Die Stasi war schon in der WohnungRTL-Reporterin durchlebt ihre DDR-Flucht erneut
Am 13. August 1961 startete der Bau der Berliner Mauer – und zwang selbst fast 30 Jahre später noch Menschen zur Flucht!
1989 fassen Kathrin Degens Eltern den Plan, aus der DDR zu fliehen. Die RTL-Reporterin war zu diesem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt. Gemeinsam mit einem Kamerateam tritt sie eine emotionale Reise in die Vergangenheit an – und erzählt uns ihre Geschichte.
Eine Sommernacht verändert ihr Leben – Kathrin Degen erzählt von ihrer Flucht aus der DDR
„Lauf los!” Als die RTL-Reporterin auf dieses Kommando wartet, ist sie gerade einmal 13 Jahre alt. Gemeinsam mit ihren Eltern rennt sie in einer Sommernacht 1989 um ihr Leben. Hinter ihnen liegt die DDR, vor ihnen die Hoffnung auf Freiheit.
Dass ihre Familie überhaupt fliehen würde, ahnt Kathrin zunächst nicht. Das berichtet die RTL-Reporterin in ihrer Dokumentation „Meine Flucht aus der DDR” – bei RTL+ im Stream verfügbar. Erst Jahre später wird ihr klar, wie groß die Gefahr damals tatsächlich war. Aber beginnen wir von vorn.

Flucht aus der DDR – alles begann, als die Stasi Degens Familie ins Visier nahm
„Mein Weg beginnt 1989 in Magdeburg”, blickt Kathrin Degen zurück. Dort verbringt sie die ersten 13 Jahre ihres Lebens – lebt eine unbeschwerte Kindheit. „Die Zwänge und Regeln des politischen Systems sind für mich völlig normal”, stellt sie klar. Auch ihre Eltern, die zu diesem Zeitpunkt als Gastronomen tätig sind, haben sich angepasst und glauben, nicht aufzufallen. Dass die Staatssicherheit ihre Familie längst beobachtet, ahnt zunächst niemand.
Das ändert sich jedoch schlagartig, als es eines Morgens um sechs Uhr an der Tür klingelt: „Anonyme Verleumdungen lenken den Fokus der Stasi plötzlich auf meine Eltern”, erinnert sie sich. Sicherheitsbeamte nehmen ihre Eltern unangekündigt mit und verhören diese einen ganzen Tag lang getrennt voneinander – und Kathrin? „Ich bin zu dem Zeitpunkt in einem Ferienlager und bekomme nichts davon mit”, schildert die RTL-Reporterin.
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Erst nach ihrer Rückkehr bemerkt sie, dass etwas nicht stimmt. In der Wohnung entdeckt sie Fingerabdrücke, die niemandem aus ihrer Familie gehören. „Spätestens ab da fühlen sich meine Eltern beobachtet, kontrolliert und eingeengt”, schildert Kathrin. Heimlich treffen sie eine folgenschwere Entscheidung: „Wir lassen alles zurück, was wir haben.”
Der Fluchtplan aus der DDR – der Urlaub in Ungarn sollte der Weg in die Freiheit werden
Anfang Juli reist die Familie wie in jedem Jahr an den Balaton in Ungarn. „Ungarn war eins der wenigen Länder, in das DDR-Bürger mit einer Genehmigung reisen durften”, erklärt Kathrin.
Doch diesmal fühlt sich vieles anders an. „Wir treffen fremde Menschen – wie ich später erfahre, sind es Westdeutsche, die uns in Kontakt mit unserer späteren Fluchthelferin bringen.“ Auch ihr Vater verhält sich ungewohnt. „Mein Vater studiert ständig die Landkarte, obwohl wir uns in Ungarn gut auskennen durch die vielen Urlaube. Und immer läuft ,Westfernsehen‘ mit Nachrichten über den Abbau der Grenzen in Ungarn.“
Damals kann Kathrin die vielen kleinen Hinweise noch nicht einordnen. Nur eines spürt sie: „ein komisches Gefühl.“ Erst als die Familie die Heimreise antritt, versteht sie endlich auch, warum.
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Heimweg statt Flucht! Warum die 13-Jährige zunächst nicht fliehen wollte
Auf der Heimreise setzt sich für Kathrin plötzlich alles zusammen. Statt den gewohnten Weg Richtung DDR einzuschlagen, fahren ihre Eltern eine andere Strecke. Die vielen Ungereimtheiten der vergangenen Tage ergeben für die 13-Jährige auf einmal ein Bild. Kathrin erkennt: „Sie wollen mit mir in den Westen.” Doch es gibt ein Problem: Die damals 13-Jährige will nicht mit!
Im Auto kommt es zu einem emotionalen Gespräch. Kathrin spricht ihre Eltern auf ihren Verdacht an. „Meine Mutter versucht mir klar zu machen, dass sie nur das Beste für mich wollen”, erzählt die Reporterin. Doch die Jugendliche, die sie damals nun einmal war, fühlt sich völlig überrumpelt. „So banal es ist – als Teenager hatte ich mich so sehr auf eine bevorstehende Reise mit meinen Freunden nach Polen gefreut”, erläutert sie.
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Vor allem aber versteht sie die Beweggründe ihrer Eltern nicht. „Ich wollte einfach nicht weg von zu Hause. Ich habe es nicht verstanden, denn von all den Heimlichkeiten und der Kontrolle durch die Stasi wusste ich zu dem Zeitpunkt nichts.” Schließlich drehen ihre Eltern um und fahren tatsächlich zurück in die DDR. Kathrin wird erst dadurch bewusst, was ihre Entscheidung bedeutet hat. „Ich hatte ihnen die Chance auf Freiheit vermasselt.”
