Atemwegsinfekte werden nachgeholt

Experten warnen: Immer mehr Kinder aktuell krank - was Kinderärzte jetzt raten

Experten warnen: Immer mehr Kinder aktuell krank Zu wenig Betten im Krankenhaus
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Zu wenig Betten im Krankenhaus
Experten warnen: Immer mehr Kinder aktuell krank

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Welle der Atemwegsinfekte eigentlich zu früh

Eine laufende Schnupfnase hier, Husten und Fieber da: Auffallend viele Kinder machen seit einigen Wochen Atemwegsinfekte durch, die eigentlich erst in den kommenden Wintermonaten zu erwarten wären. Aber woran liegt das? Im vergangenen Winter waren vergleichsweise wenige Kleinkinder krank. Denn: Schließungen und andere Schutzmaßnahmen griffen nicht nur im Kampf gegen das Coronavirus, sondern auch gegen andere Erreger. Jetzt allerdings holen Kinder und Jugendliche ihre Infekte nach. Das bedeutet: Engpässe in den Kinderkliniken.

Zudem fragen sich viele Eltern: Kann ich mein Kind mit leichtem Husten und Schnupfen in die Kita oder die Schule schicken? Was Kinder- und Jugendärzte für die kommende Zeit raten, sehen Sie im Video.

Robert Koch-Institut warnt vor dem RS-Virus

Ein krankes Baby mit Schnupfennase liegt in seinem Bettchen und weint.
Eine Infektion mit dem RS-Virus ist besonders für kleinere Kinder und Babys wahrscheinlich.
Arkady Chubykin, Arkady Chubykin/arkadiic@mail.ru

Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, offenbart gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass aktuell vor allem unter Sechsjährige betroffen seien. Aufgrund von Kita-Schließungen und anderen Corona-Maßnahmen im vergangenen Winter und Frühjahr seien sie bisher nicht in Kontakt mit bestimmten Erregern gekommen, „die Infekte werden jetzt nachgeholt.“

Auch vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) wird gewarnt: Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet von einem starken Anstieg der Krankenhaus-Einweisungen wegen Infektionen mit der Infektionskrankheit, die vor allem kleinere Kinder, im Alter von eins bis vier, betrifft. Besonders gefährlich kann dieser Infekt der oberen Luftwege insbesondere für Frühgeborene sowie vorerkrankte Kinder im ersten Lebensjahr werden. Laut RKI wurden in den Jahren vor der Pandemie im Monat September rund 60 bis 70 Ein- bis Vierjährige pro Woche mit schweren Atemwegsinfekten in Kliniken eingewiesen, aktuell seien es doppelt so viele. Das RKI rechnet darüber hinaus mit einem weiteren Anstieg.

Lese-Tipp: RS-Virus bei Babys: Darum ist eine Infektion so gefährlich

Lage spitzt sich zu: Zu wenig Betten im Krankenhaus und zu wenig Personal

Maske, der in Berlin eine Kinderarztpraxis hat, sagt: „Es gibt leider im Moment eine Zuspitzung. Wir haben etwas mehr kranke Kinder als sonst zu dieser Zeit und immer weniger Betten in den Kinderkrankenhäusern, weil Personal fehlt.“ Die Mediziner sorgen sich um die Versorgung schwerkranker Kinder im Herbst und Winter. Maske zufolge ist es schon jetzt sehr mühsam, kleine Patienten stationär unterzubringen. Hintergrund sei auch, dass zu wenige Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger ausgebildet würden.

Auch der hannoversche Kinderarzt Thomas Buck, Vorstandsmitglied der niedersächsischen Ärztekammer, ist der Meinung, dass „die Kinderkliniken sehr früh zugelaufen“ sind. Patienten von ihm hätten schon in rund 40 Kilometer entfernte Kliniken im Umland ausweichen müssen.

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Größere RSV-Ausbrüche unter Kindern wurden bereits im Mai aus Israel und in den Sommermonaten in den USA, Australien und Japan gemeldet. Das RKI mahnte deshalb schon im Sommer an, sich auf ein ähnliches Szenario vorzubereiten. „In der Regel begegnen Kinder jedes Jahr RSV und bauen dabei einen gewissen Immunschutz auf“, erläuterten die RKI-Experten. Diese Hilfe bei der Abwehr der Erreger fehle jetzt, weil es im letzten Winter wegen der Corona-Maßnahmen fast keine RSV-Erkrankungen gab.

„Wir machen uns zudem Sorgen, dass es eine Grippewelle gibt“, sagte Buck. Im letzten Pandemie-Winterhalbjahr mit vielen Hygienevorkehrungen und eingeschränkten Kontakten blieb die Grippewelle praktisch aus. Mediziner hoffen, dass die Bereitschaft zur Grippe-Impfung für die anstehende Saison nun dennoch hoch bleibt.

Kinder- und Jugendärzte raten: Das können Eltern tun

Die Kinder- und Jugendärzte plädieren dafür, den Alltag für Kinder und Jugendliche nach Monaten der Entbehrung so normal wie möglich zu gestalten. Für Eltern ist es oft eine schwierige Entscheidung, ob sie ihr Kind mit Schniefnase oder Halsschmerzen in die Kita oder Schule schicken. Seit Beginn der Pandemie wird jeder mit Erkältungssymptomen schief angeschaut, es steht immer auch der Verdacht einer Corona-Infektion im Raum. „Man muss kluge Risikoabwägungen treffen“, sagte Buck. „Wir wollen, dass die Kinder endlich wieder konstant in Kindergarten und Schule gehen und unnötige Krankmeldungen vermeiden.“ Auf der anderen Seite gehe es auch darum, möglichst keine Corona-Infektion zu übersehen. (dpa/vdü)