Kind lehnte tot an Baum in Wien-Donaustadt

Eltern der getöteten Leonie (13): "Wir erfahren alles aus den Medien"

An dem Baum, an dem Passanten Leonies geschändeten Leichnam fanden, haben Menschen Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.
An dem Baum, an dem Passanten Leonies geschändeten Leichnam fanden, haben Menschen Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.
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06. Juli 2021 - 12:56 Uhr

Mutter von Leonie (13): Wollen unser Kind "endlich würdig bestatten"

Es sind schwere Zeiten, die die Eltern der getöteten Leonie (13) durchmachen. Im Interview erheben sie Vorwürfe gegen die Behörden und wehren sich gegen die Aussage eines Beschuldigten (16), wonach er eine Beziehung mit ihrer Tochter geführt haben will. "Das ist doch eine lebensfremde Schutzbehauptung von dem Typen", sagt Mutter Melanie P. (40).

Video: Vanessa H. entdeckte tote Leonie

Am Morgen des 26. Juni hatten Passanten ihr Kind tot an einen Baum gelehnt in Wien-Donaustadt entdeckt. Seither wurden drei tatverdächtige Asylbewerber afghanischer Herkunft (16, 18 und 23 Jahre alt) festgenommen. Einen vierten jagt die Polizei mit internationalem Haftbefehl, auch er soll Afghane sein. Alle stehen sie im Verdacht, das Mädchen in einer Erdgeschoss-Wohnung nahe des Leichenfundortes unter Drogen gesetzt, mehrfach vergewaltigt und getötet zu haben. Anschließend sollen sie Leonie in einen Teppich gewickelt und auf dem Grünstreifen zwischen zwei Fahrbahnen abgelegt haben. Das grausame Ende eines jungen Lebens.

Immer mehr Details sickern an die Öffentlichkeit, doch die Eltern seien nicht besser informiert, als die Leser der Presseartikel, kritisiert Leonies Vater, Hannes W. (39), im Gespräch mit "Heute.at". "Bei uns hat sich noch keiner gerührt, wir erfahren alles aus den Medien", wundert er sich über die Informationspolitik der Behörden. "Wir wollen endlich wissen, wann Leonies Leichnam freigegeben wird, damit wir unser Kind endlich würdig bestatten lassen können", sagt Mutter Melanie P. unter Tränen.

Die Eltern haben Redebedarf, wollen Gerüchte und Schuldzuweisungen aus der Welt schaffen, die im Internet kursieren. Dem Vater ist es wichtig, zu betonen, dass es sich bei dem Verbrechen an seiner Tochter nicht wie öfter berichtet um einen mutmaßlichen "Frauenmord", sondern einen mutmaßlichen "Kindsmord" handele. Auch die Behauptung eines festgenommen mutmaßlichen Täters, wonach er eine Beziehung mit Leonie gehabt habe, weisen die Eltern entschieden zurück. "Das ist doch eine lebensfremde Schutzbehauptung von dem Typen", sagt Melanie P.

Verdächtiger (16): "Niemals hätte ich ihr etwas angetan"

Wien: Fundort der 13-jährigen Leonie
Ermittler am Leichenfundort in Wien-Donaustadt, wo die 13 Jahre alte Leonie tot an einem Baum lehnte.
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Der 16-jährige Afghane hatte ausgesagt, ihm und der Schülerin seien Drogen ins Getränk gemischt worden. Mit der schrecklichen Tat will er nichts zu tun gehabt haben, ganz im Gegenteil. "Leonie und ich haben ein Mischgetränk bekommen. Da dürften K.o.-Tropfen drin gewesen sein. Ich war dann komplett weg", soll er laut eines Berichts der "Kronen Zeitung" im Beisein der Kriminalpolizei erklärt haben. "Leonie war doch meine Freundin. Wir haben uns zuvor schon einige Male getroffen, niemals hätte ich ihr etwas angetan." Sein Anwalt ergänzte: "Er weiß nicht, was dann passiert ist. Als er aufgewacht ist, hat er gesehen, wie schlecht es seiner Freundin geht. Da hat er die Rettung gerufen."

