Erleichterung nach Krebsbehandlung

Endlich Corona-Schutz für Immungeschwächte! Neuer Impfstoff macht Risikopatientin Regina Hoffnung

25. November 2021 - 21:17 Uhr

Regina Schlechte wurde am 11. November ein neuer Corona-Impfstoff verimpft

Vor allem für Risikopatienten stellt das Coronavirus eine große Gefahr dar. Wer besonders betroffen ist? Menschen mit Vorerkrankungen und all diejenigen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Sie müssen besonders vor einer Infektion mit Covid-19 geschützt werden. Und was eignet sich dafür am besten? Richtig, die Corona-Impfung. Doch es gibt ein großes Problem: Bei immungeschwächten Menschen können die herkömmlichen Impfstoffe weniger stark wirken. So auch bei Regina Schlechte, die bereits eine Krebserkrankung durchgemacht hat und sich einer Chemotherapie unterziehen musste. Deswegen, und weil sie weiterhin Medikamente einnehmen muss, hat sie so gut wie keine Antikörper – und damit auch fast keinen Schutz.

Biontech, Moderna und Co. helfen nicht wirklich, denn: Obwohl Regina Schlechte doppelt geimpft ist, ist die Immunantwort nicht ausreichend, sie ist also trotz der Vorkehrungen noch nicht vor einem starken Krankheitsverlauf geschützt. An dieser Stelle kommt das Universitätsklinikum Tübingen ins Spiel! Reginas Geschichte – und was ihr jetzt hilft – das erklären wir im Video.

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Immunschwache Patienten: Neuer Impfstoff macht große Hoffnung

Seit geraumer Zeit wird in Tübingen ein eigens für Patienten wie Regina Schlechte entwickelter Impfstoff klinisch erprobt. CoVac-1 soll dort ansetzen, wo herkömmliche Impfstoffe keine richtige Wirkung zeigen. Aber was genau hat es mit der sogenannten "Peptidimpfung" für immungeschwächte Patienten auf sich?

Der Impfstoff setzt, im Gegensatz zu den anderen Vakzinen, nicht auf die Antikörper, sondern auf die Stärkung von T-Zellen, die aktiviert werden sollen, erklärt die Studienleiterin Prof. Dr. Juliane Walz. Zur Erinnerung: Unser Immunsystem besteht aus zwei großen Abwehrlinien, den Antikörpern und den T-Zellen. Wenn Biontech, Moderna und Co. Antikörper stärken sollen, wird recht schnell klar: Für Menschen mit Antikörpermangel sind die Impfstoffe quasi unbrauchbar.

Der neue Peptidimpfstoff CoVac-1 erzeugt eine breite T-Zell-Antwort und richtet sich gegen verschiedene Virusbestandteile – und nicht nur gegen das Spike-Protein, wie es auch auf der Seite des Universitätsklinikums Tübingen heißt: "Im Gegensatz zu anderen Impfstoffen aktiviert CoVac-1 dabei die T-Zellen nicht nur gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2, sondern auch gegen zahlreiche andere Virusbestandteile, was der Entwicklung von Resistenzen durch Mutanten entgegenwirkt."

Lese-Tipp: Bei wem wirkt die Corona-Impfung, bei wem nicht - und warum?

Was genau bedeutet Peptidimpfung?

Ein Impfling bekommt in einem Pop-Up-Impf-Ort seine Corona-Impfung mit dem Wirkstoff von Biontech. (zu dpa: «Lotsen sollen Impfquote steigern - Start Mitte Dezember»). Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa
Eine Peptidimpfung könnte ein echter Hoffnungsschimmer für all diejenigen sein, die ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel nach einer Krebs-Behandlung, haben.
© dpa, Marijan Murat, tba ses chs

Vektor-, mRNA- und Totimpfstoffe – all das hat man im Zusammenhang mit der Corona-Impfung schon gehört. Aber ein Peptidimpfstoff? Die Idee dafür stammt eigentlich aus der Krebsimmuntherapie. Das Team rund um Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee, ebenfalls an der Uniklinik Tübingen tätig, arbeitet schon seit vielen Jahren an der Entwicklung solcher Impfstoffe.

Auf der Webseite der Uni in Baden-Württemberg heißt es: "Als Peptide werden kurze Eiweiße bezeichnet, die auf der Oberfläche von Tumorzellen, aber auch auf virusbefallenen Zellen dem Immunsystem – und hier speziell den T-Zellen – präsentiert werden. Dies ermöglicht dem Immunsystem, 'fremde' Zellen zu erkennen und diese zu eliminieren." Ein Peptidimpfstoff soll also genau dort andocken und aushelfen.

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CoVac-1 könnte bald auf den Markt kommen

Die erste Phase bei der Entwicklung von CoVac-1 ist abgeschlossen, die zweite in vollem Gange. Jetzt werden Probandinnen wie Regina Schlechte gesucht, damit die Immunantworten weiter getestet werden können. Wie wird der neue Impfstoff vertragen, wie geht es den Patienten damit? In einer klinischen Pilotstudie bei gesunden Probanden im Alter von 18 bis 80 Jahren wurde eine sehr gute Verträglichkeit bei CoVac-1 sowie eine äußerst potente Aktivierung der T-Zell-Antwort gegen Sars-CoV-2 belegt.

Lese-Tipp: Nasensprays und Universal-Vakzin: Diese neuen Corona-Impfstoffe sind schon in der Mache

Wenn es diesbezüglich noch mehr Klarheit gibt, soll CoVac-1 auf den Markt kommen. Es wäre eine echte Innovation für all diejenigen, die noch vor einem schweren Corona-Verlauf geschützt werden müssen, bei denen die aktuell herkömmlichen Impfstoffe nicht wirken. (mas/vdü)

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