Medizinexperte warnt

Erkältung und Grippe treffen uns nach Corona härter

Dr. Christoph Specht warnt vor harter Erkältungs- und Grippewelle nach dem Lockdown
Dr. Christoph Specht warnt vor harter Erkältungs- und Grippewelle nach dem Lockdown
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30. Januar 2021 - 9:51 Uhr

Körper entwöhnt sich von normalen Erkältungsviren

Nach der Corona-Pandemie ist womöglich mit harten Erkältungs- und Grippewellen zu rechnen. Davor warnt Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im Gespräch mit RTL. Grund sei, dass sich unser Immunsystem während des Lockdowns von Viren entwöhnt und wir dadurch anfälliger für schwere Krankheitsverläufe werden.

Weniger Erkältungen durch Pandemie

Wenn man der Pandemie eines zu verdanken hat, dann, dass normale Erkältungen so gut wie gar nicht mehr vorkommen. Wie sollen sich die Erreger auch verbreiten bei Kontaktbeschränkungen, Homeoffice und Homeschooling? Keine Chance. Das Robert-Koch-Institut, in dem nicht nur die Zahlen zu Covid-19 zusammenlaufen, bestätigt dass andere Infektionskrankheiten tatsächlich deutlich weniger geworden sind. Zwischen März und Anfang August 2020 wurden demnach knapp 140.000 solcher Nicht-Covid-19-Fälle gemeldet. 35 Prozent weniger sind das im Vergleich zu den Vorjahren.

Erkältungen könnten uns künftig hart treffen

Das ist allerdings nur kurzzeitig ein Segen und könnte nach der Pandemie zum Fluch werden. Wenn unser Immunsystem nichts mehr gewöhnt ist, haben Erreger leichtes Spiel und schlagen in ihrer vollen Härte zu. Und dann könnte eine ganz normale Erkältung uns ganz schön umhauen.

Arzt und Dr. Christoph Specht kennt dieses Problem bereits von anderen Krankheiten. So sagt er, müssen Menschen aus Afrika immer wieder zurück, damit sich ihr Immunsystem nicht von Malaria entwöhnen könne. Ist die letzte Reise nach Afrika lange her, könnte Malaria demnach härter zuschlagen als bei Menschen, die dauerhaft oder regelmäßig den Erregern ausgesetzt seien.

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Dr. Christoph Specht: "Corona hat die Grippe vollkommen abgelöst."

"In normalen Wintern stünden wir jetzt in dieser Jahreszeit so etwa vor dem Gipfel der Influenzawelle, also der Grippewelle", sagt Arzt Dr. Christoph Specht gegenüber RTL. "Die Zahlen wären richtig hoch. Dieses Jahr sieht das völlig anders aus. Die echte Grippe findet so gut wie überhaupt nicht statt", so der Medizinjournalist weiter.

Das bestätigen auch Zahlen des Robert-Koch-Instituts. Laut RKI-Analyse waren Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen besonders stark rückläufig. Und eben auch in der Grippe-Statistik zeigten die Corona-Einschränkungen Wirkung:

Seit September werde ein deutlich niedrigeres Niveau bei der Rate der akuten Atemwegserkrankungen verzeichnet als in den Vorsaisons, berichtet die Deutsche Presse Agentur in Berufung auf die Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI.

Bis zum Jahresende seien nicht einmal 300 im Labor bestätigte Influenza-Fälle seit Saisonbeginn im Herbst bundesweit gemeldet worden. Vor einem Jahr waren es ungefähr zu der Zeit schon mehr als 5000.

Arzt Dr. Christoph Specht dazu im RTL-Interview: "Es gab 2001 eine Saison,wo die Influenza auch ganz niedrig war. Aber so etwas extremes, wie wir es jetzt erleben, das hat es noch nicht gegeben."

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