Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht ordnet ein

Nach Warnung in Leverkusen: So gefährlich sind Dioxine für die Gesundheit

Großeinsatz nach Explosion in Chemiepark in Leverkusen!
Großeinsatz nach Explosion in Chemiepark in Leverkusen!
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29. Juli 2021 - 10:53 Uhr

Die Auswirkungen sind noch unklar

Eines gleich vorweg: Noch ist ungewiss, in welcher Konzentration die Giftstoffe, vor allem wohl Dioxine, nach der schweren Explosion in einer Müllverbrennungsanlage im Leverkusener Chemiepark, ausgetreten sind und ob diese in ihrer Konzentration überhaupt eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Laut Arzt und Medizinjournalist Dr. Specht müssen zunächst umfangreiche Messungen in den betroffenen Gebieten durchgeführt und Proben analysiert werden, um die Gefahr richtig einzuordnen. Das braucht Zeit. Und solange das noch nicht geklärt ist, ist Vorsicht geboten.

Dioxine können über Lebensmittel aber auch mit bloßem Hautkontakt vom Körper aufgenommen werden

Der Giftstoff Dioxin entsteht bei vielen Prozessen in der chemischen Industrie bei denen Chlor und Kohlenwasserstoffe erhitzt werden und miteinander reagieren. Moderne Filteranlagen in Industrieanlagen sorgen heute dafür, dass die entstehenden Dioxine kaum noch an die Umwelt abgegeben werden. Trotzdem lässt sich der Stoff mit feinster Messtechnik fast überall um uns herum nachweisen. Erst beim Überschreiten eines von Forschern festgelegten Grenzwertes können Dioxine die Gesundheit beeinträchtigen. In der jüngeren Vergangenheit wurden zum Beispiel bei Eiern erhöhte Dioxin-Konzentrationen festgestellt und vor dem Verzehr gewarnt.

So kann sich Dioxin im Körper auswirken

Die Folgen einer Dioxin-Vergiftung können bei hohen Konzentrationen laut Dr. Specht vielfältig sein: So kann zum Beispiel eine Schwangerschaft beeinträchtigt werden, Nerven- und Immunsystem, sowie die Leber geschädigt werden. Auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit sind möglich. Eine akute Folge einer Dioxin-Vergiftung kann außerdem die sogenannten Chlorakne sein, die das Hautbild stark sichtbar und chronisch beeinträchtig. Langfristig können Dioxine außerdem Krebsauslösend sein. In diesem Fall beeinträchtigen sie das körpereigene Abwehrsystem, das normalerweise Krebszellen selbstständig bekämpft, so Dr. Specht.

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Kontakt mit dem Giftstoff vermeiden

Die Dioxine können über Lebensmittel aber auch mit bloßem Hautkontakt vom Körper aufgenommen werden. Im letzteren Fall muss die Konzentration dann aber sehr hoch sein. Nach der Explosion in Leverkusen sind sie vor allem als Niederschlag in Form von Ruß niedergegangen. Dieser kann sich sichtbar zum Beispiel auf Obst und Gemüse im Garten ansammeln, er kann aber auch so klein sein, dass er für das bloße Auge unsichtbar ist. Laut Dr. Specht hilft das Abwaschen von möglicherweise kontaminiertem Obst oder Gemüse, wenn der Ruß nur kurzzeitig Kontakt hatte. Am besten aber: Finger weg, von Obst und Gemüse aus den möglicherweise betroffenen Gebieten. Zumindest solange bis nicht Klarheit darüber herrscht, wie viel Dioxin tatsächlich in die Umgebung gelangt ist und wo genau es heruntergekommen ist.

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