„Leckere Begleiter für den Schulalltag“ - von wegen!

Rewe-Prospekt sorgt bei Ärzten und Eltern für Entsetzen

Dieses Werbeprospekt sorgte für Entsetzen bei der Verbraucherzentrale und Ärzten.
Dieses Werbeprospekt sorgte für Entsetzen bei der Verbraucherzentrale und Ärzten.
Michael Bihlmayer, picture alliance

Bald beginnt für viele Kinder ein neues Schuljahr. Klar, dass da der Ranzen gepackt werden muss – und dazu gehört auch die richtige Verpflegung. Doch was die Supermarktkette Rewe als das richtige Schulessen für Kinder bewirbt, treibt Eltern und Kinderärzte auf die Palme. Denn das ist nicht etwa ein gesunder Apfel oder ein gutes Brot, sondern fettige und stark zuckerhaltige Snacks. Laut Rewe liegt diesen Empfehlungen jedoch ein „produktionstechnisches Versehen“ zugrunde.

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Anzeige leiste "Fehlernährung" Vorschub

„Leckere Begleiter für den Schulalltag“ – laut einem aktuellen Rewe-Werbeprospekt sind das Chips, Schokolade, stark zuckerhaltige Frühstücksflocken, Kekse und süße Säfte. Unter anderem der Verbraucherzentrale Bayern stößt das übel auf: „Liebe @rewe_group, Ihr wisst es doch besser. Auf Eurer Website stehen viele gute Dinge über ausgewogene Kinder-Ernährung. Diese Lebensmittel sollen „Begleiter für den Schulalltag sein?“

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Ärzte und Wissenschaftler sind überhaupt nicht begeistert von dieser Werbebeilage. Die Rewe-Kette leiste mit solchen Anzeigen „der Fehlernährung von Kindern Vorschub“, schreibt etwa die Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten (DANK) in einer Mitteilung. Gerade Kinder würden viel zu wenig Obst und Gemüse essen und viel zu viele Süßigkeiten. Doch das sieht Rewe laut eigener Aussage nicht anders. Wie aber ist die Verbreitung des Werbeprospekt dann zu erklären?

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Laut Rewe handelt es sich um ein "produktionstechnisches Versehen“

Auf Nachfrage von RTL zeigt sich Rewe jedoch einsichtig und stellt klar, dass es sich „bei der übergeordneten Einordnung der abgebildeten Lebensmittel als „Leckere Begleiter für den Schulalltag“ um ein produktionstechnisches Versehen“ handele. „Trotz vieler interner Kontrollinstanzen bei einer Handzettelerstellung ist uns der Fehler leider nicht aufgefallen“, so Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath.

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Strenge Regeln für Werbeindustrie gefordert

Auch wenn es sich im Fall von Rewe um ein produktionstechnisches Versehen handelt, fordert der Verband Deutsche Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten (DANK) strengere Regeln für die Werbeindustrie, wenn es um Kinder geht. „Nur gesunde Lebensmittel, die die WHO-Empfehlungen erfüllen, sollten für Kinder beworben werden dürfen“, schreibt der Verein in einer Mitteilung. Nur zwei der auf der gesamten Seite beworbenen Produkte erfüllen das von der WHO vorgeschlagene Nährwertprofil.

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Der Verein weiß auch durchaus, dass gesunde Ernährung mit dem Geldbeutel zu tun hat. Denn Obst und Gemüse werden immer teurer, für immer mehr Menschen wird es daher schwer, sich gesund zu ernähren: „Während Obst und Gemüse immer teurer werden, werden Süßkram und Zuckergetränke zu Schleuderpreisen vermarktet“, sagt Barbara Bitzer, Sprecherin der DANK und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Ob sich das in Zukunft ändert, ist fraglich. (nri, eon)

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