Oft in der Kritik - zu Recht?

WHO: Was genau macht eigentlich die Weltgesundheitsorganisation?

21. Mai 2020 - 9:23 Uhr

Ist die Kritik an der WHO berechtigt?

Nicht erst, aber vor allem seit der Corona-Pandemie wird eine Organisation fast täglich genannt: die WHO. Was genau macht die Institution, der US-Präsident Donald Trump den Geldhahn abdrehen will und die sich immer wieder Vorwürfen der Einflussnahme von Geldgebern stellen muss? Im Video haben wir für Sie die wichtigsten Fakten zur Weltgesundheitsorganisation zusammengefasst und erklären, was hinter den Vorwürfen steckt.

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Was sind die Aufgaben der WHO?

Die Abkürzung WHO leitet sich von der englischen Bezeichnung World Health Organization - auf Deutsch: Weltgesundheitsorganisation - ab. Bei der WHO handelt es sich um eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Sie wurde am 7. April 1948 gegründet und hat derzeit 194 Mitgliedsstaaten. Ihr aktueller Generaldirektor ist Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Das erklärte Ziel der WHO ist es, allen Menschen zum bestmöglichen Gesundheitszustand zu verhelfen. Der Begriff Gesundheit wird dabei von der WHO definiert als Zustand kompletten physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Dies will die WHO durch die Bekämpfung und Vorbeugung von Krankheiten, die Stärkung und den Auf- und Ausbau von Gesundheitssystemen weltweit sowie die Förderung eines gesunden Lebensstils erreichen. Zudem gewährt sie Mitgliedstaaten in dringenden Fällen technische Hilfe.

Ein besonderer Schwerpunkt der WHO liegt im Kampf gegen übertragbare Krankheiten wie Malaria, Aids oder Krebs. Die WHO veröffentlicht jedes Jahr den "Weltgesundheitsbericht" (World Health Report), in dem sie über den aktuellen Forschungsstand informiert und Verbesserungspotenziale aufzeigt. Die Ausrottung der Pocken im Jahr 1980 durch die Entwicklung eines Impfstoffs gilt als einer ihrer größten Erfolge.

Welche Rolle spielt die WHO in der Corona-Pandemie?

World Health Organization (WHO)
Welche Rolle spielt die WHO in der Corona-Pandemie?
© picture alliance

Um bei sich schnell ausbreitenden Krankheiten wie Ebola, der Schweinegrippe oder aktuell dem Covid-19-Ausbruch zu handeln, verhängt die WHO regelmäßig bestimmte Pandemie-Warnstufen. Diese gehen von 1 (Krankheiten unter Tieren, Ansteckungsgefahr für Menschen sehr gering oder gar nicht) bis 6 (weltweite Pandemie, Krankheit breitet sich schnell unter Menschen aus).

Inmitten der Corona-Pandemie kommt der Weltgesundheitsorganisation eine besondere Rolle und Bedeutung zu: Sie klärt unter anderem über Symptome und Infektionswege des Coronavirus auf und gibt Tipps, wie sich die Menschen schützen können. So fordert das WHO-Regionalbüro für Europa jeden Einzelnen dazu auf, durch folgende Maßnahmen Verantwortung für die eigene Gesundheit und den Schutz anderer zu übernehmen:

  • häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife oder Verwendung von Desinfektionsgel
  • soziale Distanzierung (einen Meter Abstand zu Personen, die husten oder niesen)
  • Vermeidung des Berührens von Augen, Nase und Mund
  • Einhaltung von Atemhygiene (Bedecken von Mund und Nase mit der Armbeuge oder einem Taschentuch, dann sofortiges Wegwerfen des benutzten Taschentuchs)
  • frühzeitige Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe, wenn Sie Fieber, Husten oder Atemprobleme haben
  • regelmäßiges Einholen von Informationen und Befolgung der Empfehlungen des Gesundheitspersonals, der nationalen und kommunalen Gesundheitsbehörden oder des Arbeitgebers zum Schutz der eigenen Gesundheit und anderer Personen vor Covid-19

Auf diese Weise trägt die WHO zum einen zur Reduzierung der Zahl der Neuinfektionen bei, zum anderen entlarvt sie so auch Mythen und Fake News rund um das Virus. Zudem sammelt die WHO Zahlen und Fakten zum Virus und wertet diese aus. Neben der Eindämmung der Infektionen mit dem Coronavirus hat die Entwicklung eines Impfstoffs auch für die WHO oberste Priorität.

Wie finanziert sich die WHO?

Finanziert wird die Weltgesundheitsorganisation über feste Pflichtbeiträge ihrer 194 Mitgliedsstaaten und freiwillige Beitragszahlungen. Die Höhe der Pflichtbeiträge richtet sich dabei am Grad des Wohlstandes des entsprechenden Staates und seiner Bevölkerung.

Für den Zeitraum 2018 und 2019 betrug der genehmigte Zweijahreshaushalt der Weltgesundheitsorganisation laut den Vereinten Nationen mehr als 4,4 Milliarden US-Dollar. Der größte Beitragszahler - gemessen an der Summe der Pflicht- und der freiwilligen Beiträge - waren in diesem Zeitraum mit knapp 15 Prozent der Zahlungen die USA. Mit knapp zehn Prozent war die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung der zweitgrößte Geldgeber, gefolgt von der Impfallianz Gavi (8,4 Prozent), Großbritannien (7,8 Prozent) und Deutschland (5,67 Prozent).

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