Kann die 2. Vakzin-Generation die Pandemie ein für alle Mal beenden?

Nasensprays und Universal-Vakzin: Diese neuen Corona-Impfstoffe sind schon in der Mache

Kann ein Nasenspray uns künftig vor Corona schützen?
Kann ein Nasenspray uns künftig vor Corona schützen?
© iStockphoto, Artem Tryhub

25. November 2021 - 16:04 Uhr

Ist im Frühjahr wirklich alles vorbei?

Diesen Winter hatten wir uns alle anders vorgestellt: Noch ein bisschen Maske tragen und aufpassen - schwupps, schon ist Frühjahr und die Pandemie ist vorbei. Doch es kommt alles ganz anders: Zu viele Ungeimpfte machen uns das Leben schwer. Und ist dann im Frühjahr wirklich alles vorbei? Nach wie vor ist für die Experten die Impfung der Weg aus der Pandemie - das wird auch so bleiben, wenn neue Medikamente eine schwere Erkrankung besser bekämpfen können. Welche Impfstoffe der 2. Generation sind jetzt in Arbeit? Wie funktionieren sie und können sie die Pandemie ein für alle Mal beenden?

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Totimpfstoff kommt schon bald

Seit Kurzem prüft die EMA, die Medikamentenzulassungsbehörde auf europäischer Ebene, den sogenannten Totimpfstoff von Novavax. Er wurde nach den konventionellen Methoden hergestellt. Diese Art von Impfstoffen soll genauso gut sein, wie die, die bisher auf dem deutschen Markt anerkannt wurden. Lediglich die Dauer des Schutzes, sowie die zelluläre Immunantwort kann variieren. In Sachen Wirksamkeit erreicht der konventionelle Impfstoff aber nicht die Schutzwerte, die die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna vorlegen können. Und dort arbeitet die Wissenschaft bereits an der 2. Generation von Vakzinen.

IM VIDEO: Impfdurchbrüche nur bei bestimmten Impfstoffen?

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2. Generation: Moderna, Biontech und Co. teilweise schon in Phase II und III

Die bekannten Impfstoff-Hersteller wie Biontech, Moderna und AstraZeneca arbeiten schon an verbesserten Impfstoffen, die teilweise schon in den letzten Phasen II und III der Erprobung stehen. AstraZeneca an einem an die Beta-Variante angepassten Vektorimpfstoff - als Auffrisch-Impfung oder als Erstimpfung. Auch Moderna arbeitet an einem Booster-Vakzin gegen das ursprüngliche, im chinesischen Wuhan aufgetretene Virus, außerdem an einem Impfstoff gegen die südafrikanische Variante und an einem "bivalenten" Vakzin mit zwei verschiedenen mRNA-Strängen gegen zwei Varianten, unter anderem Beta, gleichzeitig.

Nur Biontech liefert bald Impfstoff gegen Delta

Es fällt auf: Vakzine gegen die derzeit vorherrschende Delta-Variante sind noch Mangelware - da ist das Virus einfach immer noch schneller als die Wissenschaft. Biontech allerdings hat gleich drei neue mRNA-Impfstoffe in der Pipeline, die als Auffrisch-Impfungen besser gegen Delta schützen sollen. Auch an einer Erstimpfung mit zwei Injektionen für bisher nicht geimpfte Menschen wird geforscht, auch mit an die Beta-Variante angepasster mRNA – aber die soll dann als Prototyp für weitere mögliche Mutanten dienen. Zudem arbeitet das Mainzer Unternehmen an einen "bivalenten" Impfstoff - der enthält sowohl an die Alpha- und Delta-Variante angepasste mRNA.

Neue nasale Impfstoffe sollen vor Übertragungen schützen

Aber auch an Impfstoffen, die eine Immunreaktion direkt da hervorrufen, wo das Coronavirus sich Zugang zum Körper verschaffen will, wird weiter geforscht. Die Universität von Hongkong forscht zusammen mit der Xiamen University und Beijing Wantai Biological Pharmacy an einem intranasal anzuwendenden Vektorviren-Impfstoff - er befindet sich sogar schon in der Phase III der Überprüfung. Auch in Oxford, wo der AstraZeneca-Impfstoff entwickelt wurde, wird an einem solchen Impfstoff geforscht - hier allerdings erst in Phase I. In Deutschland forscht die Medizinische Hochschule Hannover an einem Impfstoff zum Inhalieren - hier befindet man sich laut Überblick vom VFA noch in der vorklinischen Entwicklung.

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Peptid-Vakzin: Hoffnung für Immungeschwächte

Auch immungeschwächte Patienten können in Sachen Impfstoff-Entwicklung für die Zukunft hoffen: Denn gleich drei Unternehmen arbeiten an einem Vakzin, dass auf die Bedürfnisse auf Patienten zugeschnitten ist, die durch Krankheit oder beispielsweise eine Krebstherapie oder andere Behandlungen ein geschwächtes Immunsystem haben. Das City of Hope National Medical Center ist eine private, gemeinnützige Krebsklinik in den USA, und dort wird an einem Vektorviren-Impfstoff gearbeitet, der Gene sowohl für das Spike- und als auch das Nukleokapsid-Protein von Sars-CoV-2 enthält.

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So erkennen dadurch gebildete Antikörper nicht nur den Protein-Stachel des Virus, mit dem er sich Zugang zu Zellen verschafft, sondern auch den Kern des Virus. Die Universität Tübingen forscht für diese Zielgruppe an einem Peptid-Impfstoff. Er enthält Bruchstücke von Proteinen des Coronavirus, die die T-Zellen des Immunsystems zur Bekämpfung von Sars-CoV-2 aktivieren sollen. Die klinische Studie durchläuft aktuell schon Phase II.

Curevac sucht den Super-Impfstoff

Auch das Tübinger Biotechunternehmen Curevac möchte weiter bei der Impfstoff-Entwicklung. Das Unternehmen hatte seinen ersten Impfstoff wegen zu geringer Wirksamkeit zurückziehen müssen. Mit seinem britischen Partner GlaxoSmithKline (GSK) konzentriert man sich jetzt auf die Entwicklung eines Impfstoffs "2.0". Der neue Impfstoff soll nun einen länger anhaltenden Schutz gegen neue Varianten in einer einzigen Impfung bieten. Ziel ist laut Management, die Zulassung für das verbesserte Covid-19-Vakzin 2022 zu erlangen. Im Vergleich zum ersten Impfstoff weise der neue in Tiermodellen bereits eine bis zu zehnfach höhere Immunogenität auf. (ija)

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