Unser Notfallsystem kann schon ganz schön verwirren. Deshalb wollen wir von den Menschen in Essen wissen:
Reporterin:
"Wir haben Sonntagabend. Wir haben 39 Grad Fieber. Rückenschmerzen oder seit Stunden Bauchschmerzen. Was würden Sie jetzt machen?"
"Hier Ärzte angerufen bei Bauchschmerzen oder bei Fieber? Wenn über 40 Grad ist, dann würde ich dann schon mal den Notruf wählen."
"Ich würde, wenn es mir ganz schlecht geht, erst mal zur Notaufnahme wahrscheinlich eher fahren, als die 102 zu rufen."
Ärztlicher Bereitschaftsdienst, Notarzt oder doch direkt ins Krankenhaus? Ja, viele machen es einfach nach Gefühl - und genau das sorgt für überlastete Kliniken. Vor allem im Winter.
"Der Engpass entsteht insbesondere dann, wenn wir so Richtung Infektzeit kommen. Das heißt so ab Ende November, Anfang Dezember sieht man oder weiß man auch, dass in der Regel die Saison von Influenza, Corona, RSV Viren wieder losgeht. Das heißt, diese Patienten müssen natürlich isoliert behandelt werden. Das heißt, dort müssen wir dann schauen, ob wir genügend Kapazitäten haben, diese Patienten eben auch in Isolationsbetten unterzubringen."
Die Folge: Lange Wartezeiten, weil viele mit Beschwerden in die Notaufnahme kommen, die eigentlich zum Hausarzt gehören. In der Hektik steigt auch das Risiko für Fehldiagnosen.
Katrin Hagener erlebte genau das. Sie fährt mit Kopf- und Augenschmerzen in eine Klinik. Diagnose: Migräne. Tage später stellt der Augenarzt fest: Es war ein akuter Glaukomanfall.
"Ich war erschüttert, weil er sagte mir, auch ein paar Tage später hätte ich das Augenlicht verlieren können."
Doch nun soll sich vieles ändern. In ausgewählten Krankenhäusern sollen neue Notfallzentren entstehen, die Notfälle besser einschätzen und koordinieren.
Ausserdem soll die 116 117 die zentrale Rufnummer für akute Fälle werden. Ziel ist, dass Patienten schon am Telefon erfahren, welches Hilfsangebot das richtige ist, oder direkt in eine Notdienstpraxis gesteuert werden.
Bislang ist der Bereitschaftsdienst aber kaum bekannt. Wie schafft man Aufmerksamkeit?
"Ich würde sagen, man müsste Plakate aufhängen. Ich kannte die Nummer jetzt zum Beispiel noch nie und würde das dann wahrscheinlich an Bushaltestellen, an Plakaten machen, damit Leute darauf aufmerksam werden. Vielleicht auch in der Innenstadt oder in gewissen Läden Awareness schaffen."
"Also Social Media ist ja sehr viel auf Social Media."
Die Sorge vieler Kritiker, Patienten könnten an Rettungsstellen abgewiesen werden. Doch gerade durch eine frühzeitige Telebetreuung sollen Kranke besser versorgt werden. Wartezeiten sollen sich reduzieren und Fehldiagnosen gar nicht erst entstehen.