Reporter Thorsten Sleegers macht den Selbsttest

Kiffen per Knopfdruck: Wie gefährlich sind E-Joints?

21. Juli 2020 - 20:17 Uhr

Cannabis-Konsum unter Teenagern war noch nie so hoch

Jugendliche in Deutschland greifen immer seltener zur gewöhnlichen Zigarette – dafür aber so häufig zu Cannabis wie noch nie. Laut einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben 10,4 Prozent der 12 bis 17-Jährigen schon mindestens einmal gekifft. Und ähnlich wie bei den boomenden E-Zigaretten gibt es auch hier einen neuen Trend: E-Joints. Sie machen den Cannabis-Konsum per Knopfdruck möglich, ganz ohne Tabak. Welchen Effekt hat das auf den Körper? Das testet RTL-Reporter Thorsten Sleegers im Video selbst – mit einem überraschenden Ergebnis.

E-Joints für Minderjährige leicht zugänglich

E-Joints ermöglichen es, Cannabis-Konzentrat oder Marihuana durch Verdampfen zu konsumieren – und sind online ganz legal bei ausländischen Shops zu bekommen. "Was ich relativ bedenklich finde: Diese E-Joints sind relativ günstig, und wenn ich einen bestelle, muss ich lediglich angeben, dass ich 18 Jahre oder älter bin", erklärt Thorsten Sleegers.

Denn welche "Kräuter" der Verbraucher letztendlich in das Gerät packt, bleibt ihm überlassen. "Das macht es für Einsteiger relativ simpel", befürchtet Sleegers. Auch Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BzgA, erklärt: Die Behörde müsse die Entwicklung des Konsums von E-Produkten genau beobachten. Tatsächlich bestätigt ein Konsument, der anonym bleiben will, unserem Reporter, dass die leuchtenden E-Joints vor allem junge Menschen anlocken: "Es geht generell um das Gadget, ich kann es genau wie mein Handy mal schnell wieder aufladen, es ist einfach sehr interessant und cool."

Gefährlich wird es vor allem, wenn gepanschte Substanzen vom Schwarzmarkt für die E-Joints verwendet werden. In den USA gab es in diesem Zusammenhang bereits mehrere Todesfälle, wie unter anderem das Wissenschaftsmagazin "Quarks" berichtet.

Doch auch, wenn es in Deutschland noch nicht zum Äußersten kam: Cannabis sollte von Jugendlichen in keiner Form konsumiert werden, wie der Allgemeinmediziner Peter Fleischhauer warnt. "Das Gehirn reift im Laufe der Kindheit und Jugend bis zum 18., 20. Lebensjahr", erklärt er, "Jeglicher störende Faktor in dieser Zeit kann die Reifung beeinträchtigen, und die Cannabis-Rezeptoren sitzen im Gehirn. Da kann es durchaus zu Fehlentwicklungen kommen, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben." 

Drastischer Vergleich: An Alkohol sterben in Deutschland 70.000 Menschen pro Jahr

Ist Cannabis also gefährlicher als zum Beispiel Alkohol? "An Cannabis ist in Deutschland noch nie jemand gestorben", betont Fleischhauer. "An Alkohol sterben über 70.000 Menschen im Jahr." Dennoch sollte man Kiffen laut dem Mediziner nicht verharmlosen. Folgen des Konsums können unter anderem Panikattacken und Angstzustände sein – vor allem bei Menschen mit psychotischen VorerkrankungenLaut einer kanadischen Studie führt Kiffen im Teenie-Alter außerdem zu einem erhöhten Risiko von Depressionen und sogar Suizid im späteren Leben.

Auch Lisa ging es so: Sie hat mit 16 Jahren mit dem Kiffen angefangen. Welche dramatischen Folgen das für sie hatte, erklärt sie in diesem Artikel.

Für unseren Reporter war es das erste Mal, dass er Cannabis konsumiert hat. "Der E-Joint hat mir den Einstieg total vereinfacht. Daher kann ich verstehen, dass diese stylischen Geräte eine Verlockung und der erste Schritt in Richtung Sucht sein können – und dann vielleicht sogar mit gefährlicheren Substanzen", gibt Sleegers abschießend zu bedenken.