Sven wurde beim Christopher Street Day von Kölner Polizisten verprügelt

Opfer von Polizeigewalt kämpft um sein Recht – "Wie man mit mir umgeht, ist pure Willkür"

Sven W. wurde beim Kölner CSD 2016 von Polizeibeamten verletzt.
Sven W. wurde beim Kölner CSD 2016 von Polizeibeamten verletzt.

01. Juni 2021 - 21:28 Uhr

Prozess um Polizeigewalt in Köln

Weil er bei einer Großveranstaltung Polizisten beleidigt und geschlagen haben soll, sitzt Sven W. Jahre später auf der Anklagebank. Aber er sagt: Nicht ich habe während des Christopher Street Days 2016 in Köln geprügelt, sondern die Polizisten – und bekommt Recht. Der Angeklagte wird bei mehreren Prozessen freigesprochen, die Richter sprechen stattdessen von Polizeigewalt. Aber Sven reicht das nicht: Er kämpft um sein Recht und will Schadensersatz. "Das Verhalten der Polizei, aber auch des Landes NRW und der Staatsanwaltschaft ist unter aller Sau", sagt Sven zum Prozessbeginn am Dienstag in Köln.

Sven wurde Opfer von Polizeigewalt.
Von einem Urteil zu seinen Gunsten erhofft sich Sven auch Genugtuung.
© RTL

Sven fordert 15.000 Euro Schadensersatz

Es sei pure Willkür, wie man mit ihm umgehe, erklärt der 30-Jährige im RTL-Interview. "Mit Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit hat das nichts zu tun." Sven fordert im Prozess 15.000 Euro Schadensersatz. "Es geht nicht nur um den Tag, sondern auch um die Zeit danach", sagt Sven. "Fast vier Jahre wurde ich immer auf die Anklagebank gezerrt."

Verletzung Sven W. am Ohr.
Sven kassierte nicht nur Prügel: "Das brauchst du doch, du Schwuchtel" sollen Beamte der Kölner Polizei gerufen haben.

Auslöser war banaler Streit bei Christopher Street Day 2016 in Köln

Alles begann mit einem banalen Streit in einem McDonald's-Restaurant am Kölner Hauptbahnhof. Sven wollte während des Christopher Street Days nur zwei Frauen helfen, die im Schnellrestaurant bedrängt wurden. Die Situation eskalierte, die Polizei rückte an. Beamte sollen in dem Schnellrestaurant Svens Personalien aufgenommen haben und dabei sehr aggressiv vorgegangen sein, sogar auf Sven eingeprügelt haben.

Man habe ihn "ohne Gegenwehr auf den Boden gehauen", erklärte das Opfer. "Meine Tritte wirst du morgen noch spüren", sollen Polizisten damals zu ihm gesagt haben. Auch nach Angaben von Zeugen ging die Gewalt eindeutig von der Polizei aus.

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Gericht forderte Strafverfolgung der Polizisten

Im Prozess wurde Sven 2020 wegen Beleidigung schuldig gesprochen, blieb aber straffrei. Eine Körperverletzung wurde ihm nicht nachgewiesen – stattdessen forderte das Oberlandesgericht, die Staatsanwaltschaft müsse die Strafverfolgung der am Vorfall beteiligten Polizisten "zeitnah" einleiten.

SPD will Bericht von NRW-Innenminister Herbert Reul

Nach einem Bericht des WDR-Magazins "Monitor" wurde das Verfahren gegen die Beamten jedoch gegen eine Geldauflage eingestellt, was die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte. Die SPD fordert deshalb einen Bericht von Nordrhein-Westfalens-Innenminister Herbert Reul (CDU). "Der Fall macht uns seit seinem Bekanntwerden regelmäßig fassungslos. Aber diese neuerliche Wendung setzt dem Ganzen noch die Krone auf", sagten die SPD-Landtagsabgeordneten Sven Wolf und Hartmut Ganzke. Sie erwarten von der Landesregierung "umfassende Transparenz" und einen Bericht im nächsten Innenausschuss.

Sven: Ich werde als Randalierer bezeichnet

Auch Sven W. ist auf Staatsanwaltschaft und Landesregierung nicht gut zu sprechen. Von beiden habe er bislang weder eine Entschuldigung erhalten noch ein Entgegenkommen vernommen. "Im Gegenteil: Man blockt und zeigt, dass ich für die immer noch der Täter und der Querulant bin", sagt er. Von anderen Polizisten, die zu dem Fall befragt worden seien, werde er als heruntergekommener Randalierer bezeichnet.

Opfer von Polizeigewalt will Genugtuung

Der Prozess am Dienstag war bereits nach 15 Minuten zu Ende, es gab noch keine Einigung. Wie viel Schmerzensgeld Sven für die erlittenen Misshandlungen bekommt, soll am 20. Juli entschieden werden. Von einem Urteil zu seinen Gunsten erhofft sich Sven auch Genugtuung. "Weil ich dann für mich seelisch einen Strich druntersetzen kann." (bst)