Nach Mega-Explosion in Chempark

Ruß untersucht: Erste Entwarnung in Leverkusen - Einwohner trotzdem zur Vorsicht aufgerufen

30. Juli 2021 - 15:51 Uhr

Das Landesumweltamt untersuchte Proben der Ruß-Partikel

Die Explosion am Dienstagvormittag in einem Chemiepark in Leverkusen (Nordrhein-Westfalen) war verheerend. Fünf Menschen sind dabei gestorben, zwei weitere werden noch vermisst. Stundenlang standen dunkle Rauchwolken über der Stadt. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) warnte vor Ruß-Partikeln, die nach der Explosion in der Stadt niedergegangen sind. Proben der Ruß-Niederschläge wurden untersucht – jetzt liegen die Analyse-Ergebnisse vor. Das Landesumweltamt gibt eine erste Entwarnung. Dennoch sollen die Einwohner noch vorsichtig sein. Die Analyse-Ergebnisse erfahren Sie oben im Video.

Landesumweltamt: "Keine kritischen Werte gefunden" - Vorsichtsmaßnahmen bleiben!

"Uns ist klar, dass viele verängstigt und in Sorge sind", sagte Krisenstabsleiterin Andrea Deppe auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Deswegen stünden die Klärung und Bewältigung der Brandfolgen jetzt im Fokus. Der Schutz der Bevölkerung stehe im Mittelpunkt.

Das Landesumweltamt hat die Partikel untersucht. "Entgegen der Befürchtungen und Erwartungen haben wir keine kritischen Werte gefunden", berichtet Dr. Ulrich Quaß, Fachbereichsleiter für den LANUV-Sondereinsatz. Es seien Werte bestimmter gefährlicher Stoffe messbar gewesen, diese aber seien gering gewesen. Die aber seien "gesundheitlich und umweltmäßig unkritisch. Die Partikel weisen keine langlebigen und umweltrelevanten Schadstoffe auf", so Quaß. Dennoch würden die Sicherheitsmaßnahmen vorerst nicht aufgehoben. "Wir haben der Stadt Leverkusen geraten das nicht zu tun", so Angelika Notthoff vom LANUV. "Weil wir bis heute nicht wussten, welche Stoffe in den Tanks gelagert waren." Es werden noch weitere, gezieltere Untersuchungen durchgeführt. Die Fortsetzung der Maßnahmen sei eine Vorsichtsmaßnahme. "Bis wir eine absolute Sicherheit haben, dass keine Gefährdung besteht."

Nach der Explosion in der Müllverbrennungsanlage waren in der Stadt Ruß-Partikel niedergegangen, die giftig hätten sein können. "Es handelt sich um cent- bis eurogroße Partikel, die eine ölige Konsistenz haben", teilte die Stadt Leverkusen mit. Einwohner waren dazu aufgerufen, diese auf keinen Fall anzufassen, kein Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen und Kleinkinder nicht draußen spielen zu lassen. Spielplätze waren vorsorglich gesperrt worden. Die Empfehlungen gelten auch weiterhin.

  • Keinen Ruß mit in die Wohnung tragen – Schuhe ausziehen und vor der Haustür lassen
  • Obst und Gemüse aus dem Garten nicht verzehren
  • Keine Spielplätze, Spielgeräte, Gartenmöbel, Pools oder andere Gegenstände nutzen, auf denen Ruß niedergegangen ist
  • Verschmutzte Gegenstände nicht anfassen oder reinigen
  • Bei Gartenarbeiten, die nicht aufgeschoben werden können, unbedingt Handschuhe tragen

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Die explodierten Tanks enthielten chlorierte Lösungsmittel

In einem Tanklager des Entsorgungszentrums im Stadtteil Bürrig ist am Dienstagmorgen ein Feuer ausgebrochen. Die Explosion ereignete sich in der Sonderabfallverbrennungsanlage des Entsorgungszentrums. Dabei waren drei Tanks betroffen, in denen sich Lösungsmittel - Produktionsabfälle der Chempark-Kunden befanden. Nach Informationen des nordrhein-westfälischen Landesumweltamtes hätten die explodierten Tanks auch chlorierte Lösungsmittel enthalten. "Daher gehen wir derzeit davon aus, dass über die Rauchwolke giftige Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen in die umliegenden Wohngebiete getragen wurden", teilte ein Sprecher des Amtes mit. In welcher Konzentration dies tatsächlich geschehen sei, werde aber aktuell noch geprüft.

Offen ist auch weiterhin, wie es zu der Explosion kommen konnte. Noch können wir zur Unfallursache nichts sagen. Die zuständigen Behörden haben die Ermittlungen aufgenommen", erklärte Currenta-Geschäftsführer Frank Hyldmar.

So gefährlich sind Dioxine für die Gesundheit – Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht ordnet ein

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