Wurde Cleo (4) in Australien entführt?

Kriminalpsychologe: Täter könnte Cleo schon lange belauert haben

Wo ist die vierjährige Cleo, die auf einem Campingplatz aus dem Zelt der Familie verschwand?
Wo ist die vierjährige Cleo, die auf einem Campingplatz aus dem Zelt der Familie verschwand?
© Instagram/elliejaydee23

22. Oktober 2021 - 16:29 Uhr

Vermisste Cleo: Polizei vermutet Entführung

Auch nach fast einer Woche ist unklar, was mit der kleinen Cleo (4) aus Australien geschehen ist. Das Mädchen verschwand in der Nacht zum Samstag beim Campen aus dem Zelt der Familie und wird seitdem vermisst. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass Cleo verschleppt wurde. Kriminalpsychologe Dr. Tim Watson-Munro erklärt gegenüber der "Daily Mail", wie ein möglicher Entführer tickt – und dass er das Mädchen schon seit geraumer Zeit im Visier gehabt haben könnte.

Experte: "Jeder" könnte Cleo verschleppt haben

Watson-Munro beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Psyche und dem Verhalten von Schwerverbrechern. Die wahre Gefahr von Terroristen, Massenmördern, Sexualstraftätern und Kinder-Folterern liege darin, dass sie sich so "normal" verhielten, sagt er dem Blatt. "Jeder" könnte die Vierjährige entführt haben.

Psychopathen kennen keine Angst

Ellie Smith und Freund Jake Gliddon mit Cleo
Ellie Smith und ihr Freund Jake Gliddon mit der kleinen Cleo.
© Facebook/Ellie Smith

"Er könnte Vater sein, er könnte sich im Sportverein engagieren", berichtet der Experte. "Wenn man dem Täter begegnet, kommt er einem vielleicht ganz normal vor. Solche Leute können sich sehr gut anpassen." Cleos potenzieller Entführer sei wahrscheinlich sehr berechnend: ein Psychopath, wie er im Lehrbuch stehe und von einem widerlichen Verlangen nach "Macht und Kontrolle" getrieben werde. "Wir sprechen von jemandem, der zwar böse ist – aber nicht verrückt."

Psychopathen hätten eine sehr hohe Angstschwelle, erklärt der Kriminalpsychologe. "Dinge, die normale Menschen erschaudern lassen, stören solche Leute gar nicht." Und jemand, der ein Kind aus einem Zelt entführt, während dessen Eltern daneben liegen, "zeigt nicht die geringsten Anzeichen von Nervosität".

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Cleos möglicher Entführer ist vermutlich nicht dumm

Campingplatz Cleo vermisst
Von diesem Campingplatz an Australiens Westküste verschwand das Mädchen am Samstag.
© Reuters

Zwar gebe es auch Kindesentführer und Sexualstraftäter, die wenig intelligent und drogen- oder alkoholsüchtig seien. Aber dies sei im Fall von Cleo sehr unwahrscheinlich. "Um ein solches Verbrechen zu planen, muss man mindestens durchschnittlich intelligent sein, damit man nicht auffällt", ist sich Watson-Munro sicher.

Ob ein möglicher Entführer bereits Sexualdelikte begangen hat oder Ersttäter ist, kann der Experte nicht einschätzen; beides sei denkbar. Es sei auch schwer zu sagen, ob es sich um einen Fremden oder einen Bekannten der Familie handele. "Es kann ein Pädophiler aus der Gegend sein, der das Kind mit seinen Eltern gesehen und dann zugeschlagen hat er. Oder er kannte die Familie und Cleo und hat das Kind schon seit einiger Zeit belauert."

Australische Polizei nimmt Sexualstraftäter unter die Lupe

Kleine Cleo (4) seit fast einer Woche vermisst
Die kleine Cleo (4) wird seit fast einer Woche vermisst.
© CNN

Im Zuge ihre Ermittlungen nimmt die Polizei laut dem Sender "7News" auch bekannte Sexualstraftäter unter die Lupe. In der Gegend rund um die Quobba Blowholes, wo der Campingplatz liegt, sollen zehn bis 20 Menschen leben, die in der Vergangenheit bereits Sexualverbrechen begangen haben.

Ein Grund dafür, dass sich die Ermittler "ernsthafte Sorgen" um Cleo machen und eine Entführung vermuten: Die Vierjährige hätte den Reißverschluss des Familienzeltes nicht selbstständig öffnen können, da dieser zu hoch angebracht sei, wie die Polizei am Mittwoch erklärte. Dass Cleo einfach aus dem Zelt gelaufen ist und sich verirrt hat, gilt deshalb als sehr unwahrscheinlich.

Cleos Mutter: Sie wäre niemals weggelaufen

Cleo vermisst Australien Instagram
Auch dieses Bild ihrer Tochter hat Cleos Mutter auf Instagram gepostet.
© Instagram/elliejaydee23

Auch Cleos Mutter Ellie Smith, die am Donnerstag eine herzzerreißende Nachricht an ihre Tochter auf Instagram gepostet hat, kann sich das nicht vorstellen. "Sie würde nie davonlaufen, sie würde nie alleine das Zelt verlassen", erzählte sie mit ihrem Freund Jake Gliddon dem australischen Sender "7News". Außerdem sei Cleo "viel zu faul zum Laufen" und würde auch nicht weit mit dem Fahrrad fahren.

Ellie Smith und ihr Freund wollten auf dem abgelegenen Campingplatz an der westaustralischen Küste mit Cleo und ihrer kleinen Schwester Isla das Wochenende verbringen. Nachdem sie nachts noch einen Schluck Wasser getrunken hatte, schlief Cleo wieder ein – genauso wie ihre Mutter. Als Ellie Smith morgens aufwachte, war ihre Tochter nicht mehr da.

Regierung setzt Millionen-Belohnung für Hinweise auf Cleo aus

Die Regierung des Bundesstaates Westaustralien hat eine Belohnung in Höhe von einer Million australische Dollar (rund 640.000 Euro) für Hinweise ausgelobt, die zur vermissten Cleo führen. "Ich fordere jeden auf, der Cleos Aufenthaltsort kennt, diese Informationen der Polizei zu geben", erklärte Premierminister Mark McGowan nach Angaben des Portals "news.com.au". "So tragen Sie dazu bei, dass wir Cleos Lieben Gewissheit und Informationen geben können. Und Cleo hoffentlich gesund und munter zurückbringen." Die Polizei tue alles, um das Mädchen zu finden und arbeite "rund um die Uhr". (bst)