Eltern der Getöteten nach Urteil schockiert

Totraser verurteilt: Nur 5.000 Euro und Fahrverbot für das Leben von Theresa

Theresa
Theresa

24. Oktober 2019 - 15:35 Uhr

Betrunkener überfährt Theresa mit 2,89 Promille

Das Urteil ist sehr mild ausgefallen, die Angehörigen der getöteten Theresa Stahl sind fassungslos. 5.000 Euro Geldstrafe und weitere 12 Monate Führerscheinentzug für den Todesraser, unterschiedlich hohe Geldstrafen für die drei Mitangeklagten. "Die Familie ist so schockiert dass niemand mehr in der Lage war, mit uns zu sprechen", sagte unsere Reporterin. Auch die Staatsanwaltschaft gab keine Stellungnahme ab. Der Richter sagt an den Vater gewandt: "Es fällt mir auch schwer ihnen in die Augen zu gucken, aber das Urteil ist im Namen des Volkes, des Gesetzes ergangen. Das Volk muss schon ein paar Semester studieren um zu verstehen, was da herausgekommen ist."

UPDATE: Das sagt Theresas Vater Ronald Stahl zum Urteil.

Anklage hatte zwei Jahre und sechs Monate Haft gefordert

Theresa Stahl von Betrunkenem totgefahren in Eisenheim
Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
© Privat

In ihrem Plädoyer führte Staatsanwältin Martina Pfister-Lutz aus, dass die vier Angeklagten auf dem Weinfest Untereisenheim feiern waren und bis heute nicht klar sei, wie viel da wirklich getrunken wurde. Alle jedenfalls waren stark alkoholisiert. Für den Fahrer Niclas H. fordert sie wegen fahrlässigem Vollrausch zwei Jahre und 6 Monate Haft. Zudem ein weiteres Jahr Führerscheinentzug für den Hauptangeklagten. Letzterem folgte das Gericht. Für die Mitfahrer fordert die Anklage 10 Monate auf Bewährung nach Jugendstrafrecht.

Theresa war zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Freund in einem Würzburger Club feiern. Nur, weil sie da versehentlich von einem Getränk mit Alkohol trinkt, beschließt sie, nicht selbst zu fahren und ihr Auto stehen zu lassen. Letztlich führte Theresas Verantwortungsbewusstsein dazu, dass sie überhaupt auf der Straße gelaufen ist, auf der sie später angefahren wurde. Weil sie als Fahranfängerin nicht mehr fahren wollte.

„Sie sind nicht hin, sie haben nicht angerufen, sie haben gar nichts gemacht“

Die Staatsanwältin sagte, es sei unfassbar, dass nach dem Unfall niemand auf die Idee kam, zu helfen oder wenigstens den Notruf zu wählen. Sie hätten die lebensgefährlich verletzte Frau alleine in der Dunkelheit auf dem Feld liegen lassen. Wenn ihr Freund nicht dabei gewesen wäre, wäre sie da alleine gelegen. "Sie sind nicht hin, sie haben nicht angerufen, sie haben gar nichts gemacht."

Bereits beim Prozessauftakt hatte der Hauptangeklagte "völlig emotionslos und kalt" gewirkt, so unsere Reporterin.

Der Verteidiger von Fahrer Niclas H., Hans-Jochen Schrepfer sagte, sein Mandant sei zum Zeitpunkt des Führens des Fahrzeugs schuldunfähig. Deswegen sei er wegen Vollrausch zu verurteilen. "Wir haben hier den Fall eines Abhängigen, eines Alkoholabhängigen. Wie kann es überhaupt passieren, dass dieser Mann sich auf etwa 3 Promille saufen kann. Wo sind die Verantwortlichen auf dem Weinfest", sagte er.

Nochmals zur Sprache kam, dass die Mitfahrer bei der Polizei nach dem Unfall alles abstritten. Denn Niklas H. hatte nach dem Unfall mit Theresa seine Mitfahrer im nächsten Ort aussteigen lassen. Dann raste er weiter und landete im Graben. Weil Niklas bei dem zweiten Unfall alleine im Auto saß, hatten sie gehofft, nicht erwischt zu werden.

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Die Unglücksnacht im April 2017

  • Theresa will, weil sie etwas getrunken hat, ihr Auto in der Unglücksnacht stehen lassen. Ein Bekannter nimmt sie mit. Das letzte Stück des Heimwegs zu ihrer Wohnung im Ort Untereisenheim gehen sie zu Fuß.
  • Zur gleichen Zeit etwas entfernt machen sich die vier Angeklagten auf den Rückweg von einem Weinfest. Niclas sei erstmal mit dem Wagen eine Runde gedriftet und wäre "Donuts" gefahren, sagt einer der Mitfahrer vor Gericht aus. Er habe geschrien, er möchte aus dem Auto raus. Aber Niclas H. hielt nicht an.
  • Um 3.38 Uhr, so rekonstruier­t es die Polizei, rast Niclas H. im VW Golf mit über 60 Stundenkilometern zunächst an Theresas Freund vorbei und erfasst dann die 20-Jährige. "Ihr Freund hat keine Bremslichter gesehen, die sind volle Kanne weitergefahren", sagt Theresas Vater, Roland Stahl.
  • Niclas H., der Fahrer des Golfes, begeht Unfallflucht. Weit kommt er nicht. Er landet in einem Graben. Als die Polizei ihn aus dem Auto holt, hat er 2,89 Promille Alkohol im Blut. Theresa kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Würzburger Uniklinik. Sie wird mehrfach operiert, doch am Ende sind alle Bemühungen vergebens. Sechs Tage nach dem Unfall stirbt sie.

Theresas Familie startet Aktion gegen "Alkohol am Steuer"

Theresas Familie ist es ein besonderes Anliegen auf den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol aufmerksam zu machen.

Mit der Kampagne "Gegen Alkohol am Steuer" versuchen sie, an die schrecklichen Umstände von Theresas Tod zu erinnern. Die emotionalen Worte der Angehörigen gibt es im Video.