Zu kalt, zu nass, zu dunkel?

Raus aus dem Tief! 5 Tipps gegen die Winterdepression

Der Winter kann auch schöne Seiten haben!
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24. November 2019 - 15:33 Uhr

Der Antriebslosigkeit den Kampf ansagen

Während die einen die kalte Jahreszeit samt weihnachtlicher Besinnlichkeit lieben, graut es den anderen vor der monatelangen Kälte, den kurzen Tagen und dem Lichtmangel. Wenn sich zu dem Rückzug ins warme Zuhause wochenlange Antriebslosigkeit und Schwermut gesellen, handelt es sich um eine Winterdepression. Doch die gute Nachricht: Diese trübe Stimmung ist anders als eine klinische Depression saisonal bedingt – und es gibt einfache Maßnahmen, die dagegen helfen.

Etwa fünf Prozent der Deutschen betroffen

Prof. Dr. Dieter Kunz ist Chronobiologe und Chefarzt der Abteilung für Schlafmedizin im St. Hedwig Krankenhaus in Berlin. Laut dem Experten ändert sich bei etwa 25 Prozent der Deutschen die Stimmung mit der Jahreszeit. "Das sind die gleichen Mechanismen, die bei Tieren zum Winterschlaf auftreten." Allerdings haben diese heutzutage beim Menschen keine Bedeutung mehr. An einer Winterdepression, die mindestens zwei Wochen lang anhält, leiden hierzulande Prof. Dr. Kunz zufolge bis zu fünf Prozent der Bevölkerung. Aber was ist dagegen zu tun?

1. Echtes Tageslicht

Hauptursache für eine Winterdepression ist der ständige Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit. Er beeinflusst unseren Haushalt von Melatonin und Serotonin: Melatonin ist bekannt als "Schlafhormon", während Serotonin, das "Glückshormon", uns wach und fit macht. Da Tageslicht die Bildung von Serotonin fördert, sollten Betroffene möglichst viel Zeit im Freien verbringen – auch, wenn der Himmel wolkenbehangen ist, lohnt sich der direkte Blick in den Himmel.

2. Künstliches Tageslicht

Auch eine spezielle Tageslichtlampe mit über 10.000 Lux kann die Stimmung bei einer konsequenten Lichttherapie aufhellen. Dafür muss der Anwender das Gerät direkt vor sich platzieren und regelmäßig ins Licht schauen – und das mindestens eine halbe Stunde täglich. Normale Leuchten für den Hausgebrauch haben mit ca. 100 Lux hierfür nicht das benötigte Spektrum, und auch das UV-Licht des Solariums ist nicht geeignet: Es schädigt bei dauerhaftem Kontakt die Augen, weshalb diese auf der Sonnenbank auch immer verdeckt werden müssen.

3. Bewegung

Ob ein Spaziergang draußen, Yoga oder andere Sportarten: sich zu bewegen und den Körper zu fordern, regt Herz und Kreislauf an und hilft gegen die lähmende Trägheit. Beim Sport werden zusätzlich zum Serotonin auch Hormone wie Dopamin und Adrenalin ausgeschüttet, die schmerzlindernd und stimulierend wirken. Auch die vermehrte Sauerstoff-Aufnahme im Freien hat einen positiven Effekt. Gerade im Winter ist es also besonders wichtig, den Schweinehund in seine Grenzen zu weisen.

4. Schokolade

Der menschliche Organismus stellt Serotonin aus Tryptophan her, einer essentiellen Aminosäure. Diese muss dem Organismus über die Nahrung zugeführt werden, da er Tryptophan nicht selbst herstellen kann.
Die Aminosäure findet sich vor allem in Milch und Milchprodukten sowie in Geflügel, Rindfleisch, Eiern, Erbsen, Nüssen, Kartoffeln und Käse. Aber auch in Kakaobohnen ist Tryptophan enthalten. Darin steckt außerdem der "Glücklichmacher" Theobromin, der ähnlich wie Koffein eine anregende Wirkung auf das Nervensystem hat.

Um für bessere Stimmung zu sorgen, sollte die Schokolade möglichst dunkel sein, also einen hohen Kakaoanteil haben – und natürlich gilt: Maßvoll genießen, denn Extrakilos helfen gegen den Winterblues sicher nicht.

5. Kuscheln

Was wir in der kalten Jahreszeit sowieso sehr gerne machen, hilft auch gegen die Winterdepression: Mit unseren Liebsten kuscheln! Denn dabei wird unter anderem Oxytocin freigesetzt - ein Hormon, das Stress und Angst reduziert und so dafür sorgt, dass wir uns sicher fühlen. Und die Streicheleinheiten haben noch einen weiteren positiven Effekt: Allen Beteiligten wird es dabei sooo schön warm…

Winterdepression oder "echte" Depression?

Wenn die Tage wieder länger und wärmer werden, verbessert sich bei vielen Menschen auch die Stimmung. Doch Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit im Winter können auch tiefergehende Gründe haben als nur Licht- und Bewegungsmangel. Wenn Sie das Gefühl haben, unter schwerwiegenderen psychischen Problemen zu leiden, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Eine erste Anlaufstelle können darüber hinaus diese Beratungsstellen sein.