Für die Synästhetikerin ist das ganz normal

Zara (25) sieht, was andere nur hören können

08. Januar 2020 - 10:39 Uhr

Zara ist Synästhetikerin

Für Zara Todil haben Töne, Buchstaben und andere Menschen Farben. Die 25-jährige Psychologin ist Synästhetikerin. Ihr Gehirn vermischt mehrere Sinnesreize automatisch - wird ein Sinn stimuliert, wird damit automatisch auch eine weitere Sinneswahrnehmung ausgelöst. Im Video erklärt Zara, warum sie Situationen deshalb viel intensiver wahrnehmen kann. Dort zeigen wir auch, welche bekannten Persönlichkeiten ebenfalls Synästhetiker sind und warum sie sich im Alltag oft besonders konzentrieren müssen.

Synästhesie ist eine zusätzliche Begabung

Geräusche schmecken, Farben hören und Buchstaben riechen: Für einen Menschen mit einfachen Sinnesempfindungen klingt das kaum nachvollziehbar. Für Synästhetiker ist es ganz normal. Sie vermischen im Gehirn automatisch zwei oder mehr Sinnesreize miteinander. Synästhie ist dabei keine krankhafte Störung, sondern eine zusätzliche Fähigkeit. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie "Vermischung der Sinne" (aus dem griechischen "syn" für "zusammen" und "aisthesis" für "Empfindung").

Innerhalb dieser neurologischen Besonderheit gibt es verschiedene Ausprägungen. Bei Zara ist das die extreme Farbsynästhesie: Die junge Frau sieht alle Personen, Situationen, Buchstaben und auch Töne in Farben. Tiefe Töne sind für Zara dunkel, etwa grau und dunkelblau. Hellere Töne erscheinen für sie gelb. 

Synästhetiker haben ein sehr gutes Gedächtnis

Laut Experten ist Synästhesie eine Überbegabung des Gehirns. "Synästhetiker haben ein sehr gutes Gedächtnis. Sie sind sehr oft viel besser darin, abstrakte Informationen zu organisieren", erklärt der Synästhesieforscher Prof. Dr. Danko Nikolic.

Etwa vier Prozent der Menschen sind Synästhetiker, so das Ergebnis einer Hochrechnung von Wissenschaftlern der Universität Edinburgh. Viele von ihnen wissen gar nicht, dass ihre Art der Wahrnehmung eine besondere Gabe ist. Am weitesten verbreitet ist bei Synästhetikern die sogenannte Graphem-Farb-Synästhesie: Menschen mit dieser speziellen Wahrnehmungsfähigkeit sehen Zahlen und Buchstaben in Farben. Rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung haben dieses Phänomen, wird vermutet. Insgesamt 40 Formen der Synästhesie sind bekannt.

Weil Synästhesien in Familien oft gehäuft vorkommen, gehen Forscher davon aus, dass sie vererbt werden. Wie genau die besondere Wahrnehmungsfähigkeit im Gehirn entsteht, ist bis heute aber nicht vollständig geklärt.