Vermehrt Stress- und Entzündungsgene aktiv

US-Studie: Beschleunigt Covid-19 die Alterung des Gehirns?

Coronavirus setzt sich im Gehirn fest
Bei einem schweren Verlauf von Covid-19 kann es im Gehirn zu Veränderungen kommen, die auf eine vorzeitige Alterung hindeuten.
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Richtet eine Covid-19-Erkrankung oder schon die Infektion dauerhaften Schaden im Körper an? Eine Frage, über auch die Fachwelt im Hinblick auf Long Covid streitet - und intensiv forscht. Aus Israel kommt dazu jetzt ein wissenschaftlicher Beitrag, der zeigt, dass ein schwerer Verlauf das Gehirn schneller altern lässt. Unklar ist aber noch, ob dieser Zustand anhält.

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Vorzeitige Alterung als Long-Covid-Symptom

Bei einem schweren Verlauf von Covid-19 kann es im Gehirn zu Veränderungen kommen, die auf eine vorzeitige Alterung hindeuten. Das zeige eine Untersuchung der Hirnzellen von Verstorbenen in Nature Aging, berichtet das Ärzteblatt. Viele Patienten entwickeln im Verlauf von Covid-19 kognitive Beeinträchtigungen, die anhalten können und in der Folge ein Symptom von Long Covid sind. Betroffen seien in erster Linie, aber nicht nur Patienten, die auf Intensivstation behandelt wurden, so der Bericht.

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Gehirne von 21 Menschen untersucht

Die Entstehung und Entwicklung von Long Covid ist derzeit immer noch unklar. Maria Mavrikaki, eine Neurobiologin vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston, konnte mit Mitarbeitern die Gehirne von 21 Menschen untersuchen, die bei ihrem Tod an schwerem Covid-19 litten. Ein anderer Patient war zum Todeszeitpunkt symptomlos infiziert. Dieselbe Untersuchung führten die Forscher an zwei Kontrollgruppen durch: 22 nicht infizierte Personen und neun infizierte Personen, die aus anderen Gründen auf Intensivstation behandelt und dort teilweise maschinell beatmet wurden.

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Normalisiert sich die Genaktivierung wieder?

Resultat: Bei Covid-19 waren vermehrt Gene aktiviert, die an Entzündungs- und Stressreaktionen beteiligt sind. Die Aktivität derjenigen Gene, die für die kognitiven Leistungen und die Bildung neuer Verbindungen zwischen Gehirnzellen vonnöten sind, war dagegen heruntergefahren. Zudem waren in den Zellen Gene aktiv, die mit der Hirnalterung in Verbindung gebracht werden. Bestätigt wurde dieser Vermutung durch einen Abgleich mit einer weiteren Gruppe von 20 Personen: Zehn davon waren vor und zehn nach dem 38. Lebensjahr gestorben.

Das beweise aber nicht sicher, dass eine Erkrankung an Sars-CoV-2 zu einer Alterung des Gehirns führt, schreibt das Ärzteblatt. Die Untersuchung stelle nur eine Momentaufnahme dar. Wenn sich die Patienten erholen, könnte sich auch die Genaktivierung wieder normalisieren. Untersuchen ließe sich aber schwerlich, da dazu Hirnbiopsien erforderlich wären. (ija)

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