„Nach und nach wurde mir dann eigentlich erst bewusst, was ich vergessen habe.“
„Ich will einfach nur irgendwie wieder zurück ins Leben finden.“
Ein Leben, das bisher einem großen Abenteuer glich: Michi und Marc Schreiber arbeiten in Artenschutzprojekten in Südafrika mit, sie planen dort ihre eigene Tierauffangstation zu gründen, sind sogar kurz davor, ein passendes Grundstück zu kaufen – als das Schicksal Anfang Januar 2025 plötzlich zuschlägt. Auf dem Weg zu einer Wanderung kracht ein Auto ungebremst in ihres, die beiden kommen schwer verletzt ins Krankenhaus.
„Michi war zu dem Zeitpunkt noch zunächst bewusstlos und als sie dann zu sich kam, komplett verwirrt. Sie wusste auch nicht, wo wir sind. Sie wusste gar nicht, was passiert ist, wo sie ist.“
Das Schlimme: Dieser Zustand bleibt. Michis halbes Gesicht ist zertrümmert, ihr Gehirn verletzt. Ihre Erinnerungen sind weg – zudem funktioniert auch ihr Kurzzeitgedächtnis nicht.
„Das Primärgefühl war erstmal tatsächlich Panik und Angst. Obwohl ich ganz lange dachte, vielleicht träume ich ja nur und werde gleich wach und alles ist gut.“
Doch aus diesem Albtraum wird sie nicht wach, die Erinnerungen kommen nicht zurück.
„Wir haben dann teilweise an einem Tag 20-, 30-mal dieselben Gespräche geführt. Wir hatten einen Unfall. Wir sind im Krankenhaus. Du wirst operiert. Und dann habe ich das zum Beispiel erzählt. Bin kurz aus dem Raum, um was zu trinken zu holen. Dann hat sie gesagt: Warum bin ich im Krankenhaus? Warum tut mein Gesicht so weh?“
Zurück in Deutschland stellt sich raus: Michi hat unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma.
„Was dazu geführt hat, dass es eben zu einem Gedächtnisverlust gekommen ist, einer sogenannten retrograden Amnesie. Das bedeutet, dass sie sich an Dinge nicht mehr erinnern konnte, die bis zu dem Zeitpunkt passiert sind in der Vergangenheit. Aus psychologischer Sicht ist es natürlich auch dann ein emotionales Trauma, was man dann erleidet.“
Zwei Jahre ihres Lebens sind in Michis Gedächtnis ausgelöscht. Das große Glück: Mit Marc ist sie schon sieben Jahre verheiratet. Er ist ihr nicht fremd.
„Das war eine sehr, sehr große Erleichterung, weil ich so jemanden hatte, dem ich vertrauen konnte und so jemanden hatte, an den ich mich dran heften konnte.“
Die beiden halten aneinander fest. Michis Kurzzeitgedächtnis kommt zurück, aber an zwei Jahre ihres Lebens kann sie sich weiterhin nicht erinnern. Schritt für Schritt erzählt ihr Marc, welche Erlebnisse sie gemeinsam hatten.
„Das hier war in Mauritius.“
„Mauritius? Hast du ja gesagt. Hätte mir nicht gefallen.“
Michi kennt sich selbst nicht mehr, muss anderen vertrauen, was nicht immer einfach ist.
„Man hat sich ausgeliefert gefühlt, wusste nicht, ob das stimmt oder nicht. Keine Möglichkeit, das zu prüfen.“
Michi kämpft, trainiert täglich ihr Gehirn, macht Therapie und beginnt ein Buch über ihre Amnesie zu schreiben, das jetzt herauskommt.
„Das war für mich wie so: Ich kann wieder was. Und es war mental für mich total wichtig.“
Eineinhalb Jahre nach dem Unfall geht es der 30-Jährigen heute deutlich besser. Auch wenn sie nie alles lernen wird, was sie vergessen hat – ihr großer Wunsch soll in drei Jahren trotz allem Realität werden: eine eigene Auffangstation in Südafrika.