Experte: "Rückkehr der Taliban ist die größte moralische Niederlage des Westens“

Afghanistan ein Jahr nach dem Abzug: Hungernde Kinder, unterdrückte Frauen - Chaos immer schlimmer

Die schlimme Lage der Ortskräfte in Afghanistan Vor einem Jahr zog sich der Westen zurück
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Vor einem Jahr zog sich der Westen zurück
Die schlimme Lage der Ortskräfte in Afghanistan

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Vor einem Jahr hat sich der Westen aus Afghanistan zurückgezogen und das Schicksal der Menschen in dem seit Jahrzehnten von Krieg, Zerstörung und Chaos geprägten Land ist in der Berichterstattung in den Hintergrund gerückt. Dabei wird die Lage dort seit der Machtübernahme durch die Taliban immer schlimmer.

Nicht nur hungernde Kinder und unterdrückte Frauen zeugen davon. Nach dem Rückzug des Westens blieben Ortskräfte im Land, die noch immer darauf warten, dass ihnen endlich jemand hilft. Mehr dazu – in unserem Video.

Ehemaligen Ortskräften sprgen sich um Angehörige

Viele der Ortskräfte fühlen sich im Stich gelassen. In einem symbolträchtigen Foto halten Frauen Schilder in die Höhe, auf denen steht: „Bitte lasst uns nicht zurück." Diese afghanischen Frauen und Männer arbeiteten für die deutsche Entwicklungshilfebehörde GIZ. Jetzt fürchten sie die Rache der Taliban. Deutschland lehnt ihre Aufnahmegesuche bisher ab.

Mehr als 15.700 Menschen hat Deutschland schon evakuiert. Bei vielen der aufgenommenen ehemaligen Ortskräften herrscht große Sorge um Angehörige, die noch in nicht in Sicherheit sind, wie sie unserem Reporter erzählen. "Meine drei Kinder haben viele Probleme. Ich denke Tag und Nacht an sie. Es gibt tausende Kollegen wie mich, meine Brüder, besonders meine notleidenden Landsleute in Afghanistan wurden zurückgelassen", sagt Froten Qurban Ali.

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Feiertag für die Taliban - für niemanden sonst

Für den Afghanistan-Experten Thomas Ruttig liegt der Grund für das Scheitern der internationalen Mission in dem Land in einem „Ursachen-Cocktail“. Die internationale Gemeinschaft habe den schnellen Vormarsch der Taliban vor einem Jahr so unterschätzt, „weil man sich selber überschätzt und die Taliban systematisch klein geredet hat“, sagte er RTL/ntv. Die „Die eigentliche Kernfrage sei: „Wie konnte es passieren, dass die Taliban zurück an die Macht kommen konnten? Das ist die größte moralische Niederlage des Westens.“

Die militant-islamistischen Taliban haben für den Jahrestag ihrer Rückkehr an die Macht in Afghanistan einen Feiertag ausgerufen. Ob der 15. August für viele ihrer Landsleute einen Grund zum Feiern darstellt, darf bezweifelt werden. (dpa; uvo)

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