Betrunkener überfährt Theresa mit 2,89 Promille

Totraser bei Prozess um verstorbene Theresa (20) "völlig emotionslos und kalt"

22. Oktober 2019 - 19:05 Uhr

Angeklagter Niclas H.: "Ich kann mich an nichts erinnern"

Der erste Prozesstag im Fall der getöteten Theresa aus Eisenheim, lässt die Familie der verstorbenen 20-Jährigen fassungslos zurück. Im April 2017 verloren sie ihre Tochter und Schwester. Theresa wurde nach einem Discobesuch auf dem Weg nach Hause von einem betrunkenen Fahranfänger überfahren. Jetzt standen der Fahrer Niclas H. und seine drei Mitfahrer in Würzburg zum ersten Mal vor Gericht. "Ich finde es traurig, wie hilflos sie da sitzen und was für Märchen die da von sich geben", sagte Ronald Stahl, Theresas Vater. Wie das Aufeinandertreffen der Familie mit dem Angeklagten war, erzählen sie im Video.

Drei von vier Angeklagten saßen schon betrunken hinter dem Steuer

Theresa Stahl von Betrunkenem totgefahren in Eisenheim
Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
© Privat

Die Angeklagten seien "völlig emotionslos und kalt" gewesen, so die Familie des Opfers. Denn der Fahrer Niclas H. behauptet, sich an nichts erinnern zu können: "Ich habe keine Ahnung, ich weiß nicht was passiert ist", so betrunken sei er gewesen. Er und seine Freunde begingen Fahrerflucht nachdem sie Theresa mit über 60 Stundenkilometern überfahren hatten.

Die Staatsanwältin zeigte sich während des Prozesses erschüttert: "Diese Person knallt vor sie auf die Windschutzscheibe. Sie fahren weiter, unterhalten sich noch bei der Oma kurz und gehen dann ins Bett? Ist denn über den Unfall gesprochen worden? Ich versteh das nicht."

Gegen Niclas H. wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, gegen seine drei Mitfahrer wegen unterlassener Hilfeleistung. Die vier kamen in der Tatnacht von einem Weinfest. Obwohl alle alkoholisiert waren, stiegen sie ins Auto.

Die Unglücksnacht im April 2017

Theresa will, weil sie etwas getrunken hat, ihr Auto in der Unglücksnacht stehen lassen. Ein Bekannter nimmt sie mit. Das letzte Stück des Heimwegs zu ihrer Wohnung im Ort Untereisenheim gehen sie zu Fuß.

Zur gleichen Zeit etwas entfernt machen sich die vier Angeklagten auf den Rückweg von einem Weinfest. Niclas sei erstmal mit dem Wagen eine Runde gedriftet und wäre "Donuts" gefahren, sagt einer der Mitfahrer vor Gericht aus. Er habe geschrien, er möchte aus dem Auto raus. Aber Niclas H. hielt nicht an.

Um 3.38 Uhr, so hat es die Polizei rekonstruier­t, rast Niclas H. im VW Golf mit über 60 Stundenkilometern zunächst an Theresas Freund vorbei und erfasst dann die 20-Jährige. "Ihr Freund hat keine Bremslichter gesehen, die sind volle Kanne weitergefahren", sagt Theresas Vater, Roland Stahl.

Niclas H., der Fahrer des Golfes, begeht Unfallflucht. Weit kommt er nicht. Er landet in einem Graben. Als die Polizei ihn aus dem Auto holt, hat er 2,89 Promille Alkohol im Blut. Theresa kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Würzburger Uniklinik. Sie wird mehrfach operiert, doch am Ende sind alle Bemühungen vergebens. Sechs Tage nach dem Unfall stirbt sie.

Theresas Familie startet Aktion gegen "Alkohol am Steuer"

Obwohl Theresas Tod bereit über zwei Jahre zurückliegt, ist es ihrer Familie ein besonderes Anliegen auf den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol aufmerksam zu machen.

Mit einer Kampagne versuchen sie, an die schrecklichen Umstände von Theresas Tod zu erinnern. Die emotionalen Worte der Angehörigen, gibt es im Video.