Grenzfall FronleichnamHier bestimmt die Straßenseite, wer frei hat und wer arbeiten muss

Des einen Freud, des anderen Leid?
Jedes Jahr sorgt Fronleichnam in Bruchmühlen für eine besondere Situation: Während die einen im Dorf frei haben und den Feiertag genießen können, müssen die anderen arbeiten. Grund dafür: Das Dorf liegt in zwei Bundesländern – und nur eines davon hat Fronleichnam als gesetzlichen Feiertag.
Geteilt, aber nicht getrennt!
Trotz der Landesgrenze verstehen sich beide Ortsteile bis heute als Einheit. „Es ist nie so gewesen wie in Berlin, dass wir eine Mauer gehabt haben oder eine Teilung, sondern Bruchmühlen war immer gemeinsam“, sagt Bürgermeister Siegfried Lux (SPD) vom nordrhein-westfälischen Teil im Gespräch mit RTL. Auch sein Amtskollege Axel Uffmann (SPD) aus dem niedersächsischen Teil betont: „Es ist eigentlich immer eine Grenze da gewesen, aber kein Ort, der geteilt worden ist.“
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Erst mit der Gebietsreform 1974 wurde aus zwei Ortschaften ein Bruchmühlen in Niedersachsen, später folgte der Zusammenschluss auch auf NRW-Seite. Pläne für eine mögliche Zusammenlegung gab es in der Vergangenheit bereits, sie scheiterten jedoch immer wieder an der Frage: Zu welchem Bundesland soll Bruchmühlen gehören?
Schlagbaum gehört längst der Vergangenheit an
„Wenn einer aus Nordrhein-Westfalen hier ein Mädchen als Freundin hatte, dann gab es manchmal Schläge“, erinnert sich Anwohnerin Brigitte Brinkmeier. Auch einen Schlagbaum hat es hier einmal gegeben – doch diese Zeiten sind in Bruchmühlen längst vorbei und gehören heute nur noch zur Erinnerung. Die unterschiedlichen Grenzen prägen hier zwar bis heute den Alltag, werden aber von vielen auch als Vorteil gesehen.

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Sandra Landwehr-Sahner lebt schon immer auf der niedersächsischen Seite, arbeitet aber nur ein paar Straßen weiter in NRW. Für sie sind die Unterschiede inzwischen zur Routine geworden: „Die Vorteile sind die zwei Feiertage, die wir in Westfalen hier auf dieser Seite mehr haben als Niedersachsen. Die Unterschiede liegen auch in den Gemeinden, Gebühren, den Steuern und der Müllentsorgung.“ So können sich die westfälischen Bruchmühler am Donnerstag (04. Juni 2026) auf ihren freien Tag freuen, während die Niedersachsen arbeiten müssen.
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Gesetzlicher Feiertag in sechs Bundesländern
In Deutschland ist die Festlegung der gesetzlichen Feiertage grundsätzlich Ländersache. Ausnahme ist der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, der bundesweit einheitlich garantiert ist. Da Niedersachsen historisch mehrheitlich evangelisch geprägt ist, hat das Land auf einen arbeitsfreien Fronleichnams-Feiertag verzichtet, während Nordrhein-Westfalen als katholisch geprägtes Bundesland Fronleichnam in sein Feiertagsgesetz aufgenommen hat.
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An Fronleichnam erinnert die katholische Kirche in Gottesdiensten und Prozessionen daran, dass Jesus nach ihrem Glauben in Brot und Wein gegenwärtig ist. Gesetzlicher Feiertag ist der Tag neben Nordrhein-Westfalen auch in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherchen, Stadt Melle

































