Hauptschulen sollen zu Praxisschulen werdenWie weiter mit Hauptschulen in NRW? FDP will Schulform stärken

von Julia Haiminger und Vanessa Brodka

Immer mehr Hauptschulen in NRW verschwinden. 2025 hat die Landesregierung deshalb entschieden: Auch an Realschulen können künftig Hauptschulabschlüsse gemacht werden. Dafür gab es viel Kritik – auch von der FDP. Sie hat jetzt einen neuen Vorschlag, um die Schulform zu stärken.

Praxistage in Hauptschule in Bonn

In der Karl-Simrock-Schule in Bonn dreht sich nicht alles um Mathe und Theorie. Jeden Freitag heißt es für alle Achtklässler: Ran an die Praxis. Dann kommen beispielsweise Handwerker zu Besuch. Sie sollen die Kids aufs Berufsleben vorbereiten. Vor vier Jahren führt Schulleiter Arndt Hilse die Idee ein. Damals war Amy Frings noch Schülerin. 2025 machte sie ihren Abschluss. Die Praxistage haben ihr Spaß gemacht. Das Ganze sei auch gut für den Lebenslauf, so die 16-Jährige. In der neunten Klasse machte sie von der Schule aus noch ein Praktikum im Krankenhaus. Das gefiel ihr am besten. Deshalb begann sie eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte. Für Arndt Hilse ist das Ziel damit erreicht.

Hauptschulen in NRW sterben aus

Die Karl-Simrock-Schule ist nur noch eine von 158 Hauptschulen in Nordrhein-Westfalen. Immer mehr schließen. An rund jeder Dritten haben etwa 75 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Deshalb brauche es mehr Sprachförderung, so Werner Pfeil von der NRW-FDP. Die Liberalen wollen die Schulform jetzt wieder stärken. Aus den Hauptschulen sollen sogenannte Praxisschulen werden. Dafür setzen die Liberalen auf mehr Langzeitpraktika. Sie sollen benotet werden. Am Ende helfe das gegen den Fachkräftemangel, heißt es in dem FDP-Antrag. Doch der scheiterte im Schulausschuss in Düsseldorf.

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Antrag im Ausschuss abgelehnt

CDU, Grüne und AfD stimmten gegen den Antrag. Die SPD enthielt sich. Die zuständige Ministerin Dorothee Feller (CDU) teilt auf RTL WEST Anfrage mit: „Unsere Hauptschulen arbeiten praxisorientiert, legen einen Schwerpunkt auf die Berufsorientierung und sind mit den Unternehmen in ihrer Umgebung bestens vernetzt [...]“. Zumindest ist das so bei der Hauptschule von Arndt Hilse. Die Praxistage kosten aber auch eine Stange Geld, so der 56-Jährige. Eine Stiftung unterstützt ihn. Amy Frings ist froh für die Chance. Sie will jetzt noch ihre Ausbildung beenden. Danach möchte sie am liebsten zur Bundeswehr und dort als Notfallsanitäterin arbeiten.