Auch in diesem Punkt sind Leonies Eltern skeptisch. Sie sind beide im Gesundheitswesen tätig, sie 30 Stunden pro Woche in der mobilen Pflege, er ist Vollzeit als Rettungssanitäter im Einsatz. "Wenn die Rettung dort war", so Hannes W.," dann muss es ein Protokoll geben. Weil die Rettung muss wirklich zu jedem Einsatz fahren. Ich weiß dass aus der Praxis." Die Aussage müsste sich also schnell überprüfen lassen. Ob es sich tatsächlich um eine Schutzbehauptung des Jugendlichen handelt, der so versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, klären die Ermittler.

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Hass im Netz: Leonies Eltern wehren sich gegen Vorwürfe

Unterdessen schlägt den Eltern im Netz und auch im realen Leben Hass entgegen. Man wirft ihnen vor, sich nicht gut genug um ihre Tochter gekümmert zu haben. Der Tratsch trifft Melanie P. und Hannes W. hart. Ihre Tochter sei ein rebellischer Freigeist gewesen, daher sei man auch im Austausch mit der Jugendwohlfahrt gewesen. "Nicht nur einmal bin ich, manchmal mit meiner älteren Tochter, nach Wien gefahren und habe Leonie gesucht und habe Leonie dann zum Beispiel aus dem Prater rausgeholt und ihre älteren Freunde dann sogar angeschrien, dass sie mein Mädchen in Ruhe lassen sollen", habe Melanie P. "Heute.at" am Telefon erzählt. "Wirklich gebracht hat das langfristig nichts. Leonie traf ihre Freunde wieder. Ich hätte sie einsperren müssen."

Die Eltern treffe keine Schuld, davon ist auch die klinische Psychologin Sonja Stöckl überzeugt, die die Familie seit Februar 2020 betreut. Sie sagte "Heute.at": "Die Familie hat aus meiner Sicht alles rechtlich Mögliche getan und ausgeschöpft. Man kann heute einen Teenager nicht rund um die Uhr einsperren. Wir haben mit Leonie auch eindringlich über die Gefahren von älteren Freunden geredet und eben erst, wie angesprochen, eine Woche vor der furchtbaren Tat den Heimkehrvertrag auf 21.30 Uhr festgelegt."

Die Eltern und Leonie seien kooperativ gewesen. "Ich war wöchentlich da. Die Eltern, aber auch Leonie reflektierten viel, brachten sich selbst ein. Die Familie hat aktiv gearbeitet, meistens waren alle Familienmitglieder dabei", so Stöckl. "Wir haben Leonie engmaschig betreut, sogar einen Vertrag betreffend der Heimkehrzeiten unterfertigt. Leonie war nur zu gutgläubig und naiv."

Video: Polizei jagt vierten Verdächtigen im Fall Leonie (13)

Rebellisch mit einem starken Willen, lebensbejahend und herzlich, so beschreiben die Eltern ihre Leonie. Das Mädchen sei zudem sehr tierlieb gewesen. "An Regentagen kam sie oft zu spät zur Schule, weil sie die ganzen Schnecken auf der Straße und am Gehsteig wieder ins Grün setzten musste", erzählen sie. "So war unsere Tochter halt."

Ein dritter Tatverdächtiger sitzt inzwischen in U-Haft, einen vierten sucht die Polizei mit internationalem Haftbefehl. Wie die österreichische Tageszeitung "Oe24" berichtete, hätten die Festgenommenen bisher weder Reue noch Emotionen gezeigt. Einer der beiden mutmaßlichen Täter soll bei der Festnahme gemütlich Pizza in einem Wiener Restaurant gegessen haben, ein anderer habe sich an einer Skateranlage aufgehalten. (cwa)