Vor dem Gerichtssaal kämpft Miguels Tante mit den Tränen. Im Fernsehen gezeigt werden möchte sie heute nicht. Dass vier Heranwachsende ihren Miguel aus dem Leben gerissen haben, ist für sie noch immer unbegreiflich.
"Sie können halt weiterleben, sie können Familie gründen, sie können alt werden. Was sie meinem Miguel jetzt genommen haben. Er kann das nicht erleben, Vater zu werden, mal zu heiraten. Und das tut weh."
Rückblick: Der 23-jährige Miguel A. ist Gerüstbauer und wohnt in der Kleinstadt Zella-Mehlis in Südthüringen. Am Samstag, den 21. Juni, schaut er, wie so oft, bei seiner Oma vorbei.
"An dem Tag da stand er dann da in der Ecke und sagte: Mach’s gut, Oma. "
Später soll der Junge dann mit anderen jungen Leuten auf einem Supermarktparkplatz in Streit geraten sein. Im angrenzenden Park sollen die vier Heranwachsenden, zum Teil noch minderjährig, Miguel verfolgt haben.
Anwohnerin: "Und unten in der Halle, also in der Höhe von der Gärtnerei unten, habe ich dann einen Schrei gehört.“
Unser Reporter rekonstruiert vor Ort, was dann passiert sein soll:
"Die vier Jugendlichen sollen ihn dann maltretiert haben, unter anderem mit Pfefferspray und Schlägen und auch einen Gürtel auf ihn eingeschlagen haben. Danach sei er dann zu Boden gegangen und sie sollen auf ihn eingetreten haben."
Nach dem brutalen Angriff konnte Miguel offenbar in Richtung Bach fliehen.
"Allerdings geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass er dann gestürzt ist und hier im Bach ertrunken sei."
Miguels Familie sucht damals stundenlang nach ihm - schließlich ist es Miguels Onkel, der die Leiche hier im Bach findet. Die mutmaßlichen Täter: zwei damals 19-Jährige und zwei Mädchen im Alter zwischen 15 und 16 Jahren. Auf Miguels Familie wirken die Angeklagten heute gelassen:
"Die Hemmschwelle ist einfach weg bei der Jugend. Das sieht man ja jetzt, wie sie reingekommen sind."
Plötzlich heißt es dann: Der Prozess wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Auch Miguels Familie muss draußen bleiben.
"Das ist der Gipfel. Sie können Handyverträge machen, sie können Mietverträge machen und bei sowas sind sie zu jung."
Tante: "Ich will da auch irgendwann mal abschließen. Ich komm hier nicht zur Ruhe. Ich meine, sie bringen ihn mir nicht wieder, aber es vergeht kein Tag, wo du nicht an ihn denkst."
Auch wenn am Ende irgendwann ein Urteil fällt: Gerechtigkeit wird es in den Augen von Miguels Familie niemals geben.