Das schlechte Gewissen ändert ihre Meinung: Nach ihrer Reise würde sie mit ihren Eltern einen zweiten Fluchtversuch wagen. Doch ihre beste Freundin Eileen durfte das nicht wissen. „Dass die Reise nach Polen die letzte gemeinsame Zeit von mir und meiner besten Freundin sein sollte, das wusste nur ich – und es musste mein Geheimnis bleiben”, berichtet Kathrin.
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Der zweite Fluchtversuch aus der DDR sollte alles verändern
Nach ihrer Rückkehr in die DDR ergibt sich erneut die Chance auf eine Flucht: „Unerwartet wird meinen Eltern noch eine zweite Reise nach Ungarn erlaubt.” Aufgrund ihres schlechten Gewissen stellt sich Kathrin Degen nicht erneut gegen ihre Familie. Doch der Abschied fällt ihr nicht leicht: „Nie wieder werde ich meine beste Freundin sehen, nie wieder meinen Bruder, der damals schon erwachsen war, und meine Nichte Isabell, drei Jahre alt, an der ich hing wie an einer kleinen Schwester.”
Am Balaton wartet ihre Fluchthelferin, eine Österreicherin, die DDR-Bürgern freiwillig und ohne Bezahlung zur Flucht verhilft. Gemeinsam machen sie sich in ihrem Auto auf den Weg Richtung österreichische Grenze. Der gelbe Lada der Familie bleibt am Balaton zurück.Stunde um Stunde fahren sie die Grenzregion entlang. Immer wieder wandern die Blicke auf die Landkarte. „Wo ist die Grenze nah genug, um es zu schaffen?”, fragen sie sich.
Die Anspannung im Auto wächst mit jedem Kilometer – unzählige Fragen quälen Kathrin: „Wird heute der Tag unserer Flucht sein? Wann werden wir unsere Familie wiedersehen? Wie wird dieser Tag enden?”
Im Kofferraum liegt alles bereit für die entscheidenden Stunden: schwarze Kleidung, Handschuhe gegen Dornen und ein kleiner Fluchtrucksack. Darin befinden sich eine Zange, Pfeffer gegen die Spürnasen der Hunde, drei Äpfel als Proviant – und Kathrins Schulzeugnis. „Ich bin schon oft gefragt worden, warum ich das mitgenommen habe – selbst meine Eltern wussten es nicht.” Heute glaubt sie die Antwort zu kennen. „Heute glaube ich, dass mir die Endgültigkeit unserer Reise bewusst war, obwohl ich erst 13 war.”
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„Lauf los!“ – der dramatische Flucht-Moment an den Soldaten vorbei
Gegen 20.30 Uhr erreicht die Familie ein Waldstück bei Kópháza. Dort ziehen sie sich um. „In der Dunkelheit sind wir mit schwarzer Kleidung nicht so schnell zu erkennen.” Wenig später setzt ihre Fluchthelferin sie an einem Gebüsch ab – ihre Familie ist nun völlig auf sich allein gestellt: „Da stehen wir nun an einem kleinen Abhang, und unten sind hell erleuchtete Bahngleise”, erinnert sich Kathrin. Damit sich die Familie nicht verliert, binden sie sich mit einem Seil aneinander: „Und dann geht’s los: über die Gleise, hoch ins Gebüsch.”
Angst verspürt die damals 13-Jährige in diesem Moment nicht. Stattdessen empfindet sie „eine riesige Anspannung”, so Kathrin. „Es ist ernst, das ist mir klar.” Der Teenager folgt ihren Eltern, hört auf jedes Kommando ihres Vaters. „Die Äste knacken, im Gleichschritt gehen wir langsam weiter bergauf. Ich weiß, dass es gleich heißen wird: ,Lauf los!‘”, erinnert sich die Reporterin.
Doch noch bevor es so weit kommt, entdecken sie etwas im Dunkeln. „Plötzlich sehen wir Soldatenfüße.” Wie diese dramatischen Sekunden ausgehen und ob die Familie die Grenze in die Freiheit tatsächlich an diesem Tag überwindet, erzählt Kathrin Degen in der Dokumentation „Meine Flucht aus der DDR” auf RTL+.
Heute ist Kathrin Degen ihren Eltern für die Flucht aus der DDR dankbar
Damals wollte die 13-Jährige ihre Heimat nicht verlassen. Heute weiß sie, dass die Entscheidung ihrer Eltern richtig war. „Letztlich wäre vieles anders gelaufen, wenn wir das nicht gemacht hätten. Unsere Leben wären komplett anders verlaufen”, sagt Kathrin Degen rückblickend.
„Es ist gut, dass sie es gemacht haben – dass sie so mutig waren”, stellt die Reporterin klar. Denn erst als Erwachsene erkennt sie, welches Risiko ihre Eltern damals eingegangen sind, um ihrer Tochter ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Heute weiß sie: „Sie haben es ja auch für mich getan und auch dafür, in Freiheit zu leben.“
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, RTL+-Doku „Meine Flucht aus der DDR”




























































































