Weil sie glauben, dass sie eine Hexe ist Dorfbewohner verbrennen Mutter und ihr Baby bei lebendigem Leib

In einem kleinen Dorf in Indien wird ein Mann krank.
Seine Familie hat nicht genug Geld, um ihn zu einem Arzt zu bringen, darum rufen sie einen Wunderheiler. Das hat offenbar fatale Folgen, wie der Sender BBC berichtet. Denn der Heiler sagt der Frau des Patienten, dass die Krankheit ihres Mannes keine körperliche Ursache habe. Dann verbreiten sich im Ort plötzlich Gerüchte, die in eine Katastrophe münden.
Familie verdächtigt Jyoti (32), einen Mann mit einem Fluch belegt zu haben
Eine Verwandte des Mannes aus dem gleichen Dorf im indischen Bundesstaat Jharkhand gerät plötzlich unter Verdacht, etwas mit der mysteriösen Krankheit zu tun zu haben. Es kommen weitere Gerüchte auf, dass auch Vieh in dem Dorf unter merkwürdigen Bedingungen ums Leben gekommen ist. Als der erkrankte Mann dann auch noch stirbt, eskaliert die Situation offenbar.
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Am Abend des 17. Februar hämmern plötzlich Familienmitglieder an die Tür von Jyoti Sinku und ihrem Ehemann Kolhan, wie The Hindu berichtet. Der 40-jährige Familienvater sei nach draußen gekommen, weil sein Neffe ihn gerufen habe, sagt er der Hindustan Times. Vor der Hütte hätten sich da schon etwa ein Dutzend aufgeregte Verwandte und Nachbarn versammelt. Sie beschuldigen Jyoti, den Toten mit einem Fluch belegt zu haben. Sie sind sich sicher, dass die 32-Jährige heimlich Hexerei betreibt.
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Ehemann versucht noch, den wütenden Mob zu stoppen
Der Ehemann versucht noch, den wütenden Mob vor dem Haus zu beschwichtigen. „Ich habe sie mit gefalteten Händen angefleht, die Sache im Dorfrat zu klären, aber die Angreifer haben mir nicht zugehört“, zitiert die BBC Kolhan Sinku. Die aufgebrachte Menge soll dann ins Haus gestürmt sein und seine Frau dann mit Benzin übergossen haben. Auch er selbst wird in der brennbaren Flüssigkeit getränkt, sagt er der Hindustan Times.
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Die 32-Jährige hatte in dem Moment ihr Baby auf dem Arm, aber auch das kann die Hexenjagd nicht stoppen. Jemand zündet die vermeintliche Hexe an – Mutter und Baby verbrennen bei lebendigem Leib. Auch Kolhan Sinku erleidet bei der Attacke auf die Hütte der Familie Verbrennungen. Laut The Hindu kann er sich aber retten, weil er die brennende Kleidung abstreift und nackt zum Haus eines Verwandten flieht.

Mutter und Baby sterben bei der Hexenjagd
Die örtliche Polizei findet seinen kleinen Sohn und seine Ehefrau später tot. Indischen Medienberichten zufolge soll der Junge gerade mal zwei Monate alt gewesen sein. BBC berichtet, das Kind sei zehn Monate alt gewesen. Auch die Ermittler gehen jetzt davon aus, dass die Hexerei-Vorwürfe aus der Dorfgemeinschaft Jyoti Sinku zum Verhängnis wurden. Vier Verdächtige im Alter zwischen 19 und 36 Jahren wurden inzwischen festgenommen. Die Ermittlungen laufen noch.
Immer wieder kommt es im indischen Bundesstaat Jharkhand zu grausamen Verfolgungen von vermeintlichen Hexen. Laut dem BBC-Bericht sollen in Indien allein zwischen 2000 und 2016 über 2.500 Menschen als Hexen bezeichnet und getötet worden sein – die meisten davon waren demnach Frauen.
Verwendete Quellen: BBC, The Hindu, Hindustan Times


