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Warum schämen wir uns eigentlich fremd?

Warum schämen wir uns? Kindern ist nichts peinlich
01:53 min
Kindern ist nichts peinlich
Warum schämen wir uns?

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Wer kennt es nicht? Das Gegenüber macht einen peinlichen Witz, hat seinen Hosenstall offen gelassen oder Essensreste zwischen den Zähnen. Und obwohl man selbst gar nicht betroffen ist, empfindet man dieses lästige Gefühl des Fremdscham. Aber warum reagieren wir so heftig auf fremde Missgeschicke? Warum dieses Gefühl bei Kindern noch nicht ausgeprägt ist, sehen Sie im Video.

Fremdscham - „Dann ist mir was peinlich für die andere Person!"

Forscher der Uni Marburg haben schon 2011 in einer Studie, die im Online-Wissenschaftsmagazin „PLoS One“ veröffentlicht wurde, herausgefunden, dass sich die Gefühle des Scham und des Fremdscham nicht voneinander unterscheiden. Unabhängig davon, ob sich die beobachtete Person selbst blamiert fühle oder nicht, trete ein Schamgefühl auf. „Wir sind beeindruckt, weil sich jemand so verhält, wie es unseren Werten nicht entspricht. Und dann schäme ich mich für die andere Person. Dann ist mir was peinlich für die andere Person", erklärt die psychologische Beraterin Ruth Marquardt im RTL-Talk.

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Frauen empfinden Fremdscham intensiver als Männer

Fremdscham ist ganz individuell: Nicht jeder schämt sich im gleichen Maße für andere. Personen mit mehr Einfühlungsvermögen sind anfälliger für Peinlichkeiten der Mitmenschen. Diese Erkenntnis lässt die Vermutung nahe, dass sich Frauen häufiger für andere Menschen schämen. Und es gibt durchaus einen Unterschied zwischen Frauen und Männern: Bereits im Kleinkindalter erlernen Mädchen ein größeres Schamgefühl und ein höheres Empathieempfinden als Männer. Des Weiterem plagen Frauen mehr Selbstzweifel und damit auch ein größeres Schamgefühl. „Bin ich gut genug, bin ich genauso viel wert. Wie ist das mit meinem Selbstwert?", führt Marquardt aus. Insgesamt empfinden Frauen das Fremdschamgefühl intensiver und häufiger als Männer.

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Nervig oder Nützlich: Unser Schamgefühl

Scham ist ein unangenehmes Gefühl, wenn man sich vor anderen Menschen in einer peinlichen Situation befindet. Wir schämen uns, weil wir eine negative Reaktion unseres Umfelds befürchten oder bekommen. „Wenn ich mich schäme, dann stelle ich mich in Frage, meine Kompetenzen und in der Folge nehme ich mich dann zurück“, erklärt die psychologische Beraterin Ruth Marquardt. Damit stelle Scham unseren Selbstwert in Frage.

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Marquardt erläutert, dass Scham ein antrainiertes Verhalten ist. Kleinkindern sei gar nichts peinlich – sie könnten sich noch nicht schämen, weil sie sich noch nicht mit den Augen Anderer sehen. Wer sich schämt, muss bereits ein ausgeprägtes Gefühl für die eigene Persönlichkeit haben. Sozialforscher konnten belegen, dass Kinder erst ab dem 2. Lebensjahr Schamgefühle entwickeln – ab dem 5. Lebensjahr ist das Schamempfinden ausgeprägter.

Dieses nervige Gefühl der Scham kann man nicht loswerden, man kann sich nur dem Gefühl stellen. Ein kleiner Tipp: Versuchen Sie, in Situationen, in denen Sie Scham empfinden, einfach zu lächeln. Denn Lachen ist eine Emotion, die ansteckend wirkt. Das beruhigt Sie und löst die peinliche Situation. (lmi)