Angeklagte spielten beim 1. FC Köln„Billigend in Kauf genommen“ – Raser-Unfall raubt Ylvi und ihrer Mutter das Leben

Ylvi verlor bei dem Unfall ihr Leben. Wir zeigen sie mit Einverständnis des Vaters offen.
Ylvi verlor bei dem Unfall ihr Leben. Wir zeigen sie mit Einverständnis des Vaters offen.
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von Valerio Magno und Fabian Klein

Auch eine Strafe wegen Mordes ist nicht ausgeschlossen!
Mit stark überhöhter Geschwindigkeit brettern Winzent S. und Vladislav F. über die Autobahn, liefern sich scheinbar ein illegales Rennen. Die beiden Nachwuchsfußballer wollen einen Polo überholen, rasen auf den Wagen zu – und sorgen für einen schweren Unfall, der Mutter und Tochter das Leben raubt. Jetzt stehen die 22-Jährigen vor Gericht.

Mutter und Tochter sterben nach Raser-Unfall

„Es kam ihnen darauf an, die Fahrzeuge zu testen und sich zu messen“, wirft die Anklage den jungen Männern zum Prozessauftakt am Kölner Landgericht vor. In der Nacht des 1. Dezember 2023 sollen sich Winzent S. und Vladislav F. über neun Kilometer auf der Autobahn 555 zwischen Köln und Bonn duelliert haben. Links und rechts hätten sie sich immer wieder überholt – und dann einen anderen Wagen als Ziel ihres Rennens ausgerufen.

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Die Angeklagten Winzent S. (l.) und Vladislav F. mit ihren Anwälten.
Die Angeklagten Winzent S. (l.) und Vladislav F. mit ihren Anwälten.
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„Dass die Insassen des Polos bei einer Kollision verletzt oder getötet werden könnten, war ihnen klar“, ein Unfall sei „billigend“ in Kauf genommen worden. Kurz vor der Auffahrt Wesseling sollen sie ihre Autos auf eine Geschwindigkeit von mehr als 200 Stundenkilometern beschleunigt haben, obwohl dort nur Tempo 120 erlaubt ist.

Beim Versuch, den Polo rechts über den Standstreifen zu überholen, rammt eines der Autos den Kleinwagen, der daraufhin explodiert und ausbrennt. Zuvor soll F., der sich vor S. befand, seinen Freund auf dem Standstreifen ausgebremst haben.

Die 23-jährige Ylvi und ihre Mutter haben keine Chance mehr, verlieren in dem Wrack ihr Leben.

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Angeklagter S. entschuldigt sich bei Vater, F. nicht

Vor Gericht sitzt der Vater der Studentin den Angeklagten, die zur Zeit des Unfalls noch als Nachwuchsfußballer in der U23 des 1. FC Köln spielen, gegenüber, wendet den Blick nicht von ihnen ab.

Vater Andreas W. (r.) wendet den Blick nicht von den Angeklagten ab.
Vater Andreas W. (r.) wendet den Blick nicht von den Angeklagten ab.
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S. richtet sich über seinen Anwalt an ihn, möchte sich für das „entsetzliche Ereignis verantworten“, erklärt er. „Ich möchte mich aufrichtig bei dem Vater und den Familienmitgliedern entschuldigen.“ Das „Fehlverhalten“ laste schwer auf seinem Leben. Er wolle die „Konsequenzen tragen“, betont aber auch, sich „zu keinem Rennen“ verabredet zu haben.

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Der VW Polo von Mutter und Tochter brannte nach dem Unfall aus.
Der VW Polo von Mutter und Tochter brannte nach dem Unfall aus.
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Auch F. gibt an, an keinem Rennen teilgenommen zu haben. Er habe den Polo nicht rechts überholen wollen, nach dem Unfall einen „Todesschreck” bekommen. Er und ein Beifahrer seien „hingegangen und wollten helfen”, doch das sei nicht möglich gewesen. „Wir standen wie angewurzelt und waren fassungslos.” Eine Entschuldigung an den Vater spricht F. in seiner Aussage nicht aus.

Strafe wegen Mordes im Verfahren nicht ausgeschlossen

Der Prozess gegen die deutschen Angeklagten sollte ursprünglich vor dem Amtsgericht Brühl stattfinden, dieses hat den Fall wegen des besonderen Umfangs jedoch an das Kölner Landgericht abgegeben. Für den Prozess sind insgesamt neun Verhandlungstage bis Mitte April angesetzt. Ein Urteil soll am 20. April fallen. Vor Beginn teilte das Gericht in einem sogenannten rechtlichen Hinweis mit, dass je nach Verlauf des Verfahrens auch eine Strafe wegen Mordes nicht ausgeschlossen sei.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa