23 Jahre nach Mord an Claudia Ruf (†11)

Nachbarsmädchen Steffi ging kurz vorher mit dem Hund raus: „Es hätte auch mich treffen können"

21. November 2019 - 22:37 Uhr

Video: Mord an Claudia Ruf verfolgte Steffi Mambächer über Jahre

Vor 23 Jahren verschwand Claudia Ruf beim Gassigehen mit dem Nachbarshund in Grevenbroich (zwischen Düsseldorf und Köln). Zwei Tage später wurde die Elfjährige im 70 Kilometer entfernten Euskirchen auf einem Feldweg ermordet aufgefunden. Der Mordfall ist noch immer ungeklärt. Nun soll ein DNA-Test bei 1.600 Männern den Mörder doch noch enttarnen. Steffi Mambächer war damals acht Jahre alt und wohnte in der Nachbarschaft. RTL-Reporter Henning Behrens besuchte sie. Bis heute kommen der Frau die Tränen, wenn sie an das Mädchen denkt. Im Video spricht sie über den schrecklichen Tag, an dem Claudia verschwand.

Nachbarin spricht über die letzte Begegnung mit Claudia Ruf

Steffi Mambächers Mutter, Rosemarie Sieger, war vermutlich die vorletzte Person, die Claudia vor ihrem Verschwinden gesehen hat. Es war ein ganz normaler Tag für die Mutter. Damals arbeitete sie nachts als Taxifahrerin. Vor ihrer Schicht traf sie Claudia Ruf vor der Haustür. Das elfjährige Mädchen hüpfte ganz fröhlich über den Weg. Sie wollte mit dem Nachbarshund DJ eine Runde Gassi gehen, erzählt Rosemarie Sieger im RTL-Interview. Claudia ging öfter mit DJ spazieren.

Tochter ging kurz vor Claudia noch mit dem Hund spazieren

Claudia Ruf aus Grevenbroich
Die elfjährige Claudia Ruf wurde beim Gassigehen mit dem Nachbarshund entführt, missbraucht und ermordet.
© picture-alliance / dpa, DB handout, bs/rf

Als Rosemarie Sieger nach ihrer Schicht morgens nach Hause kam, stand die Polizei vor ihrer Tür. Dort erfuhr sie dann auch, dass nach Claudia gesucht wird. Zwei Tage später fanden die Beamten das elfjährige Mädchen - ermordet und auf einem Feldweg bei Euskirchen abgelegt. Ein Schock für die Mutter. Denn ihre eigene Tochter war nur eine Stunde vorher Gassi gegangen. "Sie war vor Claudia mit dem Hund unterwegs - und zwar mit unserem Hund. Und unser Hund war ein großer Hund. Es war ein Husky." Möglich, dass der Steffi das Leben rettete. "Entweder hat unser Hund abgeschreckt oder die arme Claudia war leider im falschen Moment an der falschen Stelle", erzählt Sieger.

Ein Gefühl, das sie niemals vergessen wird. "Mir wurde richtig übel, alleine die Gedankenführung, die man dann hat, als Mutter." Auch noch nach Wochen war das ungute Gefühl nicht weg. 23 Jahre später kommen die Gefühle immer noch hoch, vor allem, wenn sie hört, dass irgendwo anders ein Kind verschwunden ist. Vielleicht auch, weil der Mörder nie gefasst wurde. 

Steffi Mambächer kommen auch heute noch die Tränen

Ihre Tochter Steffi Mambächer kannte die drei Jahre ältere Claudia aus der Nachbarschaft. Damals war sie acht Jahre alt. Auch heute - 23 Jahre nach dem Mordfall - kommen ihr immer noch immer die Tränen, wenn sie über das Nachbarsmädchen spricht. "Es hätte auch mich treffen können, weil ich ja ne Stunde vorher entlang gegangen bin".

Steffi nahm es sehr mit, dass Claudia einfach verschwand und nicht mehr wiederkam. Das hat sie über Jahre verfolgt. Immer wieder musste sie daran denken, dass es auch sie hätte treffen können. Nach dem Mord an Claudia wurde Steffi immer von ihren Eltern zur Schule gefahren und auch abgeholt.

Täter könnte ebenfalls aus der Nachbarschaft sein

Polizei informiert über DNA-Massentest
Eine DNA-Massenuntersuchung soll jetzt 23 Jahre später endlich den Mörder überführen.
© dpa, -, aka lop

2010 blieb ein DNA-Test mit Speichelproben von 350 Männern erfolglos. Nun sollen 800 Männer aus dem Dorf, die zur Tatzeit zwischen 14 und 70 Jahre alt waren, Speichelproben abgeben. Man wisse jetzt auch, warum die Leiche des Kindes 70 Kilometer entfernt bei Euskirchen auf einem Feldweg abgelegt wurde, erklärte die Polizei. Aus ermittlungstaktischen Gründen wolle man das aber noch nicht verraten.

Die Ermittler veröffentlichten vergangenen Freitag einen Appell des Vaters des Mädchens: "Bitte helfen Sie der Polizei. Bitte helfen Sie mir." Jetzt, bestehe die Chance, das traurige Schicksal seiner Tochter doch noch aufzuklären. "Er muss sich endlich erklären. Er hat sich lange genug hinter uns allen verstecken können."