Gibt es Wege aus der Sackgasse?: Jung, studiert, arbeitslos – vom Hörsaal ins Jobcenter
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Sie sind gut ausgebildet, haben teilweise sogar einen Bachelor-Abschluss in der Tasche – aber finden keinen Job. Mehr als 100 Bewerbungen haben Hannah und Alisha in den letzten Monaten geschrieben, doch es hagelt nur Absagen. Ein Jobcoach schätzt die Lage ein.
Aus Enttäuschung wird Wut... „Ich habe studiert, damit ich einen guten Job bekomme, damit ich nicht für Mindestlohn arbeite Deswegen habe ich mich durchs Studium gequält, um jetzt zu checken, dass ich keinen keine Arbeit bekomme. Was geht ab?!“
Alisha hat einen Abschluss in Wirtschaftspsychologie und Hannah einen Bachelor. Beide haben über 100 Bewerbungen in den letzten sechs Monaten geschrieben... „Liebe Frau Druglat, wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und sie waren tatsächlich ganz weit vorne dabei." Die eine trägt jetzt Post aus, die andere checkt vom Sofa aus ihren Insta Account. Wie aktuell über 3 Millionen andere finden sie nicht den Job, den sie wollen...
„Man denkt manchmal in so einem Moment, dass man gescheitert ist in seinem Leben irgendwo." „Ich könnte damit nicht leben, die ganze Zeit nur von Arbeitslosengeld oder Bürgergeld zu leben."
Hannah Druglat, die als Kulturantrhopologin lieber journalistisch arbeiten möchte, jobbt schon länger als Zustellerin bei der Post – für fast 3.000 € brutto.
„Also es ging wirklich am Anfang nur darum: Ich brauche jetzt schnell was, wo ich Geld verdiene. Ich will irgendwas tun, ich will irgendeine Aufgabe haben. Das habe ich dann auch gemerkt, als ich dann bei der Post angefangen habe, dass ich auch wieder was zu tun hatte. Das hat mir auch viel geholfen." So kompromissbereit ist Alisha nicht – sie bewirbt sich seit einem halben Jahr im Bereich Marketing. „Ich würde sagen, so durchschnittlich 20 bis 30 Bewerbungen im Monat."
Doch bisher gab es nur Absagen. Woran liegt das? Wir stellen Alishia dem privaten Personalberater Marco Miosic vor, der sich ihre Bewerbung anschaut. „Dass sie kommunikativ sind, schreiben ja alle oder teamfähig usw. und das sagt ja jeder...je spezieller man weiß, was man kann...desto besser später auch die Jobfindung."
„Gerade auch, was die Haare angeht, kann ich Ihnen empfehlen, so wie sie jetzt die Haare haben. Nämlich immer so ein bisschen nach hinten. Das wirkt auf Fotos immer kompetenter, als wenn man die Haare so offen hat." Dass Alisha, die neben dem Studium als Servicekraft in der Gastro gejobbt hat, auch Teamverantwortung hatte, hat sie in ihrer Bewerbung gar nicht erwähnt. „Hatten sie da ein Team, wie viel Leute hatten sie denn da?“
„Ja gut, war unterschiedlich, sieben, acht Leute."
„Sieben, acht Leute? Und die waren unter ihren Fittichen? Das ist eine verantwortungsvolle Position. Nicht jeder wird Schichtleiter, das ist schon eine Führungsposition. Und das sind eben solche Geschichten, solche Storys, die man auch viel, viel besser in einen Lebenslauf reinschreiben sollte. Und das ist der Schlüssel."
Sich möglichst gut verkaufen - Nadine Wagenaar interpretiert das ganz anders. Sie bezeichnet sich selbst als Infaulenzerin, hat kürzlich ein Buch mit dem Titel „Sozialschmarotzerin“ herausgebracht. Nachdem ihr 2024 gekündigt wurde, dokumentiert sie selbstbewusst ihr arbeitsloses Leben auf Instagram. „Ich heiße Nadine. Ich bekomme noch 48 Tage Arbeitslosengeld und heute nehme ich euch mit durch mein staatlich subventioniertes Dasein." „Ich weiß, dass mein Content sehr provokant ist. Darauf lege ich auch lege ich das auch an?"
100.000 Follower hat sie inzwischen und will jetzt mit Social Media Geld verdienen.
Für alle die weniger frech sind, fragen wir den Profi, wo es noch sonst Jobs auf dem Arbeitsmarkt gibt.
„Ich sage jetzt mal beispielsweise eine Qualifizierung zum Pflegefachmann oder Pflegefachfrau. Auch die IT Branche Handwerk geht immer, sei es nun den Anlagenmechaniker oder vielleicht auch die Schreinerin. Soziale Berufe. Ich gucke auf den Erzieher, ich gucke auf die Sozialassistentin!"
Zurück zu Alisha, die nach ihrem Coaching ein Vorstellungsgespräch bei einem Ernährungsunternehmen hatte.
„Es ist besser gelaufen, als ich es mir vorgestellt habe. Ich hatte anfangs Angst, dass ich irgendwie einen riesen Blackout habe oder so, das war nicht der Fall."
Ob sie den Job bekommt, ist leider noch offen, denn es gibt auch hier einige weitere Bewerber. Alishas Herausforderung bleibt nämlich an ihr Potenzial zu glauben und es, wenn’s drauf ankommt, auch zu zeigen.
