Geschlagen, gedemütigt, beleidigt und dann jahrelanger Rechtsstreit

Sven W. beim CSD von Polizisten geschlagen - jetzt bekommt er Schmerzensgeld

Sven W. wurde beim Kölner CSD 2016 von Polizeibeamten verletzt.
Sven W. wurde beim Kölner CSD 2016 von Polizeibeamten verletzt.

25. August 2021 - 22:28 Uhr

Köln: CSD-Verfahren endet mit Vergleich

Vor fünf Jahren soll Sven W. (30) am Rande des Christopher Street Day (CSD) von Polizisten homophob beleidigt, gedemütigt und bewusstlos geschlagen worden sein. Doch nicht die Polizeibeamten wurden angeklagt, sondern der damals 25-Jährige. Das Verfahren endete mit einem Freispruch, W. klagte daraufhin auf Schadensersatz – und bekommt jetzt 15.000 Euro Schmerzensgeld vom Land NRW.

Sven W. von Polizisten bewusstlos geschlagen

Wie eine Sprecherin des Kölner Landgerichts am Mittwoch auf Anfrage mitteilte, haben sich der 30 Jahre alte Kläger und das Land NRW auf ein Vergleich geeinigt. W. bekommt so viel Schmerzensgeld, wie er in seiner Klage gefordert hatte.

Der Vorfall ereignete sich beim CSD am 3. Juli 2016 in Köln. Sven W. soll dort von Polizeibeamten bewusstlos geschlagen und am Boden liegend getreten worden sein. Im Polizeigewahrsam war dem damals 25-Jährigen zudem ohne richterlichen Beschluss eine Blutprobe entnommen worden.

Im Video: Was Sven W. vor dem Schmerzensgeld-Prozess erhoffte

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Staatsanwaltschaft stellte Strafverfahren gegen zwei beteiligte Polizisten ein

Bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte auch, dass nicht die Polizeibeamten, sondern der 30-Jährige wegen Körperverletzung, Widerstands und Beleidigung zum Nachteil der Beamten in drei Instanzen angeklagt worden war.

Vor dem Kölner Amtsgericht und später in der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht war der 30-Jährige aber jeweils freigesprochen worden.

Sven W. (30) von der Staatsanwaltschaft über Jahre zum Täter gemacht

Sven kassierte nicht nur Prügel: "Das brauchst du doch, du Schwuchtel" sollen Beamte der Kölner Polizei gerufen haben.
Sven kassierte nicht nur Prügel: "Das brauchst du doch, du Schwuchtel" sollen Beamte der Kölner Polizei gerufen haben.

Erst in der Revisionsinstanz vor dem Kölner Oberlandesgericht (OLG) wurde der 30-Jährige wegen Beleidigung verurteilt, blieb aber straffrei. Stattdessen hatte das OLG, wie auch schon die Vorinstanzen, die Staatsanwaltschaft aufgefordert, Ermittlungen gegen die beteiligten Polizisten zu führen.

Kurz vor Beginn des Zivilverfahrens im Juni war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft die Strafverfahren gegen zwei beteiligte Polizisten ohne öffentlichen Prozess gegen Geldauflage eingestellt hatte. "Das Verhalten der Polizei, aber auch des Landes NRW und der Staatsanwaltschaft ist unter aller Sau", sagte Sven W. zum Prozessbeginn zu RTL-Reportern.

Jetzt ist W. glücklich, dass alles ein Ende gefunden hat. "Man muss standhaft bleiben, man darf sich nicht einschüchtern lassen. Das finde ich wichtig", sagte W. am Mittwoch der "Kölner Rundschau". (dpa/ mor)