Ukraine kappt russische Erdgaspipeline

Gestörte Erdgasleitung in Luhansk: Bekommen wir jetzt doch ein Energie-Problem?

Ukraine Konflikt - Gaspipeline
Ukraine Konflikt - Gaspipeline
© dpa, Pavlo Palamarchuk, AZ jai

11. Mai 2022 - 10:06 Uhr

Dass der Krieg in der Ukraine kein reiner Feldzug ist, haben die vergangenen Wochen bereits bewiesen. Der Krieg zwischen Russland und seinem westlichen Nachbarn wird auf allen möglichen Feldern ausgetragen – auch im Energiesektor. Eine neue Meldung lässt allerdings aufhorchen: Die Ukraine will eigenständig den Erdgastransit durch die ostukrainische Region Luhansk stoppen. Das bedeutet weniger Gas für Europa.

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Ukraine dreht den Gashahn zu

Fast 100 Millionen Erdgas – so viel pumpt Russland durch die Ukraine nach Europa. Doch damit soll nun zumindest teilweise Schluss sein. Denn die Ukraine schließt eine wichtige Verdichterstation, an der das Erdgas für den Weitertransport vorbereitet wird.

Die Ukrainer deuteten an, dass Russen den Betrieb der Anlagen zuletzt gestört hätten. Russlands Energieriese Gazprom wiederum erklärte, man habe "keinerlei Bestätigungen über Umstände höherer Gewalt" erhalten. Die Ukrainer hätten in den vergangenen Wochen ganz "ungestört" gearbeitet.

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Bereits in den vergangenen Wochen hatte der Chef des ukrainischen Energieversorgers Naftogaz, Jurij Witrenko, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gewarnt, dass der Transit russischen Gases durch die Ukraine nach Westeuropa in Gefahr geraten könne, wenn Russland seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fortsetzen sollte.

Was bedeutet das für Europa?

Rund ein Drittel des Erdgases, das durch die Ukraine nach Europa kommt, läuft über die jetzt geschlossene Zwischenstation. Heißt im Klartext: Europa muss zumindest erst mal mit 32,6 Millionen Kubikmeter Erdgas weniger auskommen.

Zwar betonte der russische Energiekonzerns Gazprom, dass man alle Lieferverpflichtungen einhalten wolle. Ohne die wichtige Verdichterstation in Nowopskow wird das wohl nicht möglich sein. Denn eine Umleitung des Erdgases über andere Pipelines sei technisch nicht möglich, so Sergej Kuprijanow, Sprecher von Gazprom, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

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Welche Folgen hat es für Deutschland?

Die gute Nachricht: Die Hauptroute für russisches Gas nach Europa ist die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Russischen Angaben zufolge liefen über Nord Stream 1 zuletzt jährlich 60 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Europa. Das sind rund 165 Millionen Kubikmeter pro Tag.

Heißt: Die wichtigste Gasleitung nach Europa und auch nach Deutschland ist weiter intakt und in Betrieb.

Aber: Eine Gasleitung weniger bedeutet auch eine größere Möglichkeit für Russlands Machthaber Wladimir Putin Europa unter Druck zu setzen. Wenn er die Gasmenge durch diese Pipeline nämlich kürzt oder stoppt, würde es auch in Deutschland schnell kalt und die Industrie würde zu großen Teilen still stehen.

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Deutschland ist nämlich noch immer stark von russischem Gas abhängig. Forderungen etwa nach einem Gasembargo sind daher sehr umstritten. Dennoch teilt das Wirtschaftsministerium mit es gebe keine Engpässe. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist aktuell weiter gewährleistet."

Und immerhin: aufgrund des Ukrainekrieges hat sich die Abhängigkeit etwas verbessert. Wie das Bundeswirtschaftsministeriums mitteilte sank die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas zuletzt von zuvor 55 Prozent auf etwa 35 Prozent. Bis Sommer 2024 ist eine schrittweise Verringerung auf zehn Prozent des Gasverbrauchs möglich.

(dpa/sst)

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