Ab jetzt ist jedes Gramm zu viel

"Kinder-Überzuckerungstag": Warum Kids das Zuckerlimit für dieses Jahr schon erreicht haben

Kind greift im Süßigkeitenglas.
Die meisten Kinder lieben Süßigkeiten. Vor allem der enthaltene Zucker begünstigt aber bei einer dauerhaft hohen Aufnahme Übergewicht.
iStockphoto

von Nora Rieder

Am Kinder-Überzuckerungstag, der dieses Jahr auf den 12. August fällt, haben Kinder und Jugendliche in Deutschland rein rechnerisch bereits ihr Zucker-Kontingent für das ganze Jahr aufgebraucht. Zumindest dann, wenn es nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht. Darauf macht die Verbraucherorganisation Foodwatch aufmerksam und fordert ein Verbot für Junkfood-Werbung. Was Zucker so gefährlich macht und worauf Eltern achten sollten.

80 Prozent aller Lebensmittel enthalten Zucker

Zucker ist omnipräsent: Rund 80 Prozent aller Lebensmittel enthalten den Süßmacher. Das erklärt auch, warum es im Alltag gar nicht so leicht ist, auf den Zusatz zu verzichten. Zucker steht vor allem deshalb in der Kritik, weil er viele Kalorien, aber keine Nährstoffe liefert. Man spricht daher auch von „leeren Kalorien“. Bestenfalls sollte es genau umgekehrt sein.

Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen, dass Kinder und Jugendliche fünf bis maximal zehn Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien in Form von freiem Zucker zu sich nehmen sollen. Bei durchschnittlich etwa 2.000 Kilokalorien pro Tag entspricht das einer Menge von 25 bis 50 Gramm Zucker. Das wiederum sind sechs bis zwölf Teelöffel Zucker.

Tatsächlich liegt der täglich aufgenommene Zucker allerdings bei durchschnittlich 16 Prozent der Tagesenergiemenge. Das bedeutet, dass schon nach etwa zwei Drittel des Jahres das Zucker-Limit für ein ganzes Jahr erreicht ist, in diesem Jahr ist das der 12. August. Daher fordert Foodwatch seit Jahren strengere Vorgaben für die Bewerbung von Kinderlebensmitteln.

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Ein hoher Zuckerkonsum in der Kindheit hat weitreichende Folgen

Besonders fatal ist nämlich: Gerade Kinderlebensmittel wie Frühstücksflocken, Fruchtsaftgetränke, Pudding und Co. enthalten besonders viel zugesetzten Zucker. Bereits 2012 hat Foodwatch hatte 1.514 Kinderlebensmittel untersucht und dabei festgestellt, dass fast drei Viertel der untersuchten Produkte (73,3 Prozent) in die „rote“ Kategorie fallen, also in die Spitze der Ernährungspyramide. Dort finden sich Lebensmittel, die nur sparsam verwendet werden sollten, da sie zu viel Fett, Zucker, Salz, Kalorien und Zusatzstoffe enthalten. Daher reichern viele Hersteller ihre Produkten mit Vitaminen und Mineralstoffen an, um über die ungesunden Inhaltsstoffe und Zutaten hinwegzutäuschen.

Vor allem Zucker liefert viele „leere Kalorien“ und erhöht nicht nur das Risiko für Karies, sondern auch für Übergewicht. In Deutschland sind laut Robert Koch-Institut 15,4 Prozent der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen übergewichtig - das entspricht fast jedem 6. Kind. Knapp sechs Prozent dieser Altersgruppe sind adipös, das heißt krankhaft fettleibig. Und: Dieser Anteil hat sich im Vergleich zu den 1990er-Jahren verdoppelt.

Übergewicht und Adipositas wiederum gelten als Risikofaktor für Folgeerkrankungen wie Atemprobleme, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Gelenkbeschwerden sowie soziale Einsamkeit und ein geringes Selbstwertgefühl. Und aus übergewichtigen Kindern werden oft übergewichtige Erwachsene. Das alles erklärt, warum in Deutschland jedes Jahr genau so viele Menschen an den Folgen einer ungesunden Ernährung sterben wie an den Folgen des Rauchens.

