Unternehmen verrät Fehler-Ursache

Rewe entschuldigt sich für zu süßen Schulkinder-Prospekt

Ein Rewe-Werbeprospekt sorgte für Empörung bei Eltern und Verbänden.
In einem Werbeprospekt bewarb Rewe süße und salzige Snacks und Getränke als „leckere Begleiter für den Schulalltag“. Nun erklärt das Unternehmen, wie es dazu kommen konnte und entschuldigt sich.
Michael Bihlmayer, picture alliance

Anfang August sorgte ein Rewe-Prospekt zum Schulstart für Empörung bei Eltern und Ärzten. Der Grund: Statt Obst oder gesunden Vitaminbomben empfahl Rewe zuckerhaltige Getränke, salzige Snacks und Süßwaren als Füllung für die Schultüte. Auf RTL-Anfrage erklärt das Unternehmen, wie es zu dem fehlerhaften Prospekt kam und entschuldigt sich.

Scharfe Kritik an Rewe-Prospektinhalten: „Fehlernährung von Kindern Vorschub“ geleistet

Für seinen Prospekt erntete Rewe viel Kritik. Das Medizin- und Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) etwa warf dem Unternehmen vor, Rewe bewerbe Lebensmittel für Kinder als „leckere Begleiter für den Schulalltag“ mit Aktionspreisen, obwohl diese zum allergrößten Teil nicht den Nährwertempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsprechen. Damit leiste die Rewe-Kette „der Fehlernährung von Kindern Vorschub“. Der Prospekt sei ein weiterer Beleg dafür, dass verbindliche Werbebeschränkungen überfällig sind, so das Bündnis.

Dies ist besonders brisant vor dem Hintergrund, dass laut Robert-Koch-Institut in Deutschland etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig sind, sechs Prozent gar adipös – mit steigender Tendenz. Und neben mangelnder Bewegung gilt eine unausgewogene, einseitige Ernährung mit wenig frischen und vielen verarbeiteten Lebensmitteln als Hauptursache für Übergewicht und daraus resultierenden Folgeerkrankungen.

Gerade Kinder würden viel zu wenig Obst und Gemüse essen und viel zu viele Süßigkeiten. Doch das sieht Rewe laut eigener Aussage nicht anders. Wie aber ist die Verbreitung des Werbeprospekts dann zu erklären?

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"Produktionstechnisches Versehen“ als Ursache für fehlerhaften Prospekt

Auf Nachfrage von RTL zeigt sich Rewe einsichtig und stellt klar, dass es sich „bei der übergeordneten Einordnung der abgebildeten Lebensmittel als „leckere Begleiter für den Schulalltag“ um ein produktionstechnisches Versehen“ handele. „Trotz vieler interner Kontrollinstanzen bei einer Handzettelerstellung ist uns der Fehler leider nicht aufgefallen“, so Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath.

Da die Schultütenaktion in diesem Jahr aufgrund stark zurückgegangener Nachfrage habe eingestellt werden müssen, seien die für die Schulanfänger gedachten Seiten im Prospekt bedauerlicherweise mit klassischen Handzettelartikeln gefüllt worden, ohne den bereits vorgeplanten und grafisch gesetzten thematischen Kontext zu beachten. „Selbstverständlich sind die im aktuellen Handzettel gezeigten Produkte nicht als Grundlage einer gesunden Ernährung für Schulkinder gedacht noch zu verstehen“, erklärt Bonrath auf RTL-Anfrage. Insofern sei die Kritik völlig berechtigt.

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Rewe bedauert Versehen und bittet um Entschuldigung

Noch im letzten Jahr konnten Erstklässler bundesweit kostenlos eine Schultüte im Rewe-Markt erhalten, deren Inhalt „eben nicht aus Süßigkeiten bestand, sondern aus vielen frischen und gesunden Lebensmitteln: 2021 waren das Apfel, Birne, Banane, Orange, Kiwi (mit Löffel), Müsliriegel und eine Portion Honig“, führt der Pressesprecher weiter aus.

Das Unternehmen bedauere das produktionstechnische Versehen zutiefst und bittet um Entschuldigung: „Trotz vieler interner Kontrollinstanzen bei einer Handzettelerstellung ist uns der Fehler leider nicht aufgefallen.“ Der Vorfall werde Rewe in Zukunft zu noch intensiveren Prüfungen anhalten. (nri)

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