Feuerwehr warnt weiter vor Ruß-Ablagerungen

Mega-Explosion in Leverkusen: "Einsatz, der auch gestandenen Feuerwehrleuten die Schuhe auszieht"

28. Juli 2021 - 16:19 Uhr

31 Verletzte, 5 Vermisste, zwei Mitarbeiter tot geborgen

Die Explosion am Dienstagvormittag in Leverkusen (Nordrhein-Westfalen) war verheerend: In einem Tanklager des Entsorgungszentrums im Stadtteil Bürrig brach Feuer aus. Stundenlang standen dunkle Rauchwolken über der Stadt. Mindestens zwei Mitarbeiter sind beim Unglück gestorben, wie Lars Friedrich, Leiter des Chemparks, bestätigte. Fünf weitere Menschen werden aktuell noch vermisst. "Die Suche nach den Vermissten läuft weiter auf Hochdruck. Leider schwindet die Hoffnung, sie lebend zu finden zusehends", teilte Friedrich am Dienstagabend mit. Bei dem Vorfall wurden außerdem 31 Mitarbeiter verletzt, einer befinde sich noch in Lebensgefahr.

"Der Einsatz wird nicht spurlos an uns vorbeigehen", sagt Hermann Greven von der Feuerwehr Leverkusen am Mittwoch über den schrecklichen Vorfall. "Es war ein Einsatz, der auch gestandenen Berufs-Feuerwehrleuten die Schuhe auszieht." Seine berührenden Worte zeigen wir oben im Video.

Landesumweltamt: Untersuchungen recht aufwendig.

Die Explosion ereignete sich in der Sonderabfallverbrennungsanlage des Entsorgungszentrums. Dabei waren Friedrich zufolge drei Tanks betroffen, in denen sich Lösungsmittel - Produktionsabfälle der Chempark-Kunden befanden. Gebrannt haben "Organische Wasser- und Lösemittel-Gemische, sowie chlorierte Kohlenwasserstoffe im Tanklager", so Hans Gennen von Currenta in einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) geht nach der Explosion im Leverkusener Chempark von "Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen" aus, die über die Rauchwolke in umliegende Wohngebiete getragen wurden. Nach Informationen des Amtes hätten in den betroffenen Tanks unter anderem auch chlorierte Lösungsmittel gelagert, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. "Daher gehen wir derzeit davon aus, dass über die Rauchwolke Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen in die umliegenden Wohngebiete getragen wurden", hieß es. In welcher Konzentration dies tatsächlich geschehen sei, werde aber aktuell noch untersucht. Die Untersuchungen seien recht aufwendig.

Reul: Weiterer Tank drohte zu explodieren

Es hätte noch weitaus schlimmer kommen können. "Zwischenzeitlich war die Lage hochdynamisch, da die Gefahr bestand, dass das Feuer auf einen weiteren Tank übergreift, der auch hunderttausende Liter hochentzündliche, giftige Abfallstoffe enthielt", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul. Die Feuerwehr habe die Gefahr aber bannen können. Der Brand nach der Explosion im Tanklager im Entsorgungszentrum Bürrig ist inzwischen gelöscht.

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Stadt Leverkusen warnt vor Ruß-Ablagerungen

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) warnt vor Ruß-Partikeln, die nach der Explosion in der Müllverbrennungsanlage in der Stadt niedergegangen sind. Das teilte die Stadt Leverkusen auf ihrer Facebookseite mit. "Es handelt sich um cent- bis eurogroße Partikel, die eine ölige Konsistenz haben." Diese könnten giftig sein und sollten deswegen auf keinen Fall angefasst werden. "Nichts essen, was mit Ruß beaufschlagt ist und dafür sorgen, dass das was am Boden liegt, nicht weiter transportiert sind", betont Hermann Greven von der Feuerwehr Leverkusen in einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag. "Dann sind wir relativ sicher." In betroffenen Stadtteilen hat die Feuerwehr Spielplätze vorsorglich gesperrt. Proben der Ruß-Partikel werden noch untersucht.

Für die Menschen in Leverkusen gelte deswegen folgende Empfehlung:

  • Keinen Ruß mit in die Wohnung tragen – Schuhe ausziehen und vor der Haustür lassen
  • Obst und Gemüse aus dem Garten nicht verzehren
  • Keine Spielplätze, Spielgeräte, Gartenmöbel, Pools oder andere Gegenstände nutzen, auf denen Ruß niedergegangen ist
  • Verschmutzte Gegenstände nicht anfassen oder reinigen
  • Bei Gartenarbeiten, die nicht aufgeschoben werden können, unbedingt Handschuhe tragen

Katastrophenschutz: Warnung an die Bevölkerung in Leverkusen

Zur Warnung der Bevölkerung in Leverkusen und Umgebung wurden Warn-Apps und Sirenen ausgelöst. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) warnte die Bevölkerung von Leverkusen-Bürrig auf seiner Webseite: "Schließen Sie Türen und Fenster, gehen Sie in ein Gebäude, rufen Sie die 112 nur an, wenn Sie Angaben zum Geschehen machen können."

Am Mittag erklärte Leverkusens Bürgermeister Uwe Richrath auf einer Pressekonferenz, Kinder-Spielplätze in den Stadtteilen Bürrig und Opladen würden vorsorglich geschlossen. Die Gefährlichkeit der Zusammensetzung des Rauchs über der Stadt müsse eingehend analysiert werden, bis dahin gelte Sorgsamkeit als Vorsichtsmaßnahme, sagte Uwe Richrath.

VIDEO: Oberbürgermeister von Leverkusen im RTL-Interview

Ursache für die Explosion in Leverkusen muss noch untersucht werden

Nach der schweren Explosion im Chempark gestalteten sich die Rettungsarbeiten schwierig. "Die Löscharbeiten mussten warten, bis eine Stromleitung vom Netz getrennt war", teilte die Kommune am Dienstagmittag mit.

Die Ursache für die Explosion soll nun von Brandspezialisten der Kriminalpolizei untersucht werden. Das geht aber erst, wenn die Arbeiten im Gefahrenbereich abgeschlossen sind. Die Autobahnen A1 und A59 nahe der Verbrennungsanlage waren zwischenzeitlich in beide Richtungen gesperrt. Um 15:40 Uhr am Dienstag wurden alle Straßensperrungen wieder aufgehoben.

Die Anwohner in Leverkusen wurden vorsorglich gebeten, sich nach drinnen zu begeben, sowie Türen und Fenster geschlossen zu halten. "Mittlerweile gibt es eine Entwarnung für das gesamte Stadtgebiet", teilte der Chempark mit. Für die Bevölkerung wurde auch eine Hotline eingerichtet, die unter folgender Telefonnummer zu erreichen ist: 0214-2605 99333

Im Video: Riesige Rauchwolke über Leverkusen

Der Entsorgungsbetrieb wird von Currenta betrieben: 2019 hatten Bayer und Lanxess ihre Anteile an Currenta an eine Infrastruktur-Investmentgesellschaft der australische Bank Macquarie verkauft. Das Unternehmen ist Betreiber des so genannten Chemparks mit Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen.

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