Genug Gründe also, Übergewicht vorzubeugen und den Zuckerkonsum einzuschränken. Allerdings ist das oft leichter gesagt als getan.

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Rund 70 verschiedene Begriffe für Zucker

Grundsätzlich informiert die Zutatenliste eines Lebensmittels über dessen Inhaltsstoffe. Am Anfang der Liste stehen grundsätzlich die Hauptzutaten des jeweiligen Produkts. Dennoch ist es oft gar nicht so leicht, Zuckerbomben als solche zu erkennen, und zwar aus zwei Gründen:

Zum einen gibt es rund 70 verschiedene Begriffe für Zucker, zum anderen splitten viele Hersteller den Zucker in verschiedenen Arten auf. Dadurch muss Zucker nicht zwangsläufig an erster Stelle stehen, auch wenn er mengenmäßig den größten Anteil des Lebensmittels ausmacht.

Daher sollten Sie beim Lesen der Zutatenliste auf Begriffe achten, die mit -ose enden. Dahinter verbergen sich meist Zucker, wie beispielsweise Fruktose (Fruchtzucker), Glukose (Traubenzucker) oder Saccharose (Haushaltszucker). Aber auch Zutaten, die Sirup im Namen tragen, deuten auf Zucker hin. Hierzu zählen beispielsweise Maissirup, Glukose-Fruktose- oder Fruktose-Glukose-Sirup.

Verzichten Sie so oft es geht auf entsprechende Lebensmittel, die meist gleichzeitig auch stark verarbeitet sind. Und ganz grundsätzlich gilt: Je kürzer die Zutatenliste, desto gesünder das Lebensmittel.

Lese-Tipp: Diese Zuckerersatzstoffe sind nicht besser als Zucker selbst

Darauf sollten Eltern beim Einkauf achten!

  • Lesen Sie die Zutatenliste – je weiter vorne die Zutat, desto mehr davon ist enthalten.
  • Je länger die Zutatenliste ist, desto verarbeiteter ist das Lebensmittel – und umso ungesünder!
  • Verzichten Sie auf Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe wie Sorbit, Xylit und Co. Sie gewöhnen Kinder an den süßen Geschmack, ohne gleichzeitig zur Sättigung beizutragen.
  • Bei Milchprodukten gilt: Kaufen Sie Produkte auf Joghurt- statt Frischkäsebasis. Noch besser: Mischen Sie Naturjoghurt mit frischen Früchten. Diese sind nicht nur deutlich gesünder, sondern auch günstiger.
  • Frühstückscerealien zählen zu den am stärksten bearbeiteten Kinderlebensmitteln. Sie können bis zu 40 Prozent Zucker enthalten. Mischen Sie das Müsli für Kinder daher selbst: Verwenden Sie dafür Haferflocken, Kerne und Samen und Nüsse. Zusammen mit fettarmen Milchprodukten und frischen Früchten wie Bananen, Beeren oder Birnen erhalten Sie so ein echtes Power-Frühstück, dass lange satt macht und schmeckt. Wenn Sie dennoch lieber zum Fertigmüsli greifen, sollten Sie darauf achten, dass es keinen zugesetzten (Kristall-)Zucker enthält.
  • In Fruchtsaftgetränken steckt nur 6 bis 30 Prozent Fruchtsaft. Kindergetränke auf dieser Basis werden oftmals durch Zugabe von Calcium und Vitaminen aufgewertet. Besser: Mischen Sie Fruchtsaft (Direktsaft) mit Wasser im Verhältnis 1:3 zu Schorlen. Grundsätzlich sollte jedoch Wasser der Durstlöscher Nummer eins sein.

Und generell gilt: Wer sich mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, mageren Milchprodukten und guten pflanzlichen Fetten (Oliven-, Raps-, Lein- oder Walnussöl) ausgewogen ernährt, darf auch bedenkenlos zum Stück Kuchen oder zu Gummibärchen greifen. Wie bei so vielem gilt auch hier: Die Menge macht das Gift.

Daher brauchen Sie Ihren Kindern den Verzehr von Süßigkeiten auch nicht zu verbieten. Doch mehr als eine bis maximal zwei Portionen am Tag – sprich eine Handvoll Gummibärchen oder ein Glas Limonade – sollten es nicht sein.

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