, Lebensgrundlage vieler Menschen in der libanesischen Hauptstadt, ist komplett zerstört. Die Opferzahlen steigen immer weiter: Aktuell zählen die Behörden mindestens 135 Todesopfer, 5.000 weitere Menschen wurden verletzt. Die Suche nach Dutzenden Vermissten läuft noch. Hunderttausende haben ihr Dach über dem Kopf verloren und stehen jetzt vor dem Nichts. Es seien Schäden in Höhe von drei bis fünf Milliarden US-Dollar entstanden – "möglicherweise mehr", sagte Gouverneur Abbud. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, Frankreich und Russland, haben ihre Hilfe angekündigt und sind teilweise schon vor Ort mit Helfern im Einsatz.

Augenzeugen schildern schockierende Erlebnisse aus Beirut

Der Schock in der 2-Millionen-Einwohner-Stadt ist kaum in Worte zu fassen, wie auch deutsche Augenzeugen von vor Ort berichten. "Ich war nur am Weinen, ich war komplett schockiert und konnte gar nicht mehr reden. Es war für mich sehr sehr schlimm, das kann man gar nicht in Worte fassen", erzählt Jasmin, die für ihre eigene Hochzeit in Beirut war und RTL ihre Eindrücke geschildert hat..

Auch die deutsche Journalistin Sina-Maria Scheikle zeigt sich erschüttert. Scheikle berichtet im RTL-Interview von Verletzten, von Glassplittern und Trümmern. Sie betont allerdings auch die große Solidarität der Menschen.

Ursache falsch gelagertes Ammoniumnitrat?

Die Ursache der Explosion ist bislang unklar, jedoch wird vermutet, dass sie durch eine große Menge Ammoniumnitrat ausgelöst wurde. 2.750 Tonnen der Substanz sollen seit Jahren ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden sein.  Laut Beiruts Gouverneur Marwan Abbud wurde in einem Bericht von 2014 auch vor einer möglichen Explosion gewarnt. Die Regierung setzte zudem eine Kommission ein, die die bislang unklare Ursache der Explosion ermitteln soll. Verantwortliche des Beiruter Hafens wurden außerdem unter Hausarrest gestellt. Dabei handele es sich um Personen, die in den vergangenen Jahren für die Lagerung und Bewachung von 2750 Tonnen Ammoniumnitrat zuständig gewesen seien, erklärte Informationsministerin Manal Abdel Samad.