Kleiner Trick mit großer Wirkung

Neue Studie zum Intervallfasten: Darum ist es nicht egal, WANN Sie essen

Intervallfasten hat sich als Abnehm-Strategie etabliert
Intervallfasten hilft erwiesenermaßen dabei, Gewicht zu verlieren. Jetzt hat eine aktuelle Studie nachgewiesen, dass nicht nur das Zeitfenster von acht Stunden, sondern auch die Uhrzeit der Nahrungsaufnahme eine Rolle spielt.
ROSA LAZIC, ROSA LAZIC (ROSA LAZIC (Photographer) - [None], istock

von Nora Rieder

Wer abnehmen will, muss mehr Kalorien verbrennen als er aufnimmt. So weit, so logisch. In einer US-Studie zeigte sich nun jedoch, dass nicht nur die Kalorienmenge Einfluss auf den Gewichtsverlust hat, sondern auch der Zeitpunkt und das Zeitfenster der Nahrungsaufnahme.

Nicht nur die Kalorienmenge entscheidet über den Abnehmerfolg

An der Studie der Universität von Alabama (USA) nahmen 90 fettleibige Freiwillige im Alter zwischen 25 und 75 Jahren teil. 80 Prozent der Probanden waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren und der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) betrug zu Beginn der Studie 39,6.

Grundsätzlich spricht man ab einem BMI von 26 bis 29 von Übergewicht, ab einem BMI von 30 von Adipositas (Fettsucht) Grad 1 und ab einem BMI von 36 bis 39 von Adipositas Grad 2.

Im Rahmen der Studie nahmen alle Teilnehmer über 14 Wochen lang maximal 1.000 bis 1.500 Kilokalorien am Tag zu sich. Während die eine Hälfte der Teilnehmer sämtliche Mahlzeiten nur in einem Acht-Stunden-Zeitfenster zwischen 7 und 15 Uhr einnehmen durfte, musste sich die andere Hälfte beim Essen an kein Zeitfenster halten.

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Frühe und zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme erhöht Gewichtsverlust

Das Ergebnis: Im Rahmen der Studie konnte nachgewiesen werden, dass diejenigen Teilnehmer, die nur zwischen 7 und 15 Uhr Nahrung zu sich genommen hatten, etwa 2,3 Kilogramm mehr Gewicht verloren hatten als diejenigen, die über zwölf Stunden hinweg oder darüber hinaus gegessen hatten. Insgesamt nahm die erste Gruppe durchschnittlich 214 Kilokalorien weniger pro Tag zu sich, was den größeren Abnehmerfolg erklärt.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher nun im Fachmagazin Jama Internal Medicine. „Die eTRE-Intervention könnte eine wirksame Behandlung für Fettleibigkeit und Bluthochdruck sein", fassen die Autoren ihre Ergebnisse zusammen. Denn während der Studie zeigte sich auch, dass die auf acht Stunden begrenzte Nahrungsaufnahme den (diastolischen) Blutdruck positiv beeinflusste. Gleichzeitig nahmen die Stimmungsschwankungen laut Selbstauskunft der Teilnehmer ab, die Probanden fühlten sich insgesamt fitter.

Etwa 41 Prozent der Patienten gaben an, dass sie die Diät auch nach Abschluss der Studie weiter durchführen wollen. Dies wird von den Forschern als positiv bewertet, da es zeige, dass es sich um eine praktikable Strategie handelt.

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Warum wir morgens leichter Kalorien verbrennen als abends

Doch woran liegt es, dass sich eine zeitlich und auf die erste Tageshälfte begrenzte Nahrungsaufnahme positiv auf den Gewichtsverlust auswirkt? Die Erklärung liegt in der Tatsache, dass die Insulinsensitivität am Morgen ihren Höhepunkt erreicht. Das heißt, dass schon kleinste Mengen Insulin ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Folglich steigt der Blutzucker nach dem Frühstück nicht so stark an wie beispielsweise nach dem Abendessen. Verantwortlich dafür sind unter anderem Wachstumshormone und Cortisol. Zudem arbeitet unser Stoffwechsel zwischen 10 und 12 Uhr besonders effektiv.

Außerdem benötigt unser Körper für die Verwertung und Verdauung der Mahlzeiten, die wir morgens zu uns nehmen, 2,5 mal mehr Energie als für die Verdauung des Abendessens. Somit trägt eine möglichst frühe, auf wenige Stunden begrenzte Nahrungsaufnahme in zweifacher Hinsicht dazu bei, den Kalorienverbrauch zu erhöhen.

Die Studie ist die jüngste in einer zunehmenden Zahl von Forschungsarbeiten, die die Auswirkungen von zeitlich begrenztem Essen untersuchen. Die Begründung für die Strategie, die Essenszeit auf die ersten Stunden des Tages zu beschränken und in der übrigen Zeit zu fasten, geht davon aus, dass die Insulinsensitivität am Morgen ihren Höhepunkt erreicht und dass mehr Energie für die Verarbeitung einer Mahlzeit verbraucht wird, wenn sie zu diesem Zeitpunkt eingenommen wird, als wenn sie später am Tag eingenommen wird. Dies trägt dazu bei, den Kalorienverbrauch zu erhöhen.

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Weitere Studien sind nötig, um Ergebnisse zu bestätigen

Trotz der positiv stimmenden Ergebnisse weisen die Forscher darauf hin, dass weitere Studien notwendig seien, um zu bestätigen, dass eine zeitlich begrenzte Diät wirklich wirksamer ist, um gezielt Fett zu verlieren – das auch vor dem Hintergrund der in diesem Falle relativ geringen Probandenzahl. „Künftige klinische Studien müssen viel größere Stichproben umfassen - bis zu etwa 300 Teilnehmer - um festzustellen, ob intermittierendes Fasten die Körperzusammensetzung und die kardiometabolische Gesundheit beeinflusst“, schreiben die Autoren.

Zu den Einschränkungen der Studie gehörten die Dauer, die höhere Anzahl von Frauen als von Männern, die geringe Teilnehmermenge und die Selbstauskunft bei der Messung der körperlichen Aktivität.

Die Autoren betonten außerdem, dass sich eine zeitlich begrenzte Fastenkur generell nur für gesunde Menschen eignet. Diese sollte idealerweise unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

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