Machen wir uns umsonst große Sorgen?

Südafrikanische Ärztin: „Bisher nur milde Verläufe mit Omikron“

29. November 2021 - 10:57 Uhr

Rasanter Anstieg der Inzidenzen

Die aktuelle Corona-Situation ist durch zu viele Ungeimpfte eh schon angespannt genug. Dann auch die noch beunruhigenden Nachrichten aus Südafrika: Mit B.1.1.529, Omikron getauft, wurde dort ein weiteres Mal eine neue Virus-Variante entdeckt. Ein rasanter Anstieg der Inzidenzen hatte die Ärzte im Land auf sie aufmerksam gemacht. Eine Ärztin in Südafrika sagt aber jetzt: Die bisher beobachteten Symptome seien ungewöhnlich, aber die Verläufe seien sehr mild. Doch diese Patienten waren alle jung.

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Stark mutierte „Omikron“-Variante schon in Deutschland

Die von der WHO mittlerweile als "besorgniserregend" eingestufte, im südlichen Afrika entdeckte Coronavirus-Variante ist in Deutschland angekommen. Bayern hat zwei Fälle bestätigt, in Hessen gibt es einen Verdachtsfall. Das Problem: Omikron soll sehr stark mutiert und noch gefährlicher sein als Delta, so die Befürchtung vieler Experten. Die Präsidentin der South African Medical Association, Dr. Angelique Coetzee, berichtet aber jetzt aber aus der Südafrikas Hauptstadt Pretoria von milden Verläufen.

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Sehr ungewöhnliche Covid-19-Symptome

Zum ersten Mal auf die Möglichkeit einer neuen Variante aufmerksam gemacht worden sei sie, als Anfang des Monats Patienten mit Covid-19-Symptomen in ihre Privatpraxis in Pretoria kamen, die keinen Sinn ergaben, erzählte Coetzee dem Londoner Telegraph. Dazu gehörten junge Menschen unterschiedlicher Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit, die unter starker Müdigkeit litten, und ein sechsjähriges Kind mit einem sehr hohen Pulsschlag, wird sie dort zitiert. Keiner von ihnen habe unter einem Geschmacks- oder Geruchsverlust gelitten.

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Gesunde und ungeimpfte Männer

Insgesamt etwa zwei Dutzend ihrer Patienten seien positiv auf Covid-19 mit Symptomen der neuen Variante getestet worden. "Ihre Symptome waren so anders und milder als die, die ich zuvor behandelt hatte", so Coetzee gegenüber dem Telegraph. Dabei handelte es sich meist um gesunde Männer, die sich "sehr müde" fühlten. Etwa die Hälfte von ihnen war nicht geimpft. Die demografischen Verhältnisse in Südafrika unterscheiden sich stark von denen in Deutschland. Nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt.

Neue Variante könnte Ältere noch härter treffen

Doch die Allgemeinmedizinerin ist durchaus auch besorgt: Die neue Variante könne aber ältere Menschen – mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten – noch viel härter treffen als die anderen. "Wir müssen uns jetzt Sorgen machen, dass wir, wenn sich ältere, ungeimpfte Menschen mit der neuen Variante infizieren und nicht geimpft werden, viele Menschen mit einem schweren Verlauf sehen werden", wird sie dort weiter zitiert.

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Alexander S. Kekulé
Alexander S. Kekulé
© picture alliance, dpa, Felix Hörhager

Virologe Kekulé: Höhere Infektiosität noch nicht belegt

Der Hallenser Virologe Alexander Kekulé ist noch nicht überzeugt, dass die neue Omikron-Variante des Coronavirus tatsächlich so viel infektiöser ist. Bisher liege nur die genetische Information von B.1.1529 vor, betont er im ntv-Talk. "Die sieht so aus, als wäre es eventuell möglich, dass Impfdurchbrüche oder Zweitinfektionen möglich sind." Nur anhand der Gene könne man dies aber nicht feststellen.

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Kekulé zufolge müssen als nächstes Zellkulturen der Mutation angelegt werden, um ihre Eigenschaften überprüfen zu können. In diese Kulturen wird seinen Angaben zufolge das Blut von Menschen hineingegeben, die bereits infiziert waren. Dann könne man testen, ob die Antikörper das Virus blockieren, sagte er bei ntv. "Erst danach kann man sehen, ob eine Gefahr von Durchbrüchen besteht."

Handelt es sich nur um einen „Founder“-Effekt?

Der Hallenser Virologe kann sich vorstellen, dass "wir in drei Wochen wieder Entwarnung geben". Seinen Angaben zufolge besteht die Möglichkeit, dass sich Omikron im südlichen Afrika vor allem in Nestern ausgebreitet hat, die noch unberührt von der Delta-Variante des Coronavirus waren. In Südafrika habe lange die Beta-Variante vorgeherrscht, erklärt Kekulé bei ntv. Die sei im Vergleich zu Delta "aber eine Regionalligamannschaft, wenn Sie so wollen".

Ursache für die schnelle Verbreitung könne der sogenannte "Founder"-Effekt sein, erklärt der Virologe weiter, der Gründereffekt. Möglicherweise habe sich Omikron nur durchgesetzt, weil sie "ungemachtes Terrain" gefunden habe, wo es noch keine andere Variante wie Delta gab. (ija)

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