Ihre Hochzeitsreise wurde zum Albtraum

Jasmin erlebte die Explosion in Beirut hautnah mit: "Ich dachte, ich sterbe heute"

Schwere Explosion in Beirut
© dpa, Hussein Malla, nwi

06. August 2020 - 10:07 Uhr

Schwere Explosion im Hafen von Beirut erschüttert den Libanon

Über 100 Todesopfer hat die schwere Explosion im Hafen von Beirut im Libanon gefordert, Tausende Menschen wurden verletzt. Der Knall war selbst im 160 Kilometer entfernten Zypern noch zu hören. Jasmin Omeirat (21) aus Neuss ist derzeit in Beirut - erst vor wenigen Tagen heiratete sie ihren Freund dort. Sie erlebt die Katastrophe derzeit hautnah mit und hat RTL ihre Eindrücke geschildert. Aus ihrer Hochzeitsreise, die die schönste Zeit ihres Lebens werden sollte, wurde durch die Katastrophe ein Horror-Trip

Jasmin Omeirat und ihr Freund am Strand
Jasmin Omeirat aus Neuss heiratete erst vor wenigen Tagen ihren Freund in Beirut. Was zur schönsten Zeit ihres Lebens werden sollte, endete in einem Albtraum. Hier sind die beiden am Strand zu sehen.
© privat

"Ich habe geweint und geschrien, ich dachte, ich sterbe heute“

Die 21-Jährige lebt eigentlich in Neuss in Nordrhein-Westfalen, wohnt aber wegen der Hochzeitsfeier derzeit mit ihrem Mann bei ihren Großeltern – in direkter Nähe des Hafens von Beirut. Die Explosion riss Jasmin aus dem Schlaf. "Ich bin sofort aufgestanden und unser ganzes Haus hat sich bewegt - ich dachte, die Häuser fallen zusammen", erzählt sie über den Moment kurz vor der Explosion.

"Dann habe ich einen sehr lauten Knall gehört. Als ich hochgeguckt habe, habe ich nur Sachen rumfliegen sehen. Glas, Türen, Stühle, Tische und Steine, alles mögliche. Ich bin sofort reingerannt und habe mich im Zimmer versteckt. Ich habe geweint und geschrien, ich dachte, ich sterbe heute", berichtet sie über die traumatischen Minuten in der Beiruter Innenstadt.

Videos zeigen Ausmaß der Explosion

Wer Videos von der Explosion sieht, kann sich vorstellen, welche Ängste Jasmin durchgestanden haben muss. Auf einem Video ist genau zu sehen, wie am Hafen erst eine Rauchsäule aufsteigt und Sekunden später eine Detonationswelle über die Stadt fegt. Ein weiterer Clip zeigt die blitzschnelle Reaktion einer Frau, die mit ihren Überlebensinstinkten einem kleinen Mädchen wohl das Leben gerettet hat.

Jasmin selbst hatte Glück - doch sie sah verletzte Kinder auf der Straße, überall lagen Trümmer

Jasmin selbst blieb körperlich unversehrt – doch die Bilder gehen ihr nicht mehr aus dem Kopf. "Als sich dann alles beruhigt hat, nach so einer halben Stunde, bin ich wieder raus auf dem Balkon gegangen. Viele Menschen waren verletzt, Kinder hatten Wunden am Kopf, überall sehr lautes Geschrei", beschreibt sie die Situation direkt nach der Katastrophe. Sie selbst erlitt einen schweren Schock. "Ich war nur am Weinen, ich war komplett schockiert und konnte gar nicht mehr reden. Es war für mich sehr sehr schlimm, das kann man gar nicht in Worte fassen", sagt sie. Jasmin und ihre Familie haben immer noch Angst, müssen das Erlebte erst mal verarbeiten.

Hunderttausende Menschen in Beirut haben nun keine Wohnung mehr - auch Lebensmittel könnten kanpp werden

Noch ist auch ungewiss, wann die 21-Jährige wieder nach Deutschland zurückkehren und so etwas Abstand nehmen kann. Im Libanon herrscht nach der Katastrophe Chaos, in großen Teilen von Beirut ist der Strom ausgefallen. Hunderttausende Menschen haben ihr Dach über dem Kopf und ihre Lebensgrundlage verloren. Die Bergungsarbeiten sind noch in vollem Gange – 100 Menschen werden derzeit noch vermisst.

Weil bei der Explosion auch viele Getreidesilos zerstört wurden, könnten bald auch Lebensmittel knapp werden. Viele Länder haben ihre Unterstützung angekündigt, auch Deutschland will schnell und unbürokratisch Hilfe in den Libanon senden, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch.

Auch die deutsche Augenzeugin Sina-Maria Schweikle war vor Ort und wurde bei der Explosion leicht verletzt – sie berichtet von großer Solidarität unter den Menschen im Libanon.

Jahrelang falsch gelagertes Ammoniumnitrat Auslöser der Explosion?

Die Ermittler suchen zudem weiter nach der Ursache für die gewaltige Detonation in der Hauptstadt des Landes am Mittelmeer. Möglicherweise wurde sie durch eine sehr große Menge Ammoniumnitrat ausgelöst, die im Hafen gelagert worden war. Regierungschef Hassan Diab hatte am Dienstag gesagt, dass 2.750 Tonnen der Substanz dort jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert wurden. Laut Gouverneur Abbud wurde in einem Bericht von 2014 vor einer möglichen Explosion gewarnt.