Zerstören Kriminelle den letzten Urwald Europas?

Wie die Holzmafia in Rumänien wütet und dabei Millionen verdient

05. Oktober 2021 - 18:22 Uhr

Im Video: RTL-Reporter Maik Meuser und Torsten Misler auf den Spuren der Holzmafia

In Rumänien gibt es die letzten Urwälder Europas – das sagen zumindest Experten. Doch sie sind in Gefahr. Die Holz-Mafia lässt in den Wäldern illegal roden und bedroht diejenigen, die gegen sie vorgehen. Mit welchen perfiden Methoden sich Holzfäller Zugang zu dem Holz eigentlicher geschützter Wälder verschaffen, zeigen die RTL-Reporter Maik Meuser und Torsten Misler im Video. Aber auch der schwedische Möbelriese Ikea steht in Rumänien wegen seiner Abholzungspraktiken in der Kritik.

Illegale Machenschaften

Baumstämme, mit einem Meter Durchmesser, werden wie Müll weggeworfen. Journalisten werden attackiert, Polizisten mit ihrem Leben bedroht. Die Mafia, die in Rumänien illegal rodet, hat so einiges auf dem Kerbholz. Teilweise reicht es aber auch aus, die Gesetze freier auszulegen. Denn die Waldgebiete in Rumänien stehen teilweise unter dem Schutz der Europäischen Union, allerdings ist das Abolzen nicht immer illegal. Der rumänische Staat erlaubt in manchen Gebieten ganz offiziell, dass eine bestimmte Anzahl Bäume gefällt werden darf. Laut Umweltschützern wird dabei allerdings noch viel mehr abgeholzt.

RTL-Reporter haben sich in Rumänien mit Umweltschützern getroffen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Die Umweltaktivisten führen sie an Orte, an denen die Holzmafia gewütet hat – aber auch an Orte, an denen der schwedische Möbelkonzern Ikea legal ganze Waldflächen abholzen lässt.

Rumänische Umweltschützer kritisieren Ikea

Nach RTL-Recherchen gehören größere Waldgebiete in Rumänien Ingka Investments und entsprechend zum Ikea-Firmengeflecht. Ein Umweltaktivist führt RTL in ein solches Waldgebiet, ein Teil der Fläche ist bereits gerodet. "Sie haben hier auf der ganzen Fläche diesen einen Baum stehen lassen. Das ist doch ein schlechter Witz! Wenn sie die alten Bäume roden, zerstören sie Lebensraum für Vögel und andere Tiere", erklärt der Umweltschützer. Ikea könne dann so behaupten, dass keine komplette Rodung stattgefunden habe.

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Ikea rodet in rumänischen Wäldern.
„Ikea sagt, dass ist kein Kahlschlag, weil sie diesen einen großen Baum stehen gelassen haben“, sagt Umweltschützer George H.
© RTL

Und was sagt Ikea zu den Rodungen? Die Pressestelle geht nicht auf einzelne Fragen ein, sondern antwortet eher allgemein: Dass man sich an alle geltenden Gesetze halte und keine Urwälder betroffen seien. "Großflächige Rodungen sind ein normaler Teil eines verantwortungsvollen Forstmanagements", heißt es weiter und "eine langfristige Nachhaltigkeit für die Wälder zu erreichen" sei die hauptsächliche Motivation. Hierfür seien sogar mehr Setzlinge gepflanzt worden, als Bäume geschlagen wurden.

Rumäniens geschützte Wälder – es gibt es in Europa eine kaum vergleichbare Landschaft. Fichten, Eichen und Buchen stehen hier seit Jahrhunderten unberührt. Und der Mensch sollte dafür sorgen, dass es dabei bleibt. Denn nur mit den Bäumen und Pflanzen kann der Klimawandel erfolgreich aufgehalten werden. (skn/